Ein Urwald entsteht

Der Nationalpark Hainich

Im Nationalpark Hainich lässt sich erahnen, wie die Urwälder Mitteleuropas zu Beginn unserer Zeitrechnung aussahen: Große, unzerschnittene Buchenwälder gedeihen auf Muschelkalkböden, Tiere und Pflanzen haben ein Refugium gefunden, die Natur darf wachsen, wie sie will. Naturfilmer Andreas Kieling hat im Hainich als Kind gespielt. Nun ist er offizieller Nationalparkbotschafter für seinen Wald.

Im Frühjahr blüht der Boden

Vor den Bäumen blüht im Hainich der Waldboden. Warme Sonnenstrahlen dringen ungehindert durch die noch blattlosen Baumkronen. Auf den nährstoffreichen Waldböden wächst jetzt millionenfach der Hohle Lerchensporn. Leuchtend-weiße Märzenbecher bahnen sich ihren Weg ans Licht. In der Luft erahnt man den Duft von Bärlauch. Doch bis dieser in voller Pracht den weichen Waldboden bedecken wird, müssen noch ein paar Wochen vergehen. 

Nationalpark Hainich

© Marco Fischer, Thüringer Tourismus GmbH

Andreas Kieling war schon als Kind in diesem Wald unterwegs. Dass dieser damals militärisches Sperrgebiet war störte ihn und seine Freunde nicht. „Wir hatten unsere Schleichwege“, sagt er. „Das war unser großes Abenteuer, unser Spielplatz“.

Man muss sich Zeit nehmen

Andreas Kieling sagt, dass es ihn berührt, dass gerade in seiner alten Heimat solch ein Ort entstanden ist, in dem die „Natur wieder Natur bleiben darf“. Wie aber lässt sich diese besondere Landschaft am besten erfahren, wie schärft man die Wahrnehmung für sie? „Man muss sich Zeit nehmen“, sagt Andreas Kieling. „Obwohl ich den Wald wirklich gut kenne, gehe ich immer wieder neugierig in ihn hinein. Was werde ich heute erleben? Was ist heute anders?“ Er rät, den Wald nicht immer bloß wandernd zu besuchen. „Wenn ich mich nicht bewege, dann nehme ich die Umgebung ganz anders wahr. Ich verstecke mich hinter einem Baumstamm oder einem Busch und warte einfach, was passiert. Ich achte auf das Licht, die Gerüche, die Geräusche, die Gesänge der Vögel. Meistens dauert es nicht lang, bis sich etwas tut. Dann läuft eine Waldmaus durchs Laub, man hört einen Vogel, ein Reh nähert sich dir.“ Welches Gefühl er mit dem Hainich verbindet? Kieling überlegt kurz und antwortet: „Geborgenheit“.

Das Herz des Hainich

Als Kind kletterte Andreas Kieling im Hainich auf die großen Bäume, auf der Suche nach Vogelnestern. Heute kann er über den Baumkronenpfad gehen. Er ist das Herz des Hainichs, kein Ausflugsziel ist hier beliebter. Gut einen halben Kilometer führt die Route beim Nationalparkzentrum an der Thiemsburg durch die Baumwipfel. Der Start liegt auf zehn Metern Höhe, dann steigt er sanft auf 24 Meter an.

Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich

© Joachim Köhler Mediadesign, Thüringer Tourismus GmbH

Sogar mit Rollstuhl kann man ihn besichtigen, dank eines geräumigen Aufzugs. Von oben erscheinen die Kronen der Bäume wie eine Hügellandschaft. Der Wind weht ein wenig frischer als am Boden, Luft und Licht sind reiner und der Klang der Vogelstimmen kräftiger. Hier oben spürt man am eindringlichsten, was für ein Schatz dieser Hainich ist.

Der Nationalpark Hainich

Seit dem 25. Juni 2011 zählt der Nationalpark Hainich zum UNESCO-Weltnaturerbe. Gegründet wurde er bereits 1997. Er bedeckt eine Fläche von 75 km2 und befinden sich im Süden des Hainich, Deutschlands größtem zusammenhängenden Laubwaldgebiet. Im Nationalpark entsteht ein mitteleuropäischer Urwald, in dem man der Natur freien Lauf lässt und die Flächen nicht bewirtschaftet.

Titelbild © Jens Hauspurg, Thüringer Tourismus GmbH


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