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5 spannende Facts zum Bauhaus im Jubiläumsjahr

Walter Gropius gründete 1919 das Staatliche Bauhaus und damit etwas vollkommen Neues. Die Kunstschule führte erstmals Kunst und Handwerk zusammen und wurde dadurch die einflussreichste Bildungsstätte im 20. Jahrhundert. Gropius verfolgt den Traum, eine neue "Baukunst" zu erschaffen. Jeder Künstler soll ein Handwerk lernen, die Studenten arbeiten täglich in Schulwerkstätten wie etwa der Töpferei, an Webstühlen oder in der Metallwerkstatt. Es handelt sich bei Bauhaus also weniger um einen konkreten Kunststil, sondern eher um das Zusammenkommen von Künstlern verschiedener Stile, die ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Bis heute werden Künstler, Designer und Architekten in aller Welt von den damaligen Lehren beeinflusst. Entdecken Sie spannende #Facts zum Bauhaus im Jubiläumsjahr.

#1 Die Bauhaus-Idee ist erlebbar...

... und das an vielen Orten in Thüringen. Dabei ist Weimar die Wiege des Bauhauses. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums eröffnet am 6. April 2019 das Bauhaus-Museum Weimar und wird mit zeitgenössischer Architektur und multimedialer Ausstellungsgestaltung nicht nur die Schätze der weltweit ältesten Bauhaus-Sammlung neu inszenieren. Der Museumsneubau wird auf fünf Ebenen Weimarer Bauhaus-Geschichte mit den Fragen der Lebensgestaltung von Heute und Morgen verknüpfen. Auch über Weimars Stadtgrenzen hinaus ist das Bauhaus erlebbar. In Erfurt prägen zahlreiche Gebäude im Bauhaus-Stil das Stadtbild, u. a. das Schellhorn-Haus in der Neuwerkstraße oder das DHV-Haus am Anger. Viele weitere Bauhaus-Bauten und bedeutende Orte lassen sich auf der Grand Tour der Moderne in ganz Thüringen erleben.

Das Bauhaus ebnete den Weg für neu gedachte und moderne Gestaltung in der Architektur. Auch in Erfurt entstanden in den 1920er Jahren erste Gebäude im neuen Gewand. Darunter das "Haus des Deutschen Handlungsgehilfen-Verbandes" (DHV), welches in der Einmündung von Anger und Johannesstraße zu finden ist. Mit 21 Metern Höhe war es das erste Hochhaus der Stadt und besticht durch seinen Runderker, ein typisches Merkmal des Neuen Bauens.
Bild: DHV-Haus am Anger in Erfurt, Foto: Gregor Lengler © Thüringer Tourismus GmbH

Flachdach, Fensterbänke, Formstrenge: Seit 1929/30 steht in der Neuwerkstraße in Erfurt das Schellhorn-Haus – in reizvollem Kontrast zum Angerbrunnen.

Aber auch sehenswerte Einzelwohnhäuser wie das Wohnhaus des Direktors des städtischen Museums Walter Kaesbach (Nerlystraße 11) finden sich in der Stadt. Das Haus des Direktors wurde nach Entwürfen des Architekten Karl Meinhardt erbaut.
Bild: Schellhorn-Haus in der Neuwerkstraße in Erfurt, Foto: Thomas Müller © Impulsregion Erfurt, Weimar, Jena, Weimarer Land

Die Wurzeln der Bauhaus-Universität liegen im 19. Jahrhundert. Anfangs künstlerische Lehranstalt, erhielt sie später den Charakter einer modernen technischen Hochschule mit zahlreichen bauwissenschaftlichen Disziplinen und ist jetzt wieder eine Einrichtung, in der Kunst und Technik zusammengeführt werden. Seit 1996 trägt die Universität den Namen der bedeutenden Designschule des 20. Jahrhunderts.
Bild: Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Alexander Burzik © Impulsregion Erfurt, Weimar, Jena, Weimarer Land

Das 1938/39 nach Plänen des Architekten Egon Eiermann erweiterte Feuerlöschgerätewerk stellt ein herausragendes Denkmal der Architekturmoderne und Industriebaukultur dar. Der sog. Egon-Eiermann-Bau wird seit 2018 als dauerhafter Geschäftssitz der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) genutzt. Von hier aus wird der Standort weiterentwickelt und dient als Open Factory für Kreative – Unternehmer, Handwerker, Künstler und Start-ups.
Bild: Eiermann-Bau in Apolda , Foto: Thomas Müller © IBA Thüringen

