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Aufgewacht aus dem Winterschlaf. Die Leuchtenburg erstrahlt im Frühlingszauber.

Die Temperaturen steigen langsam und nach ein paar kurzen Regenschauern zwischen Tagen voller Sonnenschein strahlt die Natur in leuchtendem Grün auf. Frühs werde ich von dem Vogelgezwitscher vor dem Fenster geweckt. Was die wohl so lauthals miteinander diskutieren? Vielleicht überlegen sie, was sie an diesem schönen Frühlingstag machen sollen. Ich für meinen Teil weiß es schon ganz genau – heute besuche ich die Leuchtenburg. Dort sollen alle Überreste des Winters verschwunden sein, das Gebrummel des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes längst verstummt. Die Burg ist aus dem Winterschlaf erwacht.

Schon von Weitem sieht man sie oben auf dem Berg thronen. Umgeben von weiten Wäldern und sattgrünen Feldern liegt die Leuchtenburg eingebettet im Saaletal. Hinter Kurven und Hügeln blitzt sie immer wieder hervor und lässt meine Vorfreude steigen.

Verrückt, was man alles mit alten Porzellankannen machen kann. Ob bepflanzt, an die Wand gehangen oder als Berg aufgetürmt – hier gibt’s Inspirationen für hübsche Frühlingsdekoration inklusive. Zuhause schaue ich direkt mal nach, was für „alte Schätze“ ich zum Upcycling finde.

Die gute Seele des Frühlingszaubers – Burggärtnerin Kerstin. Während meines Besuchs sehe ich sie immer wieder, wie sie die Blumen gießt, hier und da noch etwas verschneidet und anscheinend ganz spontan die schönsten Ideen für Bepflanzungen hat. Ich hole mir von ihr auf jeden Fall Tipps für meinen Garten zuhause.

Der Kranz mit Porzellanscherben besetzt ist ein echter Hingucker. Wenn mir das nächste Mal ein Teller durch die Finger rutscht, hebe ich die zersprungenen Teile auf jeden Fall auf und überlege, was ich Kreatives damit anfangen kann.

Zwischen rustikalen Holzfässern ist selbst dieser alte Handwagen gekonnt ins Szene gesetzt. Inspirationen findet man hier an jeder Ecke.

Oben an der Burg angekommen, lasse ich meinen Blick schweifen. Der Ausblick auf das Saaleland ist wunderschön, da hat sich der Aufstieg jetzt schon gelohnt. Nachdem ich kurz durchgeschnauft habe, hole ich mir im Besucherzentrum mein Eintrittsticket. Hier muss ich nachher auf jeden Fall nochmal hin und die ganzen Souvenirs durchstöbern. Aber nun wartet erstmal die Burg auf mich.

Ab geht es durch den Rundbogen, die Schranke öffnet sich mit meinem Ticket ganz automatisch. Und schon erwartet mich ein blühender Burginnenhof. Egal wo ich hinschaue, entdecke ich Blüten in allen Farben, ganz unterschiedlich inszeniert. Bevor ich mittenrein spaziere, bleibe ich erstmal stehen und schaue rundherum. So viele Details, hier scheint jemand mit viel Liebe am Werk zu sein. Rechts in der Ecke steht ein alter Holzstuhl, dessen Sitzfläche bepflanzt wurde. Der hat es mir angetan, am liebsten würde ich ihn so mitnehmen. Direkt ein Foto gemacht, das muss ich zuhause unbedingt nachmachen.

Was mir auch direkt auffällt, Porzellan scheint hier ein allgegenwärtiges Thema zu sein. Vorab hatte ich schon online gelesen, dass die Leuchtenburg Mittelalter und Porzellangeschichte verbindet. Und die Ausstellung Porzellanwelten wird hochgelobt. Ein großer Kranz mit Porzellanscherben lässt mich direkt vermuten, dass das „Weiße Gold“ hier mehr als eine Nebenrolle spielt. Die Bestätigung folgt sogleich, weiter in den Innenhof hinein und die Hauswand links von mir ist komplett mit Porzellankannen behangen. So richtig schöne, manche mit verspielten Verzierungen und andere ganz schlicht. Ich muss schmunzeln, weil ich Kannen entdecke, die auch meine Oma heute noch nutzt. Wirklich eine originelle Idee.

