Zeitreise ins Barock

Das Ekhof-Theater in Gotha

Der magische Moment dauert knapp sieben Sekunden. Eine Glocke bimmelt – und wie von Zauberhand verschieben sich mit leisem Geratter alle Kulissen: Die Felsen fahren heraus, der Wald wird hereingezogen. Schon vorbei – ohne Unterbrechung geht es weiter mit dem Operngenuss. Willkommen in der kleinen barocken Welt des Ekhof-Theaters in Gotha, das so etwas wie die Wiege der Theaterkultur der Neuzeit ist!

Es ist dort vieles noch wie damals Ende des 17. Jahrhunderts, als Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg das kleine, intime Theater erbauen ließ: die Bühne, unter der bis heute Kulissenschieber mit Hand betriebene Wellbäume und Seile bewegen, damit das Bühnenbild sekundenschnell wechseln kann. Und die historischen Opern und Theaterstücke mit barocken Kostümen, die während des jährlichen Ekhof-Festivals zwischen Ende Juni und Ende August aufgeführt werden.

Ekhof Theater Gotha

©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

Ermöglicht werden die Abende durch eine kleine, hochprofessionelle Künstlercrew, die schon etwas zwei Stunden vor Aufführungsbeginn loslegt. Die schwarz angezogenen Kulissenschieber sitzen noch plaudernd im Garten hinterm Bühneneingang, aber drinnen ist schon eine Menge los.

©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

Die Sängerinnen werden für ihre Hauptrollen in der Serenata „Marc´Antonio e Cleopatra“ von Johann Adolph Hasse geschminkt. Dann streifen sie ihre üppigen Barockkostüme über, schlüpfen in die goldenen Schuhe, die bereitstehen, und singen sich ein.

Kurz darauf ist dann die kurze Probe der Capella Jenensis unter der Leitung von Gerd Amelung, der vom Cembalo aus dirigieren wird.

Ekhof Theater Gotha

©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

Nur 165 Plätze gibt es hier in Gotha, man muss sich schon im Winter um Tickets bemühen, wenn man das bespielte Ekhof-Theater im darauffolgenden Sommer erleben möchte. Wer zu einer anderen Zeit eine Schlösserreise nach Gotha unternimmt oder keine Karten mehr bekommen hat, der kann die einzigartigen Räumlichkeiten aber trotzdem besichtigen: im Rahmen von Führungen, bei denen man auch die hölzerne Bühnenmaschine gezeigt bekommt, oder beim normalen Schlossrundgang mit Audio-Guide. Der führt nämlich einmal durch den Zuschauerraum des Ekhof-Theaters.

Es ist 19 Uhr. Die Zuschauer haben sich eingefunden, das Licht geht aus, das kleine Orchester spielt auf: Gemeinsam mit Katharina Göres als Cleopatra und Julia Böhme als Marc Antonio entführt es das Publikum in eine vergangene Opernwelt – und mitten hinein in ein liebevoll inszeniertes Herz-Schmerz-Drama.
 

Das Barocke Universum Gotha

Gotha hat mit dem Schloss Friedenstein ein einzigartiges Ensemble mit Schlosspark, Orangerie und historischen Räumen aus der Zeit des Barock und des Klassizismus. Hinzu kommen kunstgeschichtliche, historische und naturkundliche Sammlungen, die in drei Museen im Schloss (Schlossmuseum, Historisches Museum, Museum der Natur) und im nahen Herzoglichen Museum gezeigt werden. Einmalig ist, dass nicht nur die Schlossanlage, sondern auch alle Sammlungen seit mehr als 350 Jahren an diesem Ort erhalten geblieben sind.

©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH


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