Old but gold

Bauhaus UNESCO-Welterbestätten in Weimar

Mehr als 100 Jahre ist es her, dass die wichtigste Kunstschule des frühen 20. Jahrhunderts in Weimar ihren Betrieb aufnahm. Gründervater Walter Gropius hätte damals sicher nicht geahnt, dass die revolutionären Bauhausideen die Welt erobern und bis heute Einfluss auf die Entwürfe vieler Architekten und Designer nehmen würden. In ganz Thüringen findet man authentische Bauhaus-Schauplätze. Weimar sollte dabei weit oben auf der „Must-See“ Liste stehen, denn hier warten drei Bauhaus-Stätten, die seit 1996 zum UNSECO-Welterbe gehören.

Das Versuchskaninchen

Eine solche UNESCO-Welterbestätte ist das Haus Am Horn. Es entstand 1923 als Versuchshaus für die erste große Bauhaus-Ausstellung und ist sozusagen der Prototyp des modernen Bauens und Wohnens. Entworfen wurde es von Georg Muche, dem jüngsten Formmeister des Bauhauses. Die Ausstattung des Hauses war ein Gemeinschaftswerk aller Werkstätten des Bauhauses. Dabei wurde an alles gedacht: Pflegeleichte Materialien, eine moderne Haustechnik und eine geschickte Raumorganisation sollten schon damals die Hausarbeit erleichtern. 

 

Von der Kunstscheune zum Juwel

Rational und klar strukturiert kommt das Haus Am Horn daher. Das Bauen ohne Schnörkel, offene Grundrisse, viel Licht und die Verbindung von innen und außen sind klassische Bauhauselemente, die man auch am Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar (ehemalige Kunstschule) erkennt. Zweite UNESCO-Welterbestätte in Weimar und von 1904 bis 1911 nach Plänen des Architekten und Wegbereiter des Bauhauses Henry van de Velde errichtet.

 

Hauptgebäude Bauhaus-Universität Weimar ©Michael Kremer, Thüringer Tourismus GmbH

 

Ursprünglich stand an dieser Stelle ein bescheidener Fachwerkbau, in dem sich die Räume der Kunstschule befanden und der allgemein als „Kunstscheune“ bekannt war. Van de Velde errichtete einen imposanten Atelierbau, der auch im Inneren mit der ellipsenförmigen, aufschwingenden Treppe und dem „Direktorenzimmer“ beeindruckt: Ein würfelförmiger Raum im Raum, ausgestattet mit kubusförmigen Möbeln. Sieht man auch nicht jeden Tag.
Zurück nach draußen: Van de Velde entwarf nicht nur das Hauptgebäude der heutigen Bauhaus-Universität, sondern außerdem den gegenüberstehenden Winkelbau, in dem derzeit die Fakultät für Gestaltung untergebracht ist. Von 1905 bis 1906 wurde er für die Großherzogliche Staatliche Kunstgewerbeschule Weimar errichtet. Heute ist er auch als „Kleiner Van de Velde Bau“ bekannt und – last but not least – somit die dritte UNESCO-Welterbestätte in Weimar.

Winkelbau der Bauhaus-Universität Weimar ©Dominik Saure, Thüringer Tourismus GmbH

 

Meister der Vielseitigkeit

Im Inneren sind vor allem die ungewöhnliche Belichtung des Treppenhauses, die breite Wendeltreppe und die rekonstruierten Wandmalereien von Oskar Schlemmer sehenswert. Letztere entstanden für die Bauhausausstellung 1923. Für Schlemmer war das Maß aller Dinge der Mensch. Oder besser gesagt: der auf geometrische Formen reduzierte Körper. Sein Hang zu geometrischen Formen ist auch im Bauhaus-Signet erkennbar, das aus seiner Feder stammt: ein stilisierter, auf geometrischen Formen basierender Kopf. Bis heute DAS Bauhaus-Symbol. Schlemmer war als Maler, Bildhauer und Bühnenkünstler ein wahres Universalgenie.

Wandgemälde von Oskar Schlemmer im Van de Velde Bau der Bauhaus-Universität Weimar, ©Dominik Saure, Thüringer Tourismus GmbH

 

Vom Juristen zum Grafikdesigner

In nichts nach stand ihm dabei László Moholy-Nagy. Vom ursprünglichen Jura-Studium fand dieser über erste Zeichnungen zur Kunst, lehrte und experimentierte multimedial am Bauhaus in Weimar und wurde später selbst Gründer einer Design-Hochschule in Chicago. Während seiner Bauhaus-Zeit brachte er gemeinsam mit Gropius die Bauhaus-Bücher heraus. Moholy-Nagy war Utopist, Pragmatiker, Freigeist – und einer der bedeutendsten Lehrer in der Geschichte des Bauhauses.


Weltweit einzigartig

Das Bauhaus lebte nicht nur von den Ideen, sondern auch von den herausragenden Persönlichkeiten. Neben Schlemmer und Moholy-Nagy gab es davon sehr viele, die allesamt Kunst und Design beispiellos revolutionierten. Fest steht: Um einen Besuch in Weimar kommt man einfach nicht herum. 

Aus Thüringen in die Welt

Bauhaus und Moderne

Das neue Denken und Schaffen der Visionäre dieser Zeit hat das Verständnis und die Entwicklung von Kunst und Design in vielen Bereichen weltweit grundlegend verändert. Und die Wiege dieser bahnbrechenden Erfolgsgeschichte war Weimar. Erfahrt, wie der Geist des Bauhauses in Thüringen weiterlebt und entdeckt die vielen Zeugnisse dieser besonderen Zeit.

 

Ich geh´ mit meiner Laterne…

…und meine Laterne mit mir: Zu spannenden Bauhaus-Orten in Weimar. Bei einem abendlichen Spaziergang führt ein Guide zu den ehemaligen Wohnhäusern und Ateliers der Bauhausmeister. Dabei habt ihr eine Laterne im Gepäck, die euch den Weg durch die Straßen und den atmosphärischen Ilmpark perfekt ausleuchtet.
Für alle, die das Bauhaus und Weimar lieber bei Tag erleben möchten, eignet sich der Bauhaus-Spaziergang hervorragend. Angehende Architekten, Bauingenieure, Kulturwissenschaftler oder Künstler vermitteln aus ihrer Perspektive die Historie ihrer Universität und was es heißt, an dieser besonderen Hochschule zu studieren und zu lernen, aber auch zu leben und zu feiern.

Das Bauhaus digital entdecken

mit Thuringia.MyCulture.

Mit dem digitalen Kulturreiseführer für Smartphone und Tablet erkundet ihr in zwei tollen Erlebnistouren das Bauhaus in Thüringen. Geht auf Entdeckungstour durch Weimars Moderne oder schaut euch die Tourstationen der Grand Tour der Moderne genauer an.


Headerbild: Haus Am Horn, Weimar ©Dominik Saure, Thüringer Tourismus GmbH


Hat euch der Artikel gefallen?

zielgruppe_kennerschaft,zielgruppe_faszination,kampagne_bauhaus,kampagne_unesco