Die Sixtina des Nordens

Panorama Museum Bad Frankenhausen

Im Plauderton ins Gespräch vertieft, erklimmen die meisten Besucher gemächlichen Schrittes die 80 Stufen zum Bildsaal des Panorama Museums. Sie wissen ja, was sie erwartet, denn der Name des Museums offenbart dessen Inhalt – ein Panorama. Doch bereits auf dem letzten Treppenabsatz verharren sie kurz – die ersten gemalten Quadratmeter werden sichtbar.

Auf der Besucherplattform des Panoramasaales dann endlich angekommen, weiten sich nicht nur Kinderaugen zu staunenden Blicken und ein raunendes, ehrfürchtiges „Ah“ und „Oh“ schallt durch den Bilddom. Sekundenlang stehen sie einfach nur da und lassen den Blick solange schweifen bis sie sich um ihre eigene Achse gedreht haben und nun tatsächlich das Panorama – den Rundumblick – wahrgenommen haben. Die visuelle Wucht des Bildes, die sich durch die intensiven Farben und unzähligen Gestalten manifestiert, „zwingt“ viele auf die weichen Ledersitze im Saal, um in andächtiger Stille ein weiteres Mal das Panorama in Augenschein zu nehmen. Diese Beobachtungen macht Silke Krage, seit mittlerweile 32 Jahren im Museum tätig, immer wieder, wenn sie Gäste während einer Führung betreut. 

„Sich endlich mal ausmalen“

Und auch sie ist immer wieder aufs Neue fasziniert vom Monumentalgemälde, das auf 1722 Quadratmetern über 3.000 Einzelfiguren in altmeisterlicher Formensprache zeigt. Für Werner Tübke, den Schöpfer dieses Panoramabildes, bot sich bei diesem Auftragswerk die einmalige Chance, sich endlich einmal richtig „auszumalen“, denn zu oft sei er zu schnell an den Rand einer Leinwand gekommen, wie er es des Öfteren ausdrückte.

Monumentaler Kraftakt

Vor dem Kraftakt, das Original im Panoramasaal zu bewältigen, schuf der Kunstprofessor und Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig eine Vorfassung, die 10 Mal kleiner als das endgültige Gemälde war. Von diesem pauste man die Konturen aller Figuren minutiös ab und übertrug sie dann 10-fach vergrößert auf die Leinwand im Saal. Die unbehandelte Leinwand wog knapp eine Tonne, wurde von 54 Männern hochgezogen und in über 15 Metern Höhe mit 576 Metallschellen an einem Stahlring befestigt. Auch unten ist sie an einem gleichgroßen Ring fixiert, hängt somit quasi frei im Raum ohne mit der äußeren Bauhülle verbunden zu sein. Eine technische Meisterleistung wie auch die millimetergenaue Übertragung und Einpassung der kleinen Fassung (ein Tafelgemälde) in die Rotunde mit einer Länge von 123 Metern. 

Über 4 Jahre benötigte Werner Tübke mit seinen „Altgesellen“, die ihn bei der malerischen Ausführung unterstützten, um sein „Hauptwerk“, das zum Schluss knapp 3 Tonnen wiegt, fertigzustellen.

Panorama Museum Bad Frankenhausen

Zeitrepräsentanten des Bauernkriegs und des Humanismus stehen um den Brunnen der Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit, versinnbildlicht durch den Granatapfel auf dem Pokalsockel in der Wasserfläche (Panorama Museum Bad Frankenhausen) ©Dieter Leistner, Würzburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

„Entweder es wird ganz irre oder alle blamieren sich“

Dabei war dieses Auftragswer