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Theater zum Anfassen

Ein lauter Knall; Konfetti fliegt durch die Luft, eine Sektflasche zerschellt an der Tür – das ist Theater. Oder besser gesagt: Das und viel mehr sind Tag und Nacht der offenen Tür im Theater Erfurt. An einem Samstag und Sonntag im September – die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite – öffnet das Theater Erfurt seine Pforten. Neugierige, Theaterfreunde, Jung und Alt strömen in das moderne, verglaste Gebäude hinter dem Dom. Gemeinsam mit den Mitarbeitern und Künstlern des Theaters läuten die Gäste die neue Spielzeit ein.

Die Taufe

Auf dem Theaterplatz angekommen hört man Rufe durch ein Megafon. Dann kommt eine kleinere Menschentraube um die Ecke. Manche halten Schilder in der Hand, manche tragen Warnwesten. Die Botschaft auf den Schildern gibt den Hinweis: Das gehört zum Programm und ist die Parade zur Eröffnung der STUDIO.BOX. Ganz feierlich mit theatralischen Reden, einem Konfettischlangenregen und einer zerbrochenen Flasche Sekt wird das Studio getauft und präsentiert. Man ist plötzlich Teil der Feiergesellschaft und mittendrin im Geschehen.

STUDIO.BOX?

Die STUDIO.BOX ist ein multifunktionaler Raum. Er verwandelt sich stets; er dient mal als Bühne, Galerie, Tanzlokal oder als Konzertraum. Vier unterschiedliche Settings gibt es innerhalb der Spielzeit. Die Bühne ist inmitten des Raumes und das Publikum versammelt sich darum – auf einer Ebene mit den Künstlern erlebt man Theater unmittelbar und ohne Distanz.

Laien und Profis auf der Bühne

Bevor heute Abend das erste Konzert im neuen Studio erklingt, geht es in das Untergeschoss des Theaters. Schminktische, ein breiteres Repertoire an Utensilien, Kosmetik und pompöse Perücken begrüßen die Besucher. Die Maskenbildner sind am Werk und verwandeln verkleidete Darsteller – Pinselstrich um Pinselstrich – in fabelhafte Wesen und große Diven. Von Nahem sieht man erst, wie kräftig in die Schminkkiste gegriffen wird, dass auch die Personen in der letzten Reihe die rotgemalten Lippen erkennen.

Vor dem Großen Haus im Theater haben sich die Maskenbildner eingerichtet. Den Künstlern kann direkt auf die Finger geschaut werden, wie sie die Darsteller verwandeln.

Nach dem Schminken kommt noch die besondere Haarpracht: Dann sind die Darsteller fertig für ihren Auftritt.

Von hier gelangt man direkt in den Theatersaal. Ungewohntes Bild: Die Ränge sind leer, vereinzelt sitzen ein paar Personen auf den Plätzen, dafür herrscht reges Treiben und Stimmengewirr auf der Bühne. Gäste betreten heute die Bretter, die die Welt bedeuten. Darsteller, Mitarbeiter und Zuschauer vermischen sich. Man bewegt sich nun in unbekannten Gefilden. Wie groß so eine Bühne scheint, wenn man selber darauf steht. Auch ohne Zuschauer wirken Parkett und Rang von der Bühne aus imposant. Wie es sich wohl anfühlt, als Künstler hier zu stehen und in 800 erwartungsvolle Gesichter zu schauen?

Rechts an der Bühne vorbei findet außerdem ein Flohmarkt statt. Es gibt kleine Requisiten wie Vasen oder Gläser, Kostümierungen wie Hüte oder Taschen – man nimmt sich einfach ein Stück Theater mit nach Hause.

Auf der Bühne folgt ein Amuse-Bouche für die Ohren von der Oper aus der neuen Spielzeit. Die Besucher versammeln sich vor oder direkt auf der Bühne und lauschen. Stille, Bewunderung und dann Applaus. Der freudige Trubel nimmt weiter seinen Lauf.

Wer will fleißige Handwerker seh'n?

Ein besonderes Highlight: Beim Tag und der Nacht der offenen Tür wirft man nicht nur einen Blick auf, hinter, neben oder unter die Bühne. Hinter dem Theater steht ein quadratisches Gebäude. Hier warten die Werkstätten des Theater Erfurts auf neugierige Augen und die Mitarbeiter auf interessierte Fragen. Ungeahnte Einblicke erlangen Besucher in die verschiedenen Bereiche.

