Märchen aus der Anderswelt

Saalfelder Feengrotten

Glaubt ihr, dass die Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat, längst vergangen sind? Falsch gedacht – denn tief in einem Thüringer Berg gibt es sie noch: die magischen Wesen, die all jene, die es wollen, mit auf eine Reise in die Welt der wahr gewordenen Träume nehmen.

In der Ferne tröpfelt leise Wasser, die Luft ist kalt und riecht ein wenig metallisch. Schummriges Licht glitzert auf den Wänden, kleine Gestalten in braunen, roten und grünen Zipfelmützen-Umhängen flitzen kichernd durch die dunklen Gänge. Andere, größere Wesen in wallenden Mänteln folgen dem hurtigen Getrappel. Zwischendrin ertönt ein gerauntes „Vorsicht!“, und die großen Wesen ducken sich noch ein wenig tiefer.

Wo sind wir denn hier gelandet? Beim Zwergentreffen? Bei der „Riesen gegen Wichtel“-Olympiade? Schneewittchen und die Jägersmeute? Nichts von alledem, auch wenn es sehr danach aussieht – wir sind in den Saalfelder Feengrotten, die es als die „farbenreichsten Schaugrotten der Welt“ sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft haben.

In den steinernen Gängen des ehemaligen Bergwerks, das einst den Namen „Jeremias Glück“ trug, tummeln sich gerade Eltern und Kinder in den Umhängen in Braun und Grün. Im Schaubergwerk tropft es nämlich beständig von der Decke, und das mineralhaltige Wasser würde ohne Schutz Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Die Warnhinweise sind ebenfalls absolut nötig, jedenfalls für Menschen mit Gardemaß – die würden sich sonst den Kopf an den niedrigen Decken stoßen. Das stört die kleinen Kinder-Wichtel naturgemäß wenig – zu spannend sind die bunten Grotten mit ihren unzähligen Tropfsteinen, zu viele Wünsche müssen noch in den Feenbrunnen geworfen werden. Und zu drängend sind auch diese Fragen: „Sehen wir vielleicht Feen hinter der nächsten Kurve? Oder wenigstens hinter der übernächsten?“

Spätestens im ältesten Teil, dem Märchendom mit der Gralsburg, wird klar, warum die ersten Bergleute hier unten den Feengrotten ihren Namen gegeben haben. Über einem stillen See thronen zapfenartig geformte Tropfsteine, deren Form sehr an ein Feenschloss samt Hofstaat erinnert. Sie spiegeln sich als ebengleiches Abbild auf der Oberfläche, als gäbe es noch eine weitere Grotte tief unten im Wasser.

Ansonsten halten die Feen sich aber heute bedeckt – in ihrem dunklen Refugium tief unter dem Berg. Aber vielleicht sind sie ja auch im Garten an diesem lauschigen Spätsommertag. Im Feenweltchen, dem Abenteuerpark mit seinen vielen Spielstationen, haben die sagenhaften Bewohner nämlich ihre Sommerresidenz aufgeschlagen – von Mai bis Oktober entführen die freundlichen Naturgeister große und kleine Besucher in eine andere Welt, genauer gesagt in die Anderswelt mit ihrem Feenwipfelschloss und dem Trollfelsen, dem Hain der Lichtelfen, den Lauschinseln und vielen magischen Geschichten.

Titelbild: ©Martina Sörensen, TTG


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