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Bewerbung zum Weltkulturerbe

Welterbe werden

In der in großen Teilen intakten mittelalterlichen Altstadt von Erfurt haben sich einmalige bauliche Zeugnisse der bedeutenden jüdischen Gemeinde aus der Zