Seite empfehlen:

In einem Land vor unserer Zeit

Bier im Kupferfuß, Gips in der Höhle, sagenumwobene Geschichten: Bei einer Wanderung nähert man sich den Geheimnissen des Kyffhäusers aufs Schönste. Wenn man auch nur ein paar Geschichten kennt, die sich um den berühmtesten Berg Thüringens ranken, dann wandert man hier nicht allein. Dann hat man immer das Raunen der Vergangenheit im Ohr.

Auf insgesamt 37 Kilometern ist der Kyffhäuserweg die schönste Annäherung, die man an den Mythenberg haben kann. Von Bad Frankenhausen mit seinen ruhigen Straßen und kleinen Cafés führt der Weg nach Westen. Geologisch gesehen ist der Kyffhäuser überhaupt kein Berg, sondern ein kleines Mittelgebirge, 12,5 Kilometer lang und 5,5 breit. Mit seinen plus/minus 400 Metern Höhe ragt es aus dem flachen Land empor. Auf einigen Passagen des Weges gerät man ganz schön ins Schwitzen, weil es ziemlich steil nach oben und wieder hinunter geht. Die Belohung: schöne Panoramablicke und die Möglichkeit für reizvolle Abstecher.

Am 10. Juni 1190 ertrank in der heutigen Türkei der Stauferkaiser Friedrich I. ("Barbarossa") auf dem Weg nach Jerusalem. Er sollte der einzige Herrscher des Mittelalters bleiben, von dem man nicht weiß, wo genau er beigesetzt ist - was bereits im Mittelalter zu wilden Spekulationen und Geschichten führte. Wahrscheinlich entstand später auch die Kyffhäuser-Sage auf diese Weise: Barbarossa, so heißt es, sei nicht tot - er schlafe lediglich auf einem Thron tief im Innern des Kyffhäusers. Alle hundert Jahre, weiß sie Sage, erwache Barbarossa und schicke einen Zwerg nach draußen, um Ausschau zu halten: "Und wenn die alten Raben / noch fliegen immerdar / so muss ich auch noch schlafen / verzaubert hundert Jahr."

Es geht auch in den Kyffhäuser hinein: Die Barbarossahöhle hieß früher Falkenburger Höhle, wurde dann aber umbenannt, weil... Könnte ja sein, dass an der Sage um den alten Rotbart doch irgendetwas dran ist, oder? Und ist es nicht tatsächlich mystisch hier unten? Im Schein der Taschenlampe entdeckt man unterirdische Seen, auf deren Oberfläche sich die Decke spiegelt. Die Höhle ist übrigens bei Akustikspezialisten beliebt. Weil die Oberfläche der Decke durch Hunderttausende herabhängende natürliche Gipslamellen unendlich vergrößert wird, existieren weder Hall noch Echo. Selbst Barbarossa könnte sich hier ungehört bewegen.

Weite, sanfte Hügelnatur: Steinthaleben liegt inmitten von Feldern. Der Kyffhäuserweg ist kein Massenziel. Hin und wieder kommen einem andere Wanderer entgegen, hallo, geht´s gut, wie weit noch bis zum Denkmal? Zwei Minuten später ist man wieder allein. Vielleicht hat es ja mit solchen Panoramen zu tun. Vielleicht kommt man den Geheimnissen des Kyffhäusers nur deshalb nicht auf die Spur, weil man immer von ihm weg sieht, über die Auen, über die Felder, zum Himmel, zum Horizont.

Sagenhafter Berg voller Geheimnisse

Vielleicht muss man sich das so vorstellen: Ein warmer Frühlingstag 1896, der Schweiß rinnt, die Luft flirrt, die Schwalben fliegen ihre Achten in den Himmel über dem Kyffhäuser. Und oben am Denkmal gönnen sich die Münchner Arbeiter ein Bier aus der Heimat. Fertig! Endlich! Etliche Wochen lang haben sie vorgefertigte Kupferplatten miteinander vernietet, eine an die andere, bis das Standbild fertig war, und nun sitzt er endlich hoch auf seinem Ross, der Kaiser Wilhelm I.

Vom Bier im Kupferfuß

Jetzt muss nur noch aufgeräumt werden. Weil sie nicht wissen, wohin mit dem Leergut, verstauen die Arbeiter die Flaschen kurzerhand im noch unverschlossenen Huf des Denkmalpferdes. Wo sie dann 117 Jahre später hinter der Abdeckung gefunden werden, 2013, bei der Restaurierung. Die Geschichte steht auf einer Tafel im Innern des Turms und vor der Tafel stehen zwei Wanderer. "Das ist ja unglaublich!" sagt die Frau und lockert die Riemen ihres Rucksacks, "dass die ihr Bier aus Bayern mitgebracht haben!" Sie schüttelt den Kopf. Aus Bayern. Wo es doch so gutes in Thüringen gebe. "Lass uns mal was trinken gehen", meint ihr Mann, "und dann weiter."

Eine eigene, kleine Welt

Der Kyffhäuser! Sagenhafter Berg! Voller Geheimnisse. Draußen im Wald: Vogelgezwitscher, Spechtgehämmer. Der Wind lässt das Laub in den Wipfeln rauschen; man hört nur den Wald, das Knarzen der Bäume, das Rascheln des Grases. Auch das macht den Kyffhäuser so besonders: Weil er sich so klar und deutlich vom Land um ihn herum absetzt, kommt er einem manchmal wie eine eigene, kleine Welt vor. Eine, in der man völlig ungestört ist. Das 360-Grad-Panorama vom Denkmal aus ist dann wahrscheinlich das beeidruckendste, das man in Thüringen haben kann. Ist das ein Blick. Reicht der weit! Tipp: Der Kyffhäuser-Rufbus liest müde Wanderer während des Sommers auf Bestellung auf.

Kyffhäuserweg

Kyffhäuserweg

Sportliche Wanderer schaffen den 37 Kilometer Rundweg in zwei Tagen. Zu den Höhepunkten am Weg gehören das Panorama Museum in Bad Frankenhausen, die Barbarossahöhle, das Kyffhäuser-Denkmal mit der mittelalterlichen Burgruine sowie die Königspfalz Tilleda.

mehr Informationen zum Kyffhäuserweg

Kommentare

Kyffhäuser-Denkmal

Kyffhäuser-Denkmal

Auf der Reichsburg Kyffhausen steht das ganz besonders beeindruckende und imposante 81 Meter hohe Kyffhäuser-Denkmal mit dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. und der in Stein gehauenen Figur Barbarossas. Das Denkmal ist von April-Oktober von 9.30-18 Uhr und von November-März von 10-17 Uhr zu besichtigen. mehr

Mehr Infos

  • Panorama Museum (April-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Nov.-März Di-So 10-17 Uhr | Juli und Aug. auch Mo 13-18 Uhr geöffnet)
  • Barbarossahöhle (April-Okt. tgl. 10-17 Uhr | Nov.-März Di-So 10-16 Uhr)
  • WanderLust (Wandern Sie dort, wo es am schönsten ist: in Thüringen!)