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UNESCO-Biosphärenreservat Rhön

Eine Landschaft wie gemalt

Seit 1991 ist die Rhön ein grenzübergreifendes UNESCO-Biosphärenreservat in Bayern, Hessen und Thüringen. Sie ist eine uralte Kulturlandschaft vulkanischen Ursprungs. Streuobstwiesen, Grünland, naturnahe Buchenwäldern und unbewaldete Bergkuppen prägen das Bild. Auf großflächigen Kalkmagerrasen weiden die typischen Rhönschafe und gedeihen seltene Pflanzenarten. Keine Windräder oder Stromleitungen durchbrechen die Landschaft. Des nachts gibt ein natürliches Dunkel den Blick frei auf einen Himmel voller Sterne.

Die Menschen in der Rhön wissen, wie wertvoll ihre Heimatregion ist. Das belegt eine Meinungsumfrage aus dem Jahr 2010. Sie verbinden mit ihr „schöne Landschaft“, „Ruhe und Gelassenheit“ sowie „intakte Natur“. Und das beschreibt die eher dünn besiedelte Region schon sehr gut. Viel Platz für den Menschen in der Natur.

Einst fast ausgestorben hat das Rhönschaf wieder einen festen Platz in der Landschaft. Das hornlose Schaf mit seinem schwarzen, unbewollten Kopf ist bestens an das Klima und die kargen Grünlandflächen der Hochrhön angepasst.

Die feuchten Auwiesen und die mageren Trockenrasen der Rhön haben jeweils eine speziell angepasste Fauna. Im Frühjahr verwandeln sie sich in artenreiche Blütenteppiche. Auch zahlreiche seltene Orchideenarten finden hier ideale Bedingungen und Raritäten wie der Deutsche Enzian.

Kleine Dörfer bestimmen die Siedungsstruktur der Rhön. In ihrem direkten Umland finden sich viele Streuobstwiesen, in denen alten Obstsorten gedeihen.

Auf einem Berg nahe Kaltenwestheim steht die „Arche Rhön“. Sie ist Teil der Erlebniswelt Rhönwald. Kinder lernen hier spielerisch mehr über die Bedeutung von Naturschutz, regionales Handwerk und Geologie.

Die Dark Sky Association hat das Biosphärenreservat Rhön 2014 zu einem „Internationalen Sternenpark“ ernannt. Ohne künstliche Lichtquellen, und besonders in mondlosen Nächten, wölbt sich ein sternenübersäter Himmel über die Landschaft und offenbart einen Ausblick wie ihn unsere Vorfahren hatten.

Den Alltag zurücklassen

Beim Wandern fällt der Alltag ab. Der Blick geht über Wiesen und sanfte Bergkuppen. Der Wind streicht über die weite Landschaft und aus der Ferne ist das Blöken der Rhönschafe zu hören. Am Himmel schwebt ein Rotmilan. Gut zu erkennen mit seinen langen, schmalen Flügeln und dem tief gegabelten Schwanz. Die Rhön ist eine seiner Brutregionen.

Wir laufen durch ausgedehnte Magerwiesen mit blühenden Farbtupfern in Sonnengelb, zartem Violett und strahlendem Weiß. Das Biosphärenreservat ist ein Refugium für bedrohte Arten.  Pflücken natürlich nicht erwünscht. Aber Fotografieren! Auch zur späteren Bestimmung daheim. Vielleicht war es ja der Gelbe Frauenschuh, der da am Wegesrand leuchtete, die seltene Berg-Waldhyazinthe oder der Große Wiesenknopf. Mit seinen dunkel-braunroten, kugeligen Blütenständen ist er ein typischer Bewohner der Rhönwiesen.

Menschliches Wirken hat das Gesicht der Rhön über Jahrhunderte geprägt. Alte Weideflächen, große Streuobstwiesen. Wir verstehen jetzt, warum man sagt, sie sei eine alte Kulturlandschaft. Und da ist auch schon die nächste Streuobstwiese. Im Frühjahr muss die Luft hier vom Summen der Tausender Bienen erfüllt sein. Rhöner Honig ist eine Spezialität. Jetzt hängen die Bäume voller Früchte. Viele alte Obstsorten gedeihen hier.

