Rennsteig-Sound

Wenn man hört, dass man nicht viel hört

Beim Wandern dauert es eine Weile, bis man hört, dass man zur Abwechslung mal nicht viel hört. Außer summende Hummeln, den Wind in den Wipfeln und die eigenen Schritte. Es ist eine leise, aber nicht stille Tour von Oberhof nach Allzunah.

Abstand gewinnen

So, da vorne halten wir an, dort, wo die Bäume etwas lichter stehen und die Sonnenstrahlen wie schmale Scheinwerferlichter bis zum Boden dringen. Ein guter Platz für eine erste kurze Rast. Vierzig, fünfzig Minuten sind seit dem Aufbruch in Oberhof vergangen, bis zum Etappenziel Allzunah dauert es noch ein paar Stunden, da kann man schon mal eine Pause einlegen. Die Schuhe etwas lockerer schnüren, den Sitz des Rucksacks korrigieren, einen Schluck aus der Wasserflasche nehmen, was man so macht bei der ersten Rast. Wie still es hier draußen ist! Die Straße ist nicht weit entfernt, vom Rauschen des Verkehrs aber hört man nichts mehr. Stattdessen veranstalten die Hummeln, die sich über die Kleeblüten hermachen, ein ziemliches Getöse. Und irgendwo in den Wipfeln hämmert ein Buntspecht.
Wer häufiger zu Fuß im Wald unterwegs ist, kennt das: Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, fällt der Alltag ab und die Sinne öffnen sich. Wir spüren, dass etwas anders ist. Die Geräusche des Alltags fehlen. Das Dröhnen der Autos auf den Straßen, das Plärren von Radios oder das Piepsen von Smartphones. Unsere Welt ist laut, immer und überall. Selbst im angeblich stillen Zimmer summt oder brummt irgendwo etwas im Hintergrund. Oft nehmen wir es gar nicht mehr wahr. Bis wir allein sind auf einem Wanderweg wie dem Rennsteig. Die Natur hat ihren eigenen Sound, und der tut uns gut.

Auf Empfang gehen

Das Tosen des Alltags ist verstummt und neue Perspektiven öffnen sich. Wir schalten um, von Bildern auf Geräusche und gehen auf Empfang. Da sind die eigenen Schritte. Ihr dumpfes Ploppen auf dem weichen Boden des Rennsteigs, das Klacken, wenn man über Steine läuft, Schmatzen, wenn es zuvor geregnet hat und der Boden nun so matschig ist, dass die Schuhe fast am Boden kleben. Das Rascheln der Kleidung ist zu hören, das Knirschen der Rucksackträger, das Klimpern von Kleingeld in der Hosentasche. Und dann treten andere Geräusche in den Vordergrund. Insekten summen, Holz knackt, ein Tannenzapfen schlägt auf den Waldboden und der aufkommende Wind rauscht in den Wipfeln der Fichten. Ein paar Minuten auf dem Rennsteig und der Trubel ist weit weg. 

Waldlandschaft am Rennsteig

Waldlandschaft am Rennsteig ©Guido Werner, Thüringer Tourismus GmbH

Den Wald kennenlernen

Am Rennsteig dominieren Fichten. Wo sie stehen, lassen sie anderen Bäumen kaum Raum. Hier und da aber sieht man auch Tannen. Noch sind sie klein und eingehegt zum Schutz vor hungrigem Rotwild. Der Wald ist im Umbau. Langsam, aber stetig vollzieht sich sein Wandel zurück zu den Ursprüngen. Noch aber sind es die Äste von Fichten, auf denen Erlenzeisige und Tannenmeisen sitzen (die trotz ihrer Namen offenbar nichts gegen Fichten haben). Das helle Flöten zwischendrin ist eine Singdrossel. Kann man alles nachlesen auf Tafeln am Wegesrand. Sie stehen überall am Rennsteig und erklären, was man schon immer wissen wollte oder auch noch nie im Sinn hatte. 
Am historischen Rennsteigbahnhof ist es nicht mehr weit nach Allzunah: ein Dutzend Häuser. Sie liegen da, als seien sie aus dem Wald hinunter in die Senke gepurzelt. Plus „Der Frisör am Rennsteig“, falls die Frisur unterwegs durcheinandergekommen ist. 

 

Mehr Infos zum Rennsteig gibt es auf thueringer-wald.com.

Titelbild ©Christopher Schmid


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