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Ein Klassiker: Weltkulturerbe in Weimar

In Weimar reihen sich die Welterbestätten dicht aneinander. Insgesamt verzeichnet die Kulturstadt 19 UNESCO Welterbestätten. Das Ensemble des „Klassischen Weimars“ umfasst 16 Objekte, während auf der Liste "Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau" 3 Objekte aus Weimar stehen.

In Weimar wohnt die Kultur, hier atmet jede Ecke Literaturgeschichte und Genie-Begegnung: Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Martin Wieland und Gottfried Herder waren die bedeutendsten Vertreter der klassischen Epoche, die auch Frauen wie Herzogin Anna Amalia und Großherzogin Maria Pawlowna mitgeprägt haben.

Wir haben ein paar Klassiker in Szene gesetzt – mit den Persönlichkeiten und Geschichten, welche sich um die einzelnen Stätten ranken.

Die Kulturstadt Weimar kennt viele große Namen: Goethe, Schiller, Liszt und später Nietzsche, van de Velde und Gropius – sie alle kamen nur für einen kurzen Aufenthalt und blieben doch für Jahre. Herzstück der Weimarer Klassik ist die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Ihrer Namensgeberin ist es zu verdanken, dass sich Weimar ab dem 18. Jahrhundert zu einem geistigen und kulturellen Zentrum entwickeln konnte.

Foto: © Jens Hauspurg, TTG

Das barocke Wittumspalais im Zentrum Weimars war bis 1807 der langjährige Witwensitz von Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach. Hier zeigt sich ihre Liebe zu Kunst und Kultur besonders deutlich. Im Rundgang sind die ehemaligen Wohn- und Repräsentationsräume der Herzogin zu sehen. Die Ausstattung der Zimmer ist beispielhaft für die Wohnkultur um 1800 und gibt einen Einblick in die vielseitigen Interessen Anna Amalias.  

Foto: © Gregor Lengler, TTG

Als habe das große Genie soeben erst sein Arbeitszimmer verlassen. Im Haus am Frauenplan lebte und wirkte Goethe fast 50 Jahre lang. Für den Dichter und Staatsmann sowie seine Familie war es weit mehr als eine Wohn- und Arbeitsstätte: Die nach seinen Kunstidealen und vielseitigen Interessen gestalteten Räume dienten der Geselligkeit und dem kulturellen sowie wissenschaftlichen Austausch.

Foto: © Gregor Lengler, TTG

Zahlreiche originale Stücke sowie Möbel aus Goethes Nachlass können noch heute im Haus am Frauenplan in 18 zugänglichen Räumen besichtigt werden.

Foto: © Gregor Lengler, TTG

„Weimar ist eigentlich ein Park, in welchem eine Stadt liegt.“ - und zurecht schreibt dies der Schriftsteller Adolf Stahr 1871. Der 48 Hektar große Park an der Ilm ist ein einzigartiger Landschaftsgarten am Rande der Weimarer Altstadt. Die Entstehung des Parks an der Ilm ist eng mit Goethes Leben und Wirken in Weimar verbunden.

Foto: © Carlo Bansini, TTG

1. Episode

Eine viel zu junge Witwe

Ein hartes Schicksal, das dieses preußische Mädchen ereilt: Anna Amalia heiratet mit 16, wird mit 18 Mutter, und mit 19 Jahren ist sie schon Witwe. Als die Prinzessin im Stadtschloss in Weimar ihren zweiten Sohn zur Welt bringt, lebt ihr tuberkulosekrankter Mann, Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach, schon nicht mehr.

Mit ihrem Gatten hat Anna Amalia, eine Nichte Friedrichs des Großen, die Liebe zur Kunst geteilt. Die beiden errichten ein Hoftheater und wohnen dreimal wöchentlich Aufführungen bei, manchmal auch im Naturtheater von Schloss Belvedere. Es lohnt sich auch heute noch den weitläufigen Park mit seinem Russischen Garten und dem Irrgarten zu durchstreifen. Hier haben Goethe und Anna Amalias ältester Sohn pflanzenkundliche Studien betrieben.

2. Episode

Die zertanzten Schuhe

Die junge Frau bringt den Kaiser in Wien dazu, sie als Herzogin anzuerkennen, bis Stammhalter Carl August erwachsen ist. Eine Frau an der Spitze des Herzogtums Weimar-Sachsen, das ist eine Revolution! Anna Amalia ist 36 Jahre jung, als sie abdankt und ins Wittumspalais zieht. Dort wandeln heutige Besucher bspw. durch das Eckzimmer, in dem die Herzoginmutter ihre Tafelrunden abhielt.

Im Sommer wohnt Anna Amalia auch auf Schloss Tiefurt oder Ettersburg. Und sie weiß zu leben: Anna Amalia schnupft Tabak und trägt jeden Tag ein Paar neue Schuhe. Bei Bällen tanzt sie oft bis zum Morgen.