#2 Form follows function

Gropius hat dabei den „großen Bau“ im Blick – ein Einheitskunstwerk mit fließenden Grenzen zwischen Architektur, Design und Kunst. Zum ersten Mal gilt: form follows function. Die Funktion bestimmt das Aussehen eines Produktes. Praktisch, nützlich und schnörkellos sollen Alltagsgegenstände sein. In der Weimarer Talentschmiede entstehen damals handwerkliche Unikate ebenso wie neue Prototypen von Möbeln. Darunter auch die Stahlrohrtische von Marcel Breuer. Seine Arbeiten gelten als einmalig, bestechen sie mit ihren neuen Formen, schlichter Funktionalität und damals nicht für Möbel verwendeten Materialien wie Stahlrohr und Aluminium. Breuer und die anderen Bauhaus-Schüler entwerfen, ohne es zu ahnen, Designklassiker des 20. Jahrhunderts.

#3 Sag mir, wie du feierst – und ich sage dir, wer du bist ...

… hat der Leiter der Theaterwerkstatt Oskar Schlemmer einst verkündet. Tanzen war der Lieblingssport der Bauhäusler und Feste feiern gehörte seit 1919 zum Programm der Schule. Im Sinne des Gropius´schen Manifests dienten die Feste dem „Aufbau eines heiteren Zeremoniells“ und boten zugleich eine Gelegenheit, die Bevölkerung ins Bauhaus zu locken, um die künstlerischen, experimentellen Arbeiten zu präsentieren. Legendär war das „Metallische Fest“, bei dem die Gäste gebeten wurden, sich in Blech zu hüllen. Doch auch bei Drachen- und Laternenfesten feierten die Bauhäusler ausgelassen, entwarfen aufwendige Kostüme und spielten mit Formen und der Dreidimensionalität.

Die Ideen des Bauhauses wirkten sich auch auf das Theater aus. Oskar Schlemmer schuf mit dem Triadischen Ballett eines der faszinierendsten Tanzstücke der Weimarer Republik. Für Schlemmer stand die Inszenierung des Menschen im Raum im Mittelpunkt. Das intelligente, heitere Tanzexperiment wird heute von verschiedenen Staatstheatern inszeniert und nachgestellt.

#4 Alles andere als oldschool

Die Bauhaus-Künstler stellten sich nach dem schrecklicken Erlebnis des Ersten Weltkriegs ganz idealistisch einer so einfachen wie komplizierten Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Sie suchten nach Utopien, arbeiteten interdisziplinär. Dabei waren die Ideen im Allgemeinen nicht elitär, es ging darum, breiten Bevölkerungsschichten eine Verbesserung ihrer Lebensituation zu ermöglichen. Auch heute können ästhetische, gesellschaftliche und moralische Fragen viel öfter zusammen gedacht werden.

#5 From Thuringia to the world

Nachdem die Nationalsozialisten 1932 das Bauhaus in Dessau schlossen, emigrierten viele bekannte Künstler in die USA und auch nach Israel. Sie bauten u. a. in Chicago und Tel Aviv Häuser, die auch Deutschland gut zu Gesicht gestanden hätten. Laszló Moholy-Nagy selbst führte das Konzept des Bauhauses ab 1937 im amerikanischen Exil als New Bauhaus in Chicago weiter (heute das Illinois Institute of Technologykurz IIT). Das Experimentierfeld des damals noch jungen Mediums der Fotografie erfuhr durch die Emigration in die USA große Bedeutung. Der Begriff "bauhausy" verbreitete sich dabei rasant in den Vereinigten Staaten. Viele Bauhaus-Protagonisten machten die Ideen des Bauhauses weltberühmt  aus Thüringen in die Welt.

BauhausCard 2019

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Bauhaus-Kalender 2019

Im Bauhaus-Kalender finden Sie eine Übersicht zu den Ausstellungen, Informationen zu Veranstaltungen und einen Überblick zur Grand Tour der Moderne in Thüringen. Viel Spaß beim Blättern und Entdecken Ihrer persönlichen Bauhaus-Highlights!

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Tipp:
Bauhaus-Erlebnistour

Tipp:<br>Bauhaus-Erlebnistour

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