In der Mitte des Burghofes steht ein Gebilde, was in eine ganz andere Welt entführt. Eine Gondel vor einer Holzbrücke, ich erkenne sofort Venedig wieder. Die Brücke erneut komplett mit Porzellankannen behangen. Ich setze mich in die Gondel, um ein Selfie mit Porzellangebilde im Hintergrund zu machen. Da fällt mir eine Frau auf, die neben mir die Blumen gießt und zupft. Ich bin einfach mal so frei und spreche sie an, so freundlich wie sie mich anschaut. Sie ist die Burggärtnerin und erzählt mir, dass der Frühlingszauber auf der Leuchtenburg jedes Jahr anders inszeniert wird. Einmal sieht es aus wie in Venedig, ein anderes Mal gab es aufgetürmte Porzellankannenberge. Auch zu anderen Jahreszeiten und Ereignissen kann sie die Burg mit ihren kreativen Ideen verwandeln. Und so schafft sie es mit ihrer liebevollen Art, jetzt schon meine Lust auf den Weihnachtsmarkt der Wünsche zu wecken. Ich muss definitiv wiederkommen und mir den mittelalterlichen Budenzauber im Dezember anschauen. Aber nun möchte ich doch erstmal das Hier und Jetzt genießen. Es zieht mich weiter…

Nach einem milden und dennoch sehr grauen Winter erblüht nun alles rund um die Burg wieder. Besonders im Sonnenschein wirkt es so, als würden die Knospen wieder neues Leben in die alten Mauern bringen.

Unter einer Porzellankirche konnte ich mir anfangs recht wenig vorstellen. Jetzt erkenne ich, dass der von der Decke bis zum Boden reichende Lamellenvorhang aus Porzellan gefertigt ist. Das gibt bei Konzerten ganz bestimmt eine besondere Akustik.

Jeder Raum der Porzellanwelten ist auf seine Art besonders, und dieser hier ist mein persönlicher Favorit. Die lange Tafel erinnert mich an Alice im Wunderland, wie der verrückte Hutmacher ihr Tee serviert. Die gezeigten Details sind ein Kunstwerk an sich.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Wünsche. Der eine bleibt ganz traditionell bei der Gesundheit, der andere denkt ganz ausgefallen an einen Fallschirmsprung. Hier ist es egal, ob bodenständig oder kurios. Denn die ausgesprochenen (oder eher ausgeschriebenen) Wünsche bleiben ein Geheimnis.

Schwindelfrei sollte man für den Steg der Wünsche schon sein. Aber man kann sich ja auch Schritt für Schritt dem verglasten Ende nähern. Dabei einfach die strahlende Landschaft des Saalelandes rundherum genießen.

Rundherum um den Bergfried mit kurzem Zwischenstopp in der Porzellankirche. Hier ist es ganz ruhig und ich verweile auf einer der modernen Holzbänke. Dabei stelle ich mir vor, wie der Raum bei Konzerten mit besonderer Akustik gefüllt wird. Gänsehautmomente sind vorprogrammiert.

Danach zieht es mich in die Kernburg und hinauf auf den Bergfried. Morgen habe ich bestimmt Muskelkater in den Waden. Der Ausblick entlohnt die vielen Treppenstufen aber auf jeden Fall. Auf Tafeln kann ich lesen, welche Städte sich in weiter Ferne erahnen lassen. Hier wird einem mal wieder bewusst, wie groß die Welt ist. Aber auch wie schön. Besonders jetzt, wo nicht nur die Leuchtenburg, sondern auch alles Drumherum aus dem Winterschlaf erwacht. Nach einem kurzen Moment der inneren Ruhe mache ich mich wieder auf den Weg hinunter. Denn ein weiteres großes Highlight der Leuchtenburg wartet noch auf mich.

