Seite empfehlen:

Moses trifft Aphrodite: Lindenau-Museum Altenburg

Von zerbrechlichen Schönheiten und frühen Meistern: ein Besuch im Lindenau-Museum Altenburg, wo man alter und neuer Kunst viel Raum gibt ...

Fast ist man ein bisschen eingeschüchtert, wenn man im Kreise solch´ illustrer Figuren seinen Kaffee trinkt: Moses von Michelangelo wendet uns zwar etwas unhöflich den Rücken zu, aber der Venus von Milo und einer griechischen Aphrodite können wir ganz tief in die Augen gucken, während wir den Zucker in den Cappuccino rühren. Eine internationale Gesellschaft ist das hier - aus Italien, Griechenland, Ägypten kommen die Herrschaften, sehen allerdings allesamt etwas blass aus, und das nicht nur um die Nase: schneeweiß sind sie, jungfräulich, alterslos schön. Wir sitzen an einem der kleinen Marmortische im Museum - inmitten der Gipsabgusssammlung mit Kopien von etwa 70 berühmten Skulpturen aus der antike und der Renaissance.

Gipsmodelle? Das ist ja erst einmal ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber im 19. Jahrhundert, als der Altenburger Staatsmann und Gelehrte Bernhard August von Lindenau die große kunsthistorische Sammlung hier aufbaute, waren Gipsfiguren der letzte Schrei. Damals konnte man ja nicht einfach so reisen und die Patina der Originale störte ohnehin eher beim Abzeichnen. Eine solche Zusammenkunft ermöglichte also erst einmal den Vergleich zwischen verschiedenen Kunsttraditionen, und das ist bis heute auch das spannende an der Altenburger Ausstellung im ersten Stock.

Italienische Momente: Im Lindenau-Museum gibt´s die größte Sammlung früher italienischer Tafelbilder außerhalb Italiens.

Das hat Stil: Im Lindenau-Museum kann man inmitten von Exponaten Kaffeeepause machen.

Großer Bahnhof für die Kunst: Das Lindenau-Museum in Altenburg

Zunächst einmal aber schreitet man über die zweiflügelige Steintreppe zum Museumseingang empor und wundert sich ein bisschen: Was macht dieses riesige Museum hier? Ein mehr als großzügiger, von dem Semper-Schüler Julius Robert Enger erbauter Bau, gelegen in Altenburg ganz im Osten Thüringens, einer Stadt mit 36.000 Einwohnern. Ja, sicherlich: Hier wurde 1813 das Skatspiel erfunden. Hier spielt der Roman "Simple Storys" von Schriftsteller Ingo Schulze. Eines der 32 Thüringer Residenzschlösser steht hier. Aber so ein Museum?

Als Ausstellungsbau konzipiert, schon 1876 eingeweiht. Neben der Gipsabgusssammlung hat das Lindenau-Museum viele antike griechische Vasen im Bestand und eine bedeutende Sammlung früher italienischer Tafelbilder - oder, um es genau zu sagen: die größte außerhalb Italiens, mit bedeutenden Werken von Sano di Pietro, Fra Angelico und Sandro Botticelli. Mittlerweile haben die Altenburger auch einen Fundus an Werken aus dem 20. und 21. Jahrhundert aufgebaut. Sie zeigen interessante wechselnde Ausstellungen mit internationalen Künstlern, vergeben an einen Kunsthochschul-Absolventen ein Stipendium und ehren mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis einen Gegenwartskünstler.

Im Lindenau-Museum hat man nach dem Kaffee mit den makellosen Models von damals - im vielleicht schönsten Museumscafé Deutschlands - die Wahl zwischen Antike, Frührenaissance und Gegenwart. Wir entscheiden uns für: alte Zeiten - und spazieren durch die Jahrhunderte. Staunen über den echten und den von einer Kunststudentin kopierten Botticelli, fachsimpeln mit der Restauratorin über die Feinheiten ihrer Arbeit und die Frage, ob man fehlende Stücke eines antiken Gefäßes kenntlich machen sollte,. Und schauen uns zu guter Letzt an, wie Videos über Gipsfiguren flimmern, eine Installation des jungen Thüringers Robet Seidel. Organische Bilder werfen ihre Schatten aus dem 21. Jahrhundert zurück bis in die Antike.

Altenburg ist übrigens kein Einzelfall in Thüringen: auch in Städten wie Apolda, Gera, Gotha, Meiningen und Nordhausen gibt es ambitionierte Kunsthäuser, Galerien, Schlossmuseuen - die neben ihren Sammlungen auch temporäre Ausstellungen mit Werken der Gegenwartskunst zeigen:

Kunsthaus Apolda Avantgarde

Otto Dix Haus Gera

Herzogliches Museum Gotha

Kunsthaus Meiningen

Kunsthaus Meyenburg Nordhausen

 

Sonderausstellung: Bella Italia

Sonderausstellung: Bella Italia

bis 15.10.2017, Lindenau-Museum Altenburg
Hundert Bilder, drei Skulpturen und ein Flugzeug - die Ausstellung präsentiert einen Teil der Sammlung Hassbecker, die Bilder verschiedener italienischer Künstler, sogenannter Außenseiter aufgrund fehlender Bildung, vereint ...

mehr

Kommentare

ThüringenCard

ThüringenCard

Ob Baumkronenpfad, Toskana Therme oder Wartburg - mit der ThüringenCard genießen Sie freien Eintritt zu über 200 Ausflugszielen. mehr

Kontakt

Lindenau- Museum Altenburg
Gabelenzstraße 5
04600 Altenburg

Telefon: +49 (0) 3447 89553
Fax: +49 (0) 3447 895544