Im Malsaal gibt's Farbe: Hier wird gerade an einem Bühnenbild gearbeitet.

Bevor das Bühnenbild in "Originalgröße" ensteht, bekommt es ein kleines Modell.

Was in der Kaschierwerkstatt liegt, ist schon gruselig: hautähnliche Fetzen, Abdrücke von Gesichtern und Händen. Daraus werden später sehr realitätsnahe Requisiten. Hier wurde anscheinend eine nicht mehr lebendige Person vorbereitet... 

Getrickst wird natürlich auch bei scheinbar massiveren Objekten: Die Figuren hier bestehen aus Styropor und können schnell und einfach für das Bühnenbild hin und her bewegt werden.

In der Maskenbildnerei wird auch neues Haar für die Darsteller zur Verfügung gestellt – in Form von selbstgeknüpften Perücken. Dafür gibt es von jedem Darsteller ein Kopfmodell.

Was es hier für Wirkungsbereiche gibt? Konstruktionsbüro, Dekoration, Malsaal, Tischlerei, Schlosserei, Kostümabteilung, Schuhmacherwerkstatt, Ankleider und Maskenbildnerei. Jedes Schauspiel, jedes Musical; alle Aufführungen werden hinter den Kulissen vorbereitet bis hin zur Perfektion. Große Bühnenbilder, detailreiche Requisiten, handgearbeitete Gewänder und handgeknüpfte Perücken, dazu ein Plausch mit den Mitarbeitern des Theaters. In der Kaschierwerkstatt werden zum Beispiel Bühnenplastiken hergestellt. Es wird viel mit Styropor gearbeitet. So kann eine große bronzefarbene Buddha-Figur einfach mit einer Hand angehoben werden. Eine Mitarbeiterin erzählt, wie eine ehemalige Verpackung von Karamell- Bonbons als Gussform für goldene Knäufe in einem Bühnenbild diente. Faszinierende Einblicke und interessante Gespräche warten in den einzelnen Werkstätten. Den Künstlern schaut man heute nicht nur direkt auf die Finger, sie führen auch quer durch beide Gebäude und zeigen das Theater einmal aus ihrer Perspektive. Ein Chorsänger geleitet beispielsweise durch unterschiedliche Proberäume.

Mit Bademantel zum Konzert

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Jetzt hat die STUDIO.BOX ihren großen Auftritt. Vor dem Eingang hängen Bademäntel. Ein erster Blick in die Box zeigt: Sie hat sich bereits gewandelt. Blaues, lauschiges Licht, Liegestühle, Handtücher, maritime Deko an den Wänden, Besucher tragen Bademäntel – das Poolkonzert kann starten. Ein buntes Potpourri aus Darbietungen verrät die Aufmachung der Box und den Konzerttitel „Poolkonzert“. Es dreht sich um das kühle Nass in Form von Gesangsvorstellungen. Mal klassisch wie King Arthur, Rusalka oder Undine, mal märchenhaft mit Disneys Arielle die Meerjungfrau. Sehr intim und persönlich geht es zu. Die Sängerinnen bewegen sich nur wenige Zentimeter vom Publikum entfernt durch den Raum. Ihren Stimmen lauscht man aus nächster Nähe

Prall gefüllt mit neuen Eindrücken geht es nach Hause. Ein wirklich kreativer Ansatz, um die neue Spielzeit einzuläuten, die Besucher hautnah erleben und entdecken zu lassen, zu sehen, was alles hinter Theater steckt und nicht nur auf der Bühne passiert.

Für Familien

Auch oder gerade die kleinen Besucher kommen auf ihre Kosten. Neben Kostümiermöglichkeiten finden viele Mitmach-Angebote statt. Vom Singprojekt über Gute-Nacht-Geschichten oder Workshops für Familien. Ein Blick hinter die Kulissen ist für das junge Publikum allemal spektakulär. Besonders spannend ist die Pyroshow. Versteckte Mechanismen in Ärmeln spucken Feuer, Zylinder brennen, offene Feuerstellen im Stück selbst – hier lernen Groß und Klein Interessantes sowie Wichtiges zur Arbeit mit Feuer im Theater.

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