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Auf ein Wort mit dem Festivalleiter der Bachwochen

Christoph Drescher, 1977 geboren, ist Geschäftsführer und Festivalleiter der Thüringer Bachwochen. Er studierte Musikwissenschaften und Betriebswirtschaft. 1999 gründete er in Weimar eine Veranstaltungsagentur, mit der er in ganz Deutschland Konzerte unterschiedlicher Genres organisierte. Seit 2005 ist er Intendant und Festivalleiter der Thüringer Bachwochen.

Herr Drescher, was ist das Besondere an den Thüringer Bachwochen?

Unser Alleinstellungsmerkmal sind natürlich die zehn historischen Bachorte in Thüringen. Wir sind ein Festival mit über 50 Konzerten zur Osterzeit, mit denen wir das ganze Land zum Klingen bringen möchten. Für die Gäste ist es sehr spannend, Bach an authentischen Orten zu hören. Aber wir zeigen Bach auch in seiner Relevanz für heute, indem wir CrossOver-Projekte machen, wo wir etwa Bach und Tanz kombinieren, Bach und Elektronik oder Bach und Jazz. Ich finde es wichtig, Bach als einen Komponisten darzustellen, der zwar vor 300 Jahren gelebt hat, der aber bis heute von großer Bedeutung ist. Welchen Musiker Sie auch fragen, egal, ob es um Klassik, Jazz oder auch um Pop-Musik geht – jeder hat eine Meinung zu Bach. Bach verbindet, Bach fasziniert und bereichert.
 

Wie ist es für internationale Stars, an originalen Bachorten zu spielen?

Ich glaube, manchmal ist das eine fast schon spirituelle Erfahrung. Wenn Sie sich vorstellen, dass wir in der Georgenkirche in Eisenach am Taufstein Bachs ein Konzert haben, wo eben wirklich 1685 der kleine Johann Sebastian getauft wurde, – das ist für die Musiker einfach unvorstellbar. Davon profitieren wir, weil wir es dadurch schaffen, sehr renommierte Künstler her zu bringen.

Wie ist das mit der Mathematik und Bach?

Die ganze Zahlenmystik hinter Bach ist etwas, das bis heute nicht abschließend erforscht ist. Das wird auch beim Thema Bach und Bauhaus eine entscheidende Rolle spielen. Dass etwa eine Kantate mit dem Bibeltext zum Sonntagsgottesdienst, also eine Musik, die einen so direkt anfasst, die man gar nicht greifen kann in ihrer Komplexität, am Ende in Zahlen zerlegbar ist, das ist für mich unglaublich. Das interessiert nicht nur Musiker, sondern auch Mathematiker oder Computerspezialisten. Mit Bach können wir mehr Türen öffnen als mit jedem anderen Komponisten.

Christoph Drescher, Intendant und Festivalleiter
der Thüringer Bachwochen

Was fasziniert Sie persönlich an Bachs Musik?

Er wird mir nie zu viel. Ich bin mit Bach sozialisiert, bin damit aufgewachsen, dass man in der Weihnachtszeit das Weihnachtsoratorium hört und in der Osterzeit natürlich die Passionen. Bis heute finde ich diese Musik nie langweilig oder überflüssig. Wenn wir im Büro sitzen und das Festival vorbereiten, hören wir eigentlich ständig Bach. Für mich ist die Musik immer wieder faszinierend und überraschend. Das können kaum andere Komponisten. Es passiert mir zum Beispiel, dass ich in einem Konzert sitze und denke: Jetzt habe ich die „Goldberg Variationen“ schon 1000 Mal gehört, aber so wie von diesem Pianisten noch nie. Das hält meine Neugier auf Bach am Leben.

Was ist eines Ihrer Highlights beim diesjährigen Festival?

Was ist eines Ihrer Highlights beim diesjährigen Festival?

Die virtuelle Auferstehung der Himmelsburg. Die historische Kapelle des Weimarer Stadtschlosses wurde im 18. Jahrhundert zerstört. In einem interdisziplinären Projekt wird sie wieder zum Leben erweckt. Als virtueller Erlebnisort für alle beginnt die Himmelsburg ab April 2020 bei den Thüringer Bachwochen ihre Reise zu mehreren Festivals.

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