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Erfurter Kulturschätze

Von aufregenden Musikevents, wertvollen Funden und einem Rabbi, der der Zukunft gelassen begegnet - Ausflug in das jüdische Leben Erfurts ...

Lager, Gasthaus, Tanzsaal, Kegelbahn - heute wird an authentischer Stelle der Erfurter Schatz präsentiert: die Alte Synagoge.

In Urkunden aus dem 13. Jahrhundert wird erwähnt, dass die jüdische Gemeinde Abgaben für eine Mikwe leistete.

3.14.1 Silbermünzen gehören neben 700 Einzelstücken gotischer Goldschmiedekunst zum Erfurter Schatz.

Ein Faksimile der Bibel "Erfurt 1" wird in der Alten Synagoge gezeigt.

Rabbi Benjamin Kochan hält seine Gottesdienste in der Neuen Synagoge am Max-Cars-Platz.

Herzstück des Jüdischen Schatzes in Erfurt - der goldene Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert.

Wenn man einen Moment sucht, an dem man einsteigen kann in die Geschichte, einen Augenblick, der die tausend Jahre jüdische Kultur in dieser Stadt unter das Vergrößerungsglas rückt: Dann ist das jener Tag im Jahr 1998, an dem ein Erfurter Bauarbeiter ein Stück Metall aus dem Boden zog. Ein alter Zinnteller, dachte er. Er irrte sich. Es war kein Zinn, sondern Silber. Und es war auch bloß der Anfang.

Ein wichtiges Puzzleteil

Dort, im Keller eines Neubaus, lagen 3.000 Silbermünzen und über 700 Schmuckstücke vergraben, viele von ihnen einzigartig. Man fand einen Schatz - und ein fehlendes Puzzleteil für die Rekonstruktion des jüdischen Lebens der Stadt. Erfurt war im Mittelalter eine der größten Siedlungen des Heiligen Römischen Reichs, ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum an der Kreuzung wichtiger Handeslwege. Ab dem späten 11. Jahrhundert gab es auch eine jüdische Gemeinde: Kehilla - mit Synagoge, Friedhof und Ritualbad, der Mikwe.

Doch dann brach in Europa die Pest aus. Auch die jüdischen Menschen in Erfurt befürcheteten das Schlimmste, versteckten und vergruben ihre Wertsachen. Darunter ein gewisser Kalman von Wiehe, dem vermutliche jener Schatz gehörte, der dann 1998 gefunden wurde. Knapp 650 Jahre nach dem Progrom von 1349 und ein halbes Jahrtausend, nachdem der Erfurter Stadtrat die jüdische Gemeinde vertrieben hatte.

Die Liebe zu Gold und Glitzer

Und was ist das für ein Schatz! Er hat ein stolzes Gesamtgewicht von etwa 28 Kilogramm. Das zweifellos wichtigste Stück ist ein goldener Hochzeitsring aus dem frühen 14. Jahrhundert. Die hebräische Inschrift "masel tov" (Viel Grlück!) und ein Miniaturgebäude auf dem Ring deuten darauf hin, dass er einen jüdischen Besitzer hatte. Weltweit sind heute nur vier solcher Hochzeitsringe erhalten.

Damals behängte man sich mit so viel Schmuck, wie man tragen konnte. Die Liebe zu Gold und Glitzer uferte derart aus, dass viele Städte strenge Kleiderordnungen erließen, um der öffentlichen Demosntration von Luxus entgegenzuwirken. Wenn man die Funde von Erfurt in den Vitrinen sieht, kann man sich vorstellen, wie es auf den Straßen der Stadt gefunkelt haben muss.

Ausstellungen in Erfurt

Kalmans Schmuck ist heute in der Alten Synagoge ausgestellt, die zusammen mit der Begegnungsstätte Kleine Synagoge ein paar Schritte weiter und der Neuen Synagoge das Herzstück des jüdischen Erfurt bildet. Nach verschiedenen Nutzungsformen in der Vergangenheit wurde erst Mitte der Neunziger Jahre ihre ursprüngliche  Bestimmung erkannt. Die älteste, bis zum Dach erhaltene Synagoge Mitteleuropas: auch sie ist ein Zufallsfund.

Jüdisches Leben heute

"Wir sind glücklich, dass wir dieses reiche architektonische Erbe haben." Rabbiner Benjamin Kochan steht seit Ende 2015 der jüdischen Gemeinde vor, die Landesgemeinde für ganz Thüringen ist. 800 MItglieder hat sie im Moment, 650 leben in Erfurt. "Wir sind hier, und viele empfinden den Einsatz für die Gemeinde nicht bloß als arbeit, sondern es ist für uns eine Herzensangelegenheit."

Das würden bestimmt auch Erfurts Archäologen für sich unterschreiben, die dem historischen jüdischen Erfurt auf der Spur sind. Erst 2007 haben sie die Mikwe entdeckt, gleich neben der Krämerbrücke. Zuvor wusste man zwar von ihrer Existenz - aber nicht, an welcher Stelle der Altstadt sich das Tauchbad befand. Männer nutzten es besipielsweise zur rituellen Reinigung vor hohen Feiertagen, Frauen nach Menstruation und Geburt. Das Becken ist heute über ein Fenster in der Decke des Schutzbaus jederzeit von außen einsehbar.

Zufälle und Geschichte

Besichtigen kann man die Mikwe aber nur im Rahmen einer Führung. Auf jeder Stufe der Treppe hat man das Gefühl, ein Stück tiefer hinabzusteigen in die Geschichte Erfurts. Einer Stadt, die ihre Geheimnisse erst nach und nach offenbart. Und dabei oft den Zufall zur Hilfe ruft.

ACHAVA Festspiele Thüringen

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31.08.-10.09.2017, Erfurt - Jüdische Kultur im Hier und Heute: Neben Konzerten jüdischer Bands und Interpreten stehen auch Events auf dem Programm, die zum Dialog zwischen den Kulturen einladen.

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