Gekommen bin ich hauptsächlich, um den Frühlingszauber zu sehen. Aber die berühmten Porzellanwelten kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Schon von außen ist deutlich erkennbar, dass dieses Gebäude eine ganz andere Geschichte erzählt. Ich springe aus dem Mittelalter in die Gegenwart als ich durch die Glastür gehe. Links eine bemooste Wand, rechts alles vollgeschrieben mit Text. Gesundheit, ein buntes Puppenhaus, Tee mit Melonengeschmack – viele Dinge, die ich mir durchaus auch wünschen würde. Man soll ja immer ein bisschen Kind bleiben. Was es damit auf sich hat, werde ich erst später erfahren. Denn ich steige erstmal in den Fahrstuhl und begebe mich zum Start der Ausstellung. Was mich hier erwartet, hätte ich von außen niemals vermutet. Welt für Welt komme ich nicht aus dem Staunen heraus. Lichtspiele, die einen ans andere Ende der Welt versetzen. Schattenspiele, die spannende Geschichten erzählen. Gigantische und winzige Ausstellungsstücke aus Porzellan. Bilder, die sich wie bei Harry Potter bewegen. Viel mehr möchte ich nicht davon verraten, das muss man einfach selbst gesehen haben.

Zum Schluss bin ich wieder unten an der „Wünschewand“ angekommen und meine Neugier ist unaufhaltsam. Ich gehe um die Ecke und komme in einen dunklen Raum, in dem es sich ganz mystisch anfühlt. So richtiges Gänsehaut-Feeling. In der Mitte ruht ein Lichtspot auf einem Behälter mit Porzellantellern, wovon ich mir einen schnappe. Damit gehe ich in eine neonfarben leuchtende Kabine, mit einem Zauberstift schreibe ich hier meinen innigsten Wunsch auf den Teller. Verraten darf ich ihn natürlich nicht, sonst geht er ja nicht in Erfüllung. Fertig geschrieben, noch eben geschmunzelt, wie hell meine weißen Sneaker in dem Licht leuchten und ab geht’s raus an die frische Luft. Direkt vor mir wartet der Steg der Wünsche, der über die Burgmauer hinausragt. Als Adrenalin-Junkie renne ich direkt drauf los bis ganz vorne zum Glasende. Beim Blick nach unten muss selbst ich kurz schlucken. Auf geht’s, Augen zu, ganz fest an meinen Wunsch denken, Augen auf und zack, werfe ich den Teller vom Steg hinab. Er zerschellt am Boden in unzählige Einzelteile…diese Scherben müssen einfach Glück bringen.

Mit dem schönen Gedanken im Kopf, wie viele Wünsche hier wohl schon in Erfüllung gegangen sind, mache ich mich langsam wieder auf den Rückweg. Im Besucherzentrum halte ich nochmal kurz an. Bei den ganzen Souvenirs kann ich mich kaum entscheiden. In meinen Rucksack haben es ein Burgenquartett für meinen Neffen, ein kleines Thüringer Porzellanbuch für meine Mama sowie ein Leuchtenburg-Wein für meinen Mann und mich geschafft. Zufrieden und mit ganz viele neuen Eindrücken verlasse ich nun die Leuchtenburg an diesem herrlichen Frühlingstag wieder. Aber eins steht fest, ich komme bald wieder.

Von Wünschen und Wundern.

Herzen schlagen höher, Augen funkeln, das Schmunzeln geht nicht mehr aus dem Gesicht. Die Leuchtenburg ist wahrlich ein Erlebnis, was man nicht mehr so leicht vergisst. Wie sie zwei weit entfernte Themen wie Mittelalter und Porzellan vereint, ist in dieser Art einzigartig.

Alle weiteren Infos gibt's unter www.leuchtenburg.de.

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