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Republik der Gegensätze: Weimar als Wiege der Demokratie

Wie das Bauhaus bestand auch die Weimarer Republik nur 14 Jahre lang. Knapp anderthalb Jahrzehnte voller Widersprüche, die ein ganzes Jahrhundert prägten: Die Weimarer Republik legte das Fundament für ein demokratisches Deutschland und bereitete gleichzeitig den Boden für dessen Exodus durch die Nationalsozialisten. Die Weimarer Verfassung galt damals als eine der fortschrittlichsten der Welt. In der ersten deutschen Republik erblühte in den »Goldenen Zwanzigern« eine Kulturszene, die international Aufsehen erregte. Andererseits war sie geprägt von politischen Kämpfen, Aufständen, gesellschaftlichen Radikalisierungen, der Wirtschaftskrise 1929, von Massenarbeitslosigkeit und sozialen Missständen.

Das Bauhaus ist ein Kind seiner Zeit. Die Ambivalenz der Weimarer Republik spiegelt sich auch in der Geschichte der Avantgardeschule – in den internen Debatten wie in den äußeren Anfeindungen. Sie zeigt sich in der Lebenslust der Bauhäusler, in ihren künstlerischen wie lebensreformerischen Experimenten. Sie spiegelt sich in den großen gesellschaftlichen Fragen, mit denen sich das Bauhaus beschäftigte, und in den Antworten und Objekten, die es gestaltete. Das Notgeld, das der Bauhäusler Herbert Bayer 1923 zur Hyperinflation für das Land Thüringen gestaltete, zählt beispielsweise ebenso zu den Objekten, die im neuen bauhaus museum weimar ab 2019 gezeigt werden, wie die berühmten funktional gestalteten Tischleuchten von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker, die auch schon zu Bauhaus-Zeiten für Normalbürger kaum zu bezahlen waren.

»Ungeheuer groß sind die Gefahren, die unser deutsches Vaterland bedrohen, ungeheuer groß ist die Aufgabe, aus all diesen Nöten das deutsche Volk zu retten.«

Mit diesen Worten eröffnete Friedrich Ebert am 6. Februar 1919 die Nationalversammlung in Weimar. 197 Tage lang versammelten sich die Abgeordneten im Nationaltheater. Abend für Abend füllten sie die Gasthäuser Weimars – im Stadtmuseum Weimar dokumentiert beispielsweise das Gästebuch des »Weißen Schwans« die außerparlamentarischen Debatten am Kneipentisch.

Weimar rückte ins Zentrum des politischen Geschehens. Eine Fluglinie zwischen Weimar und Berlin wurde eingerichtet, aus der später die Lufthansa hervorging. Eine Mädchenoberschule wurde zum Telegrafenamt umfunktioniert, um den Nachrichtenfluss in die Redaktionen der aufstrebenden Massenmedien und die politischen Zirkel zu gewährleisten. 7 000 Soldaten patrouillierten in der Stadt, die Weimarer Bevölkerung musste sich täglichen Passkontrollen unterziehen.

Am 11. August 1919 wurde die Verfassung schließlich verabschiedet und drei Tage später von Reichspräsident Friedrich Ebert durch seine Unterschrift in Kraft gesetzt. Das Frauenwahlrecht, die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und Glaubensfreiheit, die Einführung einer Arbeitslosenversicherung oder des 8-Stunden-Tages sind nur einige der progressiven Errungenschaften, die in der neuen Verfassung festgeschrieben wurden.

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Ausstellungs-Tipp:

Ausstellungs-Tipp:

Im Stadtmuseum Weimar verdeutlicht die Ausstellung »Demokratie aus Weimar. Die Nationalversammlung 1919« mit zeitgeschichtlichen Originalobjekten, Filmen, Plakaten, Modellen, Medaillen und Dokumenten das damalige politische Ringen um die Zukunft Deutschlands.