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Fête de la Musique in Erfurt

Es geht um den Spaß und um musikalische Zufallsbegegnungen. La Fête de la Musique findet alljährlich zum Mittsommer am 21. Juni in über 500 Städten weltweit statt. Es soll die unmittelbare Begegnung mit Musik der unterschiedlichsten Stilrichtungen ermöglichen und ein neues Publikum gewinnen. Auch in Thüringens Städten wie Gera, Jena und Erfurt wird das Festival gefeiert.

Das Fest der Straßenmusik

Sie sieht mit ihrer Gitarre und der John-Lennon-Sonnenbrille ein bisschen aus wie ein amerikanisches Country-Music-Girl, aber Joon Wolfsberg ist Erfurterin. Gemeinsam mit ihrem Vater hat die 24-jährige in den USA schon zwei Alben produziert, aber bei der Fête de la Musique in Erfurt ist sie trotzdem noch jedes Jahr dabei. Den Wenigmarkt in der Altstadt füllt Joon mit iher Musik zwischen Folk und Rock mühelos. Zwischen eigenen Songs singt sie Cover-Versionen, schmettert sogar "You can´t always get what you want" und macht damit Mick Jagger durchaus Konkurrenz. Die Erfurter sind begeistert. Man merkt, sie sind stolz auf "ihre" Band.

Der Spaß soll im Vordergrund stehen bei der Fête de la Musique, dem aus Paris importierten Musikfest zum Sommeranfang. In Erfurt spielen mittlerweile Musiker auf über 30 Plätzen. Das Besondere: keiner der Musiker bekommt Honorar, niemand muss Eintritt bezahlen.

Zwei kleine Mädchen treten mit ihren Harfe spielenden Müttern auf. Sie hocken mit der Blockflöte auf dem Bordstein vor dem Café Paulinchen und trappeln nervös mit den Füßen. Noch sind sie nicht dran. Aber das Lampenfieber steigt. Vor der Weinarche bezaubert die Formation Brise manouche ein buntes Publikum mit französischen Chansons. Ein Steppke dreht auf der kleinen Freifläche zwischen Sängerin Anja Dobers und Publikum ein paar Laufrad-Runden. Und ein ganz Kleiner tanzt dazu - was er für Tanzen hält.

Die Stimmung ist entspannt und nett. Die Musiker organisieren sich selbst: Verstärkerkabel sind quer übers Kopfsteinpflaster bis in nächste Café verlegt. Die Bands passen gegenseitig darauf auf, dass keiner zu lange spielt, sie haben genaue Auftrittszeiten, die dem Publikum aber nicht kommuniziert werden - das Festival lebt von musikalischen Zufallsbegegnungen. Und von möglichst vielen Arten der Musik: So spielen Kinder, was sie gerade in der Musikschule gelernt haben, Opernprofis singen, Punkbands und Männerchöre proben hier den großen Auftritt. Die Fête beginnt am frühen Nachmittag und endet erst gegen Mitternacht. Manche Bands spielen doppelt und dreifach - an verschiedenen Orten der Erfurter Altstadt.

Musik auf allen Wegen

Die Sängerin von Mrs. Frizzle trägt einen schrillroten Rock zu ihren Erdbeer-Ohrringen. Die blonde Stimmungskanone heizt gemeinsam mit einem Kontrabass und zwei E-Gitarren Passanten auf dem Domplatz ein. Aber bevor´s richtig losgeht, lädt sie schon mal auf einen Absacker vors Café Nerly. "Wir sind da! Ihr auch?" - wirft Fotografen Kusshände zu. Und legt los - "try to do all things right."

Hier wird eigentlich alles richtig gemacht: Mrs. Frizzle ist wie Joon Wolfsberg eine Erfurter Band. Bei der Fête de la Musique liegt der Schwerpunkt ganz klar auf regionaler Musik, aber auch schwedische, französische oder amerikanische Bands treten auf. Das Musikfest, dass auf eine Idee des französischen Kulturministers Jaques Lang Anfang der 80er- Jahre zurückgeht, ist international geworden, ohne an Lokalkolorit zu verlieren.

Es ist eine besondere Stimmung, die die Ensembles und Bands in die Erfurter Altstadt bringen. Es ist Jahr für Jahr ein wunderbares Happening. Denn: So verschieden die Bands sind, so bunt ist auch das Publikum. Und deshalb entstehen zwischen Krämerbrücke und Willy-Brandt-Platz immer wieder unvergessliche Zufallsbegegnungen. Und so manch einer, manch eine entdeckt eine neue Lieblingsband. "Erfurt, seid ihr noch da?", ruft der Sänger von Under Burnig Skin in die Menge auf dem Wenigemarkt. Die Leute grölen begeistert und übernehmen die nächste Strophe gleich im Chor. In der kürzesten Nacht des Jahres ist Erfurt voll da. Und zwar sowas von.

Hier wird die Fête de la Musique gefeiert:

  • Erfurt (vom Domplatz durch die Altstadt bis zum Willy-Brandt-Platz)
  • Weimar (Altstadt und Créperie)
  • Jena (Jena-Paradies)

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