So eine Wanderung macht Appetit. Zeit das nächste Dorf anzusteuern und sich in einem Rhöner Hofladen einzudecken. Zum Glück liegt es gleich hinter der Streuobstwiese. Ach ja, seufzen wir. Und denken: die Rhön macht glücklich. Während wir leichten Herzens über das weiche Gras auf das Dorf zuwandern.

Pflanzen, Tiere, Menschen und Landschaften der Rhön: Detaillierte Einblicke liefern die Internetseiten des Biosphärenreservates.

Nachts, wenn alles schläft

Nachts schläft der Mensch im Allgemeinen. Wir brauchen unseren Schlaf, wie auch Tiere und Pflanzen. Und das ist das Problem. In vielen Regionen der Welt geht das gar nicht mehr. Schuld daran ist das künstliche Licht, das Straßen und Gebäude auch nachts taghell beleuchtet. Nicht so in der dünn besiedelten Rhön! Die Dark Sky Association hat sie 2014 zum besonderen Schutzgebiet erklärt, einem Sternenpark. Um die Sterne zu sehen, kann man sich auf eine Nachtwanderung begeben.

In der Dämmerung machen wir uns auf den Weg, ausgerüstet mit warmer Kleidung, Decke, Thermoskanne und Fernglas. Auch eine drehbare Sternenkarte ist dabei, und eine Taschenlampe, die wir allerdings mit einer tiefroten Folie präpariert haben, damit das Licht nicht zu hell ist.

Ungewohnt ist diese Wanderung in das Dunkel hinein. Es fühlt sich an, als wären wir Kinder, die heimlich in der Nacht aus dem Haus schleichen. Bäume und Sträucher verschmelzen zu Silhouetten. Es zirpt, rauscht und raschelt. Am westlichen Himmel wirft ein Sonnenuntergang purpurnes Licht über die Landschaft. Dann betreten wir den Wald. Aus dem Unterholz Geräusche. Unsere Sinne sind angespannt. Wir gehen langsam und stellen fest, unsere Augen gewöhnen sich langsam an das Dunkel.

Auf einer baumfreien Anhöhe richten wir uns auf der mitgebrachten Decke ein. Schön so zu liegen und nach oben zu schauen. Über uns der frühe Nachthimmel mit den ersten Leuchtpunkten. Und dann beginnt es: Stern auf Stern erscheint, einer nach dem anderen, und immer mehr. Dazwischen ein unscharfes, silbernes Band: die Milchstraße. Durch das Fernglas betrachtet wird sie zu einem glitzernden Meer. Wie eine himmlische Schatztruhe. Gewaltig, ewig und wunderschön. Am liebsten würden wir die ganze Nacht so liegen und einfach schauen.

Wer gern zum Sternenbeobachter werden möchte: Der Verein Sternenpark Rhön e.V. gibt Hinweise und beleuchtet Wissenswertes auf seiner Website.  

Den Weg wählen

Aber welchen Weg wählen wir nun durch die Rhön? Einer der schönsten ist auf jeden Fall der Hochrhöner®, vielleicht sogar einer der schönsten in Deutschland. Der Weitwanderweg durchläuft drei Bundesländer, über eine Gesamtstrecke von ca. 180 km. Er ist im wörtlichen Sinne aussichtsreich. Wer sich Zeit für ihn nimmt, der wird belohnt durch eine echte Auszeit vom Alltag.

Aber auch die kürzeren Extratouren können entschleunigen. 23 gibt es davon in Thüringen. Sie führen zu vielen landschaftlichen Besonderheiten und lassen Einblicke zu in die Natur des Biosphärenreservates und die Geschichte der Rhön, von den alten Kelten bis zur ehemaligen innerdeutschen Grenze am Grünen Band.

Die Rhön geht übrigens auch prima mit Kindern. Sie verpackt Naturerlebnis und Lehrreiches über Artenschutz mit Spaß und Abenteuer. So zum Beispiel in der Erlebniswelt Rhön wo die „Arche Rhön“ und „Noahs Segel“ stehen. Oder auch auf den Spuren des Rhönpaulus, eine Art Robin Hood der Region. Wir haben fünf Ideen für kleine Rhönentdecker zusammengestellt.

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