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Werke von Hand sind Zeugnisse der Seele

Besuch bei Trompetenbauer Alexander Weimann in Kapellendorf

Das Leben einer Weimann-Trompete beginnt in einer kleinen Kammer, die auf den Hof führt: Alexander Weimann erhitzt mit einer Gasflamme ein Stück Blei und gießt das flüssige Metall in ein vorbereitetes, gerades Schallstück. Anschließend muss das Blech abkühlen, dann kann man es von Hand über ein rundes Holzstück in Trompetenform biegen und glatt hämmern.

„Wir machen hier alles noch nach alter Tradition“, erzählt der 51-Jährige, der im kleinen Kapellendorf bei Weimar Instrumente fertigt, die in aller Welt Anklang finden. Etwa eine Woche Arbeit steckt in jeder seiner Trompeten – die meisten werden nach den Wünschen ihres späteren Besitzers im Auftrag gefertigt. Klingende Maßanzüge, könnte man sie nennen, mit einem ganz besonderen Markenzeichen: einer kleinen roten Schraube zwischen all dem vergoldeten Blech.

„Trompeten zu bauen, gemeinsam mit Musikern Töne und Klänge zu entwickeln, das ist ein faszinierendes, schönes Zusammenspiel – und immer auch eine sinnliche Angelegenheit“, meint Alexander Weimann. Mittlerweile erklingen seine Trompeten und Flügelhörner made in Thüringen nicht nur in der Metropolitan Opera in New York, sondern beispielsweise auch bei Konzerten der Staatskapelle in Weimar oder beim Seoul Philharmonic Orchestra. Die Orchester-Liste auf der Website ist lang.

In dem kleinen Ort bei Weimar haben die Weimanns einen alten Bauernhof gekauft und jahrelang renoviert. In diesem denkmalgeschützten Kleinod ist die Manufaktur untergebracht. Im Erdgeschoss liegt die Werkstatt, oben gibt es Büroräume und einen Showroom mit rotem Samt und Regalen voller blitzender, blinkender Trompeten, die natürlich nur für den Laien alle fast gleich aussehen.

Der Trompetensolist Steffen Naumann ist von Jena herübergekommen. Er möchte ein paar Instrumente testen, die Alexander Weimann neu entwickelt hat. Also klingen heute Lutherchoräle bis auf die Hauptstraße von Kapellendorf hinaus. Und die beiden fachsimpeln über Mundstücke, Spielgefühl, Klang und Technik. „Ein Ton entsteht immer im Kopf“, sagt Alexander Weimann. „Und jeder Trompeter möchte genau diesen Klang hören, wenn er sein Instrument spielt. Das ins Instrument packen zu können, das ist die wirkliche Qualität eines Instrumentenbauers.“

Bis zu dieser Könnerschaft ist es ein weiter Weg gewesen: Als kleiner Junge spielt Weimann Waldhorn in der Musikschule. Von Blechinstrumenten ist er so angetan, dass er später eine Lehre zum Instrumentenbauer macht. Dann besucht Alexander Weimann die Meisterschule, setzt ein Restauratoren-Studium für alte Instrumente drauf. Eigentlich will er Instrumente reparieren und das macht er auch bis heute.

Aber irgendwann fragt ihn ein Musiker, ob er für ihn nicht eine Trompete bauen wolle. Er lehnt ab, probiert es dann aber irgendwann doch. „Meine erste Trompete“, erzählt Weimann lachend, „war alles andere als perfekt – auch wenn ich das gern anders gehabt hätte.“ Also hat der Perfektionist so lange getüftelt, bis er das wurde, was er heute ist: ein Meister seines Handwerks, der in einem kleinen Team Trompeten baut, die auf der ganzen Welt geschätzt und geliebt werden.

„Etwas, was man mit der Hand schafft, entspricht einem“, meint Alexander Weimann bescheiden, für den die Arbeit mit den Musikern und Trompeten eine Berufung ist, eine Herzensangelegenheit. Man glaubt ihm, wenn er sagt, dass er keine Trompeten baut, um sie zu verkaufen. Auch wenn er sich natürlich über die rege Nachfrage freut.

Sein Credo: „Werke von Hand sind Zeugnisse der Seele.“

Mehr Infos: www.weimann-brass.de

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