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Mit der Bergbahn ins Kräuterland

Im wildromantischen Schwarzatal wartet mit der Oberweißbacher Bergbahn ein echter Schatz auf Freunde historischer Eisenbahnen und Naturliebhaber. 
Die Bahn versieht ihren Dienst seit dem frühen 20. Jahrhundert. Herzstück ist die 1,4 km lange Standseilbahnstrecke mit einer Steigung von 25 Prozent.
Im Sommer kann man sich im offenen Wagen die frische Waldluft um die Nase wehen lassen oder im Olitätenwagen den thematischen Einstieg in das
Thüringer Kräuterland finden.

Zwischen Mai und Oktober verkehrt bei schönem Wetter auf der Steilstrecke der Cabriowagen. Die "Abt'sche Weiche" macht es möglich, dass auf der ansonsten eingleisigen Strecke zwei Wagen aneinander vorbeifahren können.

Das Schwarzatal mit seinen Seitentälern und Höhen zählt zu den landschaftliche reizvollsten Regionen Thüringens. Ihren Namen hat die Schwarza von der Farbe des dunklen Bodengrundes im Oberlauf.

Die Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald sind bekannt für ihren großen Artenreichtum. Im mittleren Schwarzatal gedeihen besonders viele Kräuter, aus denen seit Jahrhunderten Heilmittel gewonnen werden.

Die wildwachsenden Kräuter des Schwarzatales waren der Ausgangsstoff für heilsame Arzneien, die die „Buckelapotheker“ in ganz Europa vertrieben.

Im Fröbelwald an der Bergstation der Oberweißbacher Bergbahn erfahren Kinder und Erwachsene gemeinsam mehr über das Leben im Wald und über die Region.

Zwischen Vogelzwitschern und Wipfelrauschen

An dem kleinen idyllisch gelegenen Bahnhof in Obstfelderschmiede ist man mitten in der Natur. Alles wirkt friedlich und entschleunigt. Vögel zwitschern und die Wipfel der Bäume rauschen. Plötzlich ertönt ein kurzes Klingeln, die Oberweißbacher Bergbahn naht. Gut gelaunte Menschen verlassen fröhlich plaudernd die Talstation.

Diana Saager, die Leiterin der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn, ist mit einer Bloggerin unterwegs. Sie erzählt, dass die Bahn von 1919 bis 1923 entstand.
Die Strecke war von Anfang an elektrifiziert. Die Wagen des historischen Schmuckstücks sind original und perfekt angepasst an die Steigung des Berges. Stufenförmig angelegte Sitzreihen, ermöglichen einen wunderbaren Blick über die Strecke von jedem Platz aus.

Die Wagenführerin gibt das Signal, die Fahrt beginnt. Langsam gleitet die Bahn den Berg hinauf. Nach kurzer Zeit sind links und rechts der Schienen Holzskulpturen zu erkennen. Die Wagenführerin erklärt was sie darstellen: Da sind der Buckelapotheker, die Porzellina, die Fröbelbank und die Kräuterfrau. Alle sind sie verbunden mit der Region. Nach 18 min hat die Bahn die kurze Strecke zurückgelegt und kommt an der Bergstation Lichtenhain an. Der Ausblick ist spektakulär.

Ehe es weitergeht lohnt ein Blick in das Herz der Bahn, das Maschinarium. Die Antriebsanlage ist beeindruckend. Die Funktionsweise des technischen Meisterwerkes erschließt sich dank interaktiver Hilfsmittel vor Ort. Besucher drücken Knöpfe und beleuchten nacheinander verschiedene Anlagenteile. Hier und da ist ein „Aha!“ zu hören. Auch das Energiekonzept der Bergbahn erstaunt. Durch Ausnutzen der Schwerkraft wird bei der Abwärtsfahrt Energie eingespart bzw. generiert, die dann wieder zur Auffahrt zur Verfügung steht. Genial! Ein Anzeigebild informiert darüber, wie viel Energie in diesem Moment gerade eingespart wird.

