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Jüdisches Leben im Mittelalter

Das jüdische Leben in Thüringen ist durch viele Jahrhunderte hindurch reich und voller Kontinuität gewesen – einzigartige Kulturschätze in den Städten des Landes zeugen davon. Seit dem Mittelalter entstanden jüdische Gemeinden in der Mitte Deutschlands. Meist gab es ein gutes nachbarschaftliches Miteinander von Juden und Christen. Jüdische Gelehrte befruchteten das Geistesleben, jüdische Bankiers hatten eine wichtige Funktion in Wirtschaft und Handel. Trotzdem kam es auch immer wieder zu Angriffen auf jüdische Gemeinden, die in den „Pestpogromen“ Mitte des 14. Jahrhunderts gipfelten – so auch am 21. März 1349 in Erfurt. Wenige Jahre nach dieser Katastrophe siedelten sich wieder Juden an. Jedoch lasteten hohe Abgaben und diskriminierende Vorschriften auf ihnen. Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die jüdischen Bürger schließlich aus den größeren Städten vertrieben. Am eindrucksvollsten erzählen heute die baulichen Zeugnisse in Erfurt von der frühen Blütezeit mittelalterlicher jüdischer Kultur.

Die Alte Synagoge in Erfurt ist die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge Mitteleuropas. Der Bau in der Nähe des Rathauses geht auf das Jahr 1094 zurück.

Die heutige Ausstellung in der Alten Synagoge veranschaulicht die Geschichte der ersten jüdischen Gemeinde Erfurts. Ein besonderes Zeugnis stellt der „Erfurter Judeneid“ aus dem 12. Jahrhundert dar.

Nur wenige 100 Meter von der Alten Synagoge entfernt, kam 1998 in der Erfurter Altstadt bei Grabungen ein Goldund Silberschatz zutage. Er ist an Umfang und Zusammensetzung
einzigartig: Über 3.000 Silbermünzen, 14 silberne Barren verschiedenster Größen und mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst wurden unter der Mauer eines
Kellerzugangs geborgen.

Mikwe Erfurt

Mikwe Erfurt
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Direkt hinter der Krämerbrücke, unten an der Gera, liegt die 1248/49 erstmals erwähnte mittelalterliche Mikwe. Stufen führten hinab zu dem steinernen Wasserbecken. Auf Höhe des damaligen Wasserstandes gibt es große Sandsteinquader in mehreren Lagen. Einen der Blöcke – umgekehrt eingemauert und ehemals unter Mörtel verborgen – ziert ein knapp 30 Zentimeter großer Kopf mit Lilienkrone. Seine Bedeutung bleibt bislang ein Geheimnis. Die Wasserversorgung des rituellen Bades erfolgte den Vorschriften entsprechend über „lebendiges“ Wasser, also durch Grundwasser. Männer besuchten das Bad vor hohen Feiertagen, Frauen nach Geburt und Menstruation. Durch ein Fenster kann man das Becken auch außerhalb von Führungen sehen.

Mikwe und jüdisches Erbe in Sondershausen

Frühestes Zeugnis jüdischen Lebens in Sondershausen ist die 1998/99 entdeckte Mikwe. Das von Grundwasser gespeiste Becken lag im Keller eines Hauses, das schon vor dem Bau der Stadtmauer errichtet und vermutlich während des Pogroms 1349 zerstört wurde. Eine jüdische Gemeinde ist danach erst wieder ab Ende des 17. Jahrhunderts nachweisbar – damals entstand auch der jüdische Friedhof am Spatenberg. An die im Krieg stark beschädigte Synagoge in der Bebrastraße erinnert eine Gedenktafel.
Mikwe und jüdischer Friedhof können bei Führungen besichtigt werden.