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Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa

Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck und Seiner Majestät dem König der Belgier

2016 erinnert eine große Landesausstellung in Weimar und Gotha an das Adelsgeschlecht, dass Thüringen entscheidend geprägt hat. Wie auch das große, weite Europa.

Das Haus der Ernestiner entsteht 1485 durch eine Spaltung des Hauses Wettin, aus der die Ernestiner und die Albertiner hervorgehen. Zunächst sind die Ernestiner das mächtigere Herrschergeschlecht, dies wandelt sich aber später, Ländereien und die Kurwürde werden an die Albertiner verloren. Durch Erbteilung wird das Land in viele kleine Herzogtümer aufgespalten und jedes Herrscherhaus will etwas Bleibendes schaffen: So entstehen einzigartige Theaterbetriebe, tolle Schloss- und Museumsbauten sowie viele Kunstsammlungen und Parkanlagen. Diese Schätze machen Thüringens kulturellen Reichtum bis heute aus.

Kennen Sie diese Ernestiner?

 Am 17. Juli 1917 ändert der englische König Georg V. seinen Familiennamen. Aus dem Hause "Saxe-Coburg and Gotha" wird das Haus Windsor, benannt nach Windsor Castle. Die deutsch-thüringische Abstammung des britischen Königshauses scheint in den Wirren des ersten Weltkrieges untragbar. Hätte Georg V. damals nicht so entschieden, hieße die Queen heute Elisabeth Alexandra Mary von Sachsen-Coburg und Gotha. Und wir wären Königin!

Reformiert Euch!

Johann Friedrich der Großmütige
(1503-1554)

Als Johann Friedrich zur Welt kommt, ist Martin Luther 20 Jahre alt. Der Junge wächst mit den Lehren des berühmten Mönchs auf. 1532 kommt Johann Friedrich I. von Sachsen selbst an die Macht und ist aus tiefstem Herzen Lutheraner. Er liebt die Jagd, Turniere und gutes Essen ... und setzt sich mit Kraft und Willensstärke für die Sache der Reformation und eine friedliche Lösung mit dem Kaiser ein. Er zieht an der Spitze des Schmalkaldischen Bunds gegen die katholischen Heere Karls V. in den Kampf - und verliert.

In Gefangenschaft wird er begnadigt und bekommt später ein stark verkleinertes Reich zurück. Doch er bewegt hier noch Einiges, regt die Gründung der Universität Jena an und holt den Hofmaler Lucas Cranach nach Weimar. Die Ernestiner polieren sein Image für die Nachwelt kräftig auf - es ist der Beginn einer ausgeprägten Erinnerungskultur. Das Motv des Märtyeres, der alles seinem Glauben geopfert hat, ist auch Propaganda in lutherischer Sache: Johann Friedrich I. der Großmütige ist tot. Aber die Reformation lebt!

Go for Europe!

Königin Victoria von England
(1819-1901)

Alexandrina Victoria kommt 1819 in London zur Welt und wird mit 18 Königin.

Drei Themen haben ihr Leben besonders geprägt:
Die Liebe: 1840 heiratet sie ihren Cousin Albert von Sachsen-Coburg und Gotha - einen Ernestiner. Es ist eine wirkliche Liebesheirat. Als ihr Mann 1861 unerwartet stirbt, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie trägt bis an ihr Lebensende schwarz und lässt sich kaum noch in der Öffentlichkeit blicken.
Die Familie: Neun Kinder hat Victoria, 40 Enkel und 88 Urenkel. Viele Nachkommen heiraten in andere Dynastien ein, die Queen ist mit halb Europa verwandt.
Das Empire: Unter Victorias Regentschaft hat Großbritannien die größte koloniale Ausdehnung seiner Geschichte. Das Königreich umspannt zweitweise ein Fünftel der Erdoberfläche. Demokratiebestrebungen und die industrielle Revolution übersteht das Land friedlich, denn die Regierung führt maßvolle Reformen durch, was Victoria zulässt.

Bildung für alle!

Ernst der Fromme
(1601-1675)

Ernst I. von Sachsen-Gotha entstammt dem Weimarer Zweig der Ernestiner. Als junger Mann zieht er in den Krieg und kämpft an der Seite der Schweden. Als er durch Erbteilung 1640 Herzog von Gotha wird, ist er knapp 40 Jahre alt und zum Pazifisten geworden. Weil in seiner Residenz keine adäquate Wohnstätte mehr steht, baut er sich eine und gibt ihr den Namen seiner Sehnsucht: Friedenstein. Er wünscht sich und seinem Land Stabilität.

Als erster Herrscher in Deutschland führt er 1642 die allgemeine Schulpflicht ein. Fortan lernen alle Kinder rechnen, lesen und schreiben. Er verpflichtet Pädagogen und lässt Schulbücher drucken. Sein Ziel ist ein wohlhabendes Herzogtum mit einem erfolgreichen Schulsystem und einer funktionierenden Verwaltung.

Zu Lebzeiten hat der Herzog wegen seiner Religiosität den Spitznamen Bet-Ernst. Als er starb, sollen die Gothaer vier Wochen lang an seinem offenen Sarg geweint haben. Fortan heißt er ganz pietätvoll: Ernst der Fromme.

Fördert Talente!

Großherzogin Maria Pawlowna
von Sachsen-Weimar-Eisenach
(1786-1859)

Die Stadt steht Kopf, als die russische Zarentochter am 9. November 1804 mit ihrem Ehemann in Weimar ankommt. Ein Vierteljahr zuvor hat die 18-jährige Prinzessin in St. Petersburg Carl Friedrich geheiratet, den Erbprinzen von Sachsen-Weimar-Eisenach. Auf 79 Wagen ist der prunkvolle Brautschatz verstaut. Im Schloss werden die Reichtümer wochenlang öffentlich ausgestellt. Die Weimarer sind beeindruckt, Maria Pawlowna, die anmutige Tochter des Zaren, muss den Menschen wie eine Lichtgestalt aus einer anderen Welt vorgekommen sein ...

1828 wird Maria Pawlowna Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Wei sie finanziell sehr gut ausgestattet ist, bringt sie nicht nur soziale Projekte auf den Weg. Sie entwickelt sich vor allem zur Förderin von Kunst und Wissenschaft. Sie unterstützt die Universität in Jena, finanziert Expeditionen und Studien. Ihr wichtigster Coup: Sie holt Anfang der 40er-Jahre Franz Liszt nach Weimar, der das Musikleben der Stadt entscheidend prägt.

Thüringer Landesausstellung vom 24. April bis 28. August 2016

Thüringer Landesausstellung vom 24. April bis 28. August 2016

Schloss Friedenstein/Herzogliches Museum Gotha und Stadtschloss/Neues Museum Weimar: Auf insgesamt 4.000 m² Ausstellungsfläche werden die Ernstiner in ihren einstigen Residenzstädten als das protestantische Fürstenhaus präsentiert, das die Geschicke seiner Lande zwischen Reformation und Revolution nachhaltig lenkte und beeinflusste.

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