Mit dem Olitätenwagen nach Oberweißbach

Von der Bergstation aus führt die Flachstrecke der Oberweißbacher Bergbahn über das Hochplateau. Hier verkehrt der Olitätenwagen. Was Olitäten sind und was sie mit der Region zu tun haben erfährt man im Wagen. Nur so viel sei gesagt: Es geht um Kräuter!

Mit Pflanzenmemo, Duftkasten, Insekten- und Vogelstimmenbox wird es nicht langweilig auf dem Weg Richtung Cursdorf. Aber das wäre es auch so nicht, denn durch die glaslosen Fenster tun sich wunderbare Panoramablicke ins Tal auf, während ein lauer Wind von der Ebene hereinweht.

Die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatal (OBS)

Die OBS besteht aus drei Strecken: Bergbahn, Talstrecke und Schwarzatalbahn. Kernstück ist die Bergbahn. Sie wurde von 1919 bis 1923 erbaut und gilt als steilste Standseilbahn zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen. Auf 1,4 km überwindet sie einen Höhenunterschied von 323 m, bei einer Maximalsteigung von 25%. Die Fahrt dauert 18 min. Daran angeschlossen verkehrt die Flachstrecke über die Hochebene. Die Länge der Strecke beträgt 2,5 km. Von Mai bis Oktober wird bei gutem Wetter der Olitätenwagen eingesetzt, mit Panoramadach und glasfreien Fenstern. Anschluss an die Schwarztalbahn besteht an der Talstation der Bergbahn.

Weitere Informationen zu Fahrplänen, Tickets und Angeboten auf den Internetseiten der OBS.

Duftenden Kräutern auf der Spur

Auf dem Kräuterlehrpfad bei Oberweißbach ist es still, bis auf das Summen der Insekten, für die die blütenreichen Bergwiesen eine üppig gedeckte Tafel sind. Hier gedeihen Spitzwegerich, Frauenmantel, Johanniskraut, Arnika und anderes mehr. Seit 1996 gibt es den Pfad. Das Besondere daran: Auf der 9,9 km langen Route wurde nichts künstlich angelegt. Die Kräuter wachsen, wo es ihnen gefällt. Kleine Schilder entlang des Weges helfen bei der Bestimmung. Das geht heute übrigens digital mit Hilfe von QR Codes.

Den Artenreichtum an Kräutern verdankt das mittlere Schwarzatal besonderen geologischen und geografischen Bedingungen. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts nutzten die Waldbewohner die reichen Gaben der Natur, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Kräuterfrauen sammelten die Pflanzen, in kleinen Waldlaboratorien entstanden daraus Naturheilmittel, die so genannten „Olitäten“. Der Name leitet sich ab vom lateinischen „oleum“ für Öl. Die Buckelapotheker brachten dann die fertigen Produkte in auf dem Rücken getragenen Gestellen auf die Märkte. Alles zu Fuß, selbst zu entfernteren europäischen Regionen wie Holland, Dänemark, Polen, Frankreich oder Ungarn.

Ein Tip für Kinder: Der Fröbelwald

Nach Tieren Ausschau halten, Pflanzenarten entdecken, dem Wald lauschen oder historische Berufe kennenlernen: Der Fröbelwald an der Bergstation der Oberweißbacher Bergbahn ist ein großer Abenteuerspielplatz für die ganze Familie. Kleine Racker können sich mal so richtig austoben. Neugierig sein ist strengstens erlaubt. Und die Großen? Müssen mitmachen! Vorlesen, erklären, miträtseln und staunen ist Pflicht! Am schönsten ist es hier von Mai bis Oktober, wenn sich die Bäume und Pflanzen in ihrer vollen Pracht entfalten.
 

Hätten Sie's gewusst?

Friedrich Fröbel ist der Erfinder des Kindergartens. Geboren wurde er 1872 in Oberweißbach. Die erste Einrichtung dieser Art etablierte er in Bad Blankenburg, unweit seines Geburtsortes. Dort gibt es heute ein sehr informatives und interaktives Museum ihm zu Ehren, in das jedes Jahr Gäste aus aller Welt ihren Weg finden. Der Kindergarten ist halt ein Thüringer Exportschlager.

Hier geht es zum Friedrich-Fröbel-Museum.

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