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Erfurt: Kunst und Textilhandwerk im Zeichen des Experiments

Erfurt liefert jede Menge Bauhaus-Stoff: So zeigt das Margaretha-­Reichardt-Haus im Ortsteil Bischleben das Lebenswerk der Bauhausabsolventin. Erfurt stand nicht nur in engem Austausch mit dem Weimarer Bauhaus, es entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert selbst zu einem Brennpunkt moderner Kultur. Industrielle, Mäzene und der örtliche Kunstverein schufen wichtige Foren für die Avantgarde und ihre Werke. Auch Büro­ und Geschäftsgebäude sowie Wohnviertel im Stil der Klassischen Moderne prägen das Stadtbild der Thüringer Landeshauptstadt.

Mekka moderner Kunst

Vor allem Industrielle, Mäzene und örtliche Kunstvereine schufen in den 20er Jahren der modernen Kunst wichtige Podien zur Präsentation ihrer Werke und Förderung ihrer Vorhaben. Öffentliche Gelder zum Ankauf moderner Kunst wurden verwehrt. In Erfurt hatten der Direktor des Städtischen Museums Walter Kaesbach und der Schuhfabrikant Alfred Hess entscheidenden Anteil an zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen der Moderne. So überließ Hess dem heutigen Angermuseum Gemälde-Leihgaben von Nolde, Kirchner oder Nauen. Die Villa des Fabrikanten wurde auch zum beliebten Treffpunkt für Künstler und Architekten – unter ihnen Walter Gropius, Lyonel Feininger sowie Otto Dix und Paul Klee.

Erfurt kam so zu einer der bedeutensten Sammlungen deutscher Expressionisten und das Museum am Anger wurde zum Mekka moderner Kunst. Ein Großteil der Kunstschätze fiel später den Nationalsozialisten zum Opfer. Der "Heckelraum" blieb allerdings erhalten und kann heute noch besichtigt werden.

Neues Bauen in Erfurt

Mit dem Umbau verschiedener Geschäftshäuser in der Innenstadt im Auftrag von Alfred Hess wurden unübersehbare Zeichen für das Neue Bauen in Erfurt gesetzt, die heute noch im Erfurter Stadtbild markante Akzente bilden.

Das Haus des Deutschen Handlungsgehilfen-Verbandes am Anger 81 avancierte 1929 zum ersten Hochaus der Stadt. Mit sechs Etagen und 21 Metern Höhe überschritt es die damalige Bauordnung um drei Meter. Am Anger versammeln sich weitere Bauten der Moderne wie das heutige Sparkassen-Gebäude oder das Schellhornhaus. Ein Spaziergang durch die Straßen zeigt auch herausragende Beispiele für sozialen Wohnungsbau im Stil des Neuen Bauens. So sticht unter anderem der Wohnkomplex Hansa-Block hervor.

 

Margaretha-Reichardt-Haus

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Ein Besuch im Margaretha-Reichardt-Haus gibt Einblicke in das Wohnhaus und die Werkstatt der Bauhaus- Künstlerin. Höchst interessant ist dabei eine Vorführung der Kunst des Handwebens durch die Reichardt-Schülerin Christine Leister.

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