Spielen mit Herz und Verstand

Friedrich Schiller und der Skat

Nein, Friedrich Schiller hat nicht Skat gespielt – das etablierte sich erst ab 1810 in Altenburg. Aber der Dichter spielte gerne Karten, nĂ€chtelang mit Freunden. In Weimar verbrachte er seine letzten Lebensjahre und freundete sich mit Goethe an. Die wichtigen WirkungsstĂ€tten jener Zeit gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe Klassisches Weimar. Das Skatspiel steht sowohl im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes als auch im Landesverzeichnis Immaterielles Kulturerbe ThĂŒringen.

Er ist zehn Jahre jĂŒnger als Goethe, kommt viel spĂ€ter nach ThĂŒringen. Und am Anfang deutet nichts darauf hin, dass die beiden Dichter eine innige Freundschaft verbinden könnte. Sie gehen einander aus dem Weg. 1794 dann der Wendepunkt: Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe kommen sich bei einem GesprĂ€ch in Jena nĂ€her und begrĂŒnden mit ihrer Verbindung letztendlich die Weimarer Klassik. Die Stadt an der Ilm wird ein wichtiges literarisch-intellektuelles Zentrum in Deutschland, viele Werke von Weltrang entstehen. Denn zehn Jahre lang, bis zu Schillers frĂŒhem Tod, treffen sich die beiden Dichter, diskutieren, lesen einander Texte gegen, helfen sich durch Schaffenskrisen. 

Der Wert der Freundschaft

1799 zieht Friedrich Schiller von Jena nach Weimar. Zum UNESCO-Weltkulturerbe Klassisches Weimar gehören seit 1998 alle jene authentischen Orte, die mit den GeistesgrĂ¶ĂŸen von einst eng verbunden sind. Bei SpaziergĂ€ngen und Museumsbesuchen kann man diese SehenswĂŒrdigkeiten erleben: Wenn man fast schon auf Zehenspitzen durch Schillers Arbeitszimmer geht, das Goethe-Nationalmuseum besucht oder andĂ€chtig vor dem Denkmal der beiden Dichter beim Deutschen Nationaltheater Weimar steht – dann ist das beeindruckend. Und man denkt selbst einmal wieder ĂŒber den Wert von Freundschaft nach.

Wer spielt, der fĂŒhlt sich frei

Die bedeutet ja nicht, dass man alles aneinander toll findet: Schiller etwa kritisiert, dass Goethe in einer wilden Ehe mit Christiane Vulpius lebt. Und Goethe gefĂ€llt es nicht, dass Schiller Tabak raucht und gerne zockt. Womit wir beim Thema unseres Welterbe-PĂ€rchens sind: Der Dichter trifft sich regelmĂ€ĂŸig mit Freunden zum Whist, einem englischen Kartenspiel, aus dem spĂ€ter Bridge entsteht. Er freut sich schon Wochen vorher drauf. Und oft sollen solche Events dann auch erst im Morgengrauen geendet haben. Es gibt ja das berĂŒhmte Zitat von Friedrich Schiller: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Und auch wenn er damit vereinfacht ausgedrĂŒckt meinte, dass der Mensch in der Kunst ganz zu sich selbst findet und dass er sich dann erst frei fĂŒhlt, so hat er doch etwas Wichtiges formuliert: Denn nicht nur beim Erleben von Kunst, auch beim Spielen geht’s uns besonders gut. Wir erweitern unseren Horizont, konzentrieren uns auf eine Sache, können entspannen. Verstand und GefĂŒhl finden zueinander.

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Neue Runde, neues GlĂŒck

„Es gibt klare Regeln beim Spielen – das ist doch schön in unserer immer komplexer werdenden Welt“, meint auch der der Kulturanthropologe und Spiele-Experte Toni Janosch Krause vom Schloss- und Spielkartenmuseum in Altenburg. „Und wenn man scheitert, ist es nicht so schlimm. Dann hat man in der nĂ€chsten Runde eine neue Chance.“ Dass das Spielkartenmuseum mit seinen vielen Spiele-SchĂ€tzen in Altenburg zu Hause ist, folgt einer Logik: Seit der frĂŒhen Neuzeit siedelten sich in der ostthĂŒringischen Stadt Spielkarten-Macher an. Und schließlich entstand dort auch das Regelwerk des Skatspiels, das seit 2016 im Landesverzeichnis Immaterielles Kulturerbe ThĂŒringens steht – weil es ungewöhnlich komplex ist, logisches wie kreatives Denkvermögen erfordert. 

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Alles auf Skat in Altenburg

In Altenburg gibt es aber nicht nur das Spielkartenmuseum, sondern mit ASS auch ein großes Spieleunternehmen. Das Skatgericht und der Deutsche Skatverband haben ihren Sitz dort. Und in der Altstadt kommt man als SpaziergĂ€nger irgendwann unweigerlich auch am Skatbrunnen vorbei, der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Auf ihm balgen sich die vier Wenzel – die vier Buben aus dem deutschen Skat-Blatt – symbolisch um die Macht. Aus GlĂŒcksschweinen speit derweil unermĂŒdlich eine Art Weihwasser. Denn wer seine neuen Karten – natĂŒrlich nur ganz kurz – unter den Strahl hĂ€lt, der soll GlĂŒck im Spiel haben. Und das kann ja selbst dann nicht schaden, wenn Fantasie und Logik gefragt sind.

Mehr erfahren?
klassik-stiftung.de/museen-orte
residenzschloss-altenburg.de/schlossmuseum


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