3. Episode

Goethe betritt die Szenerie

Goethe reist 1775 ins Thüringische. Der Grund? Der junge Herzog Carl August braucht einen Ratgeber und Vertrauten. Die beiden wandern und betrinken sich gerne zusammen. Der 26-jährige Dichter wird Geheimer Legationsrat, Herder auf Goethes Vorschlag Superintendent. Goethes Wohnhaus und die Stadtkirche St. Peter und Paul gehören ebenfalls zum UNESCO-Ensemble Klassisches Weimar.

Der Dichterfürst aus Frankfurt kümmert sich um Kriegs-, Wegbau- und Finanzbelange. Als Bibliothekar baut er die Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit ihrem berühmten Rokokosaal aus, gestaltet den Park an der Ilm samt Gartenhaus und Römischem Haus. Die Wohnräume des Dichters kann man im Goethe-Nationalmuseum besuchen, außerdem die multimediale Dauerausstellung „Lebensfluten – Tatensturm“.

Das Leben des Genies Goethe in Thüringen entdecken.

Kultur-Tipp: Großer Auftritt der Geschichte

Das Deutsche Nationaltheater in Weimar gehört zu den geschichtsträchtigsten Bühnen in Deutschland. Goethe machte das Weimarer Theater berühmt, später wurde hier die Weimarer Republik geboren. 1804 feierte Schillers Drama „Wilhelm Tell“ hier seine Uraufführung. Seine Worte erklingen noch heute.

Ein Blick hinter die Kulissen.

4. Episode

Wo ist Schiller?

Die Särge der beiden späten Freunde Schiller und Goethe stehen nebeneinander in der Fürstengruft, die von einem Historischen Friedhof mit alten Bäumen und ins Grüne gesunkenen Grabsteinen umgeben ist. Die letzte Ruhestätte der Weimarer Herzöge liegt nördlich des Goethehauses. Ein Besucher hat eine rote Rose zu den Särgen der Dichter gelegt. Ob er wusste, dass Schillers Sarg leer ist? Im Jahr 2008 stellte ein internationales Forscherteam fest, dass die Gebeine in dem Sarg nicht die des Dichters sind.

5. Episode

War's am Ende Gift?

Weder einer der infrage kommenden Schädel noch die sterblichen Überreste im Sarg sind von Schiller. Deshalb können die Forscher leider auch nicht mehr herausfinden, woran der Mann eigentlich starb. War es die Tuberkulose? Oder kam eine Schwermetall-Vergiftung hinzu, die er sich im eigenen Wohnhaus zugezogen haben könnte? Die Analyse von alten Tapetenresten nährt diese Vermutung.

Heute besteht beim Besuch des Schillerhauses keine Gefahr für die Gesundheit mehr. Die alten Holzdielen knarzen, wenn man in den zweiten Stock zu Friedrich Schillers Privaträumen emporsteigt. Oben auf dem Schreibtisch des Meisters stehen Kerzenhalter, Uhr und Globus. Auf dem Schreibtisch liegt der Federkiel auf einem beschriebenen Papierbogen.

Schillers Spuren in Thüringen folgen.

6. Episode

Lauschig im Park

Nicht als „eine Stadt mit einem Park“, sondern als „eine Stadt in einem Park“ könnte man wohl Weimar heute beschreiben. Man gewöhnt sich schnell an die Schafe, die auf der Wiese das Gras „mähen“, wenn man durch den Park an der Ilm spaziert. Wunderbar lässt es sich hier wandeln, inspiriert von dem gleichen Anblick, wie auch Goethe ihn schon von seinem Gartenhaus aus genoss.

1919 kommen junge Leute mit neuen Vorstellungen von Kunst und Design nach Weimar. Nachts feiern sie rauschende Feste im Park. Viele Einheimische sind empört über die Bauhäusler. Doch das ist eine andere Episode in Weimars Kulturgeschichte.

Von Weimar aus entlang des Flusses radeln – die Tour zur Kultur.

Die Wiege des Bauhauses

Weimar, ein Klassiker? Nicht nur! In Weimar treffen zahlreiche Museen und Gedenkstätten der Klassik auf die Welt von Bauhaus und Moderne. Ein einzigartiges Zusammenspiel. Walter Gropius gründete 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar und damit etwas vollkommen Neues. Die Kunstschule führte erstmals Kunst und Handwerk zusammen. Gropius verfolgt den Traum, eine neue "Baukunst" zu erschaffen. Jeder Künstler soll ein Handwerk lernen. Bis heute werden Künstler, Designer und Architekten weltweit von den damaligen Lehren beeinflusst.

Das Bauhaus in Thüringen entdecken.

Weltkultur, keine Weltreise entfernt

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