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Jüdisches Leben im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert verbesserte sich die Lage der Juden europaweit durch Gleichstellungsgesetze. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Erfurt, Mühlhausen, Sondershausen und in Südthüringen neue Synagogen. Jüdische Thüringer bereicherten das gesellschaftliche und kulturelle Leben. Manche Namen sind bis heute bekannt, wie z. B. die Brüder Moses und Löb Simson, die in Suhl Fahrzeuggeschichte schrieben.

Kleine Synagoge Erfurt

David Salomon Unger erhielt 1810 als erster Jude seit 1453 das städtische Bürgerrecht. Sein Sohn Ephraim Salomon Unger wurde 1860 gar Ehrenbürger Erfurts: Die jüdische Gemeinde Erfurts im 19. und 20. Jahrhundert und einige ihrer Persönlichkeiten sind Thema der Ausstellung im Keller der Kleinen Synagoge. Durch das Wachsen der Gemeinde wurde
die 1840 eingeweihte Kleine Synagoge schon nach 44 Jahren zu klein und eine größere Synagoge errichtet, die 1938 in der Pogromnacht zerstört wurde. Die Kleine Synagoge wurde umgebaut und als Wohnraum bzw. Lager genutzt – und entging der Zerstörung im Nationalsozialismus. Nach der Restaurierung ist der Innenraum fast im ursprünglichen Zustand.

Synagoge Mühlhausen

„So kommet in seine Tore mit Danklied – in seine Höfe mit Lob.“ Dieser Vers aus Psalm 100 steht über der mittleren Eingangstür der Mühlhäuser Synagoge. Gebaut wurde sie ab 1840 im Hinterhof des jüdischen Gemeindehauses in der Jüdenstraße. Aber auch schon im Mittelalter haben Juden in der Stadt gelebt. Das Mühlhäuser Rechtsbuch, das älteste Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache, dokumentiert das bereits für die 1230er-Jahre. Eine Synagoge ist für das Jahr 1380 sicher bezeugt. Mühlhausen war damals übrigens
nach Erfurt die bedeutendste Stadt Thüringens. Aber erst das Königreich Westphalen (1807 – 1813), zu dem auch Mühlhausen gehörte, gewährte den Juden volle Bürgerrechte. Am 9. November 1938 wurde die Synagoge geschändet, aber nicht zerstört. Seit der Wiederweihe 1998 finden dort wieder Gottesdienste und Veranstaltungen statt. An der Eisenacher Straße liegt der 1842 eingeweihte jüdische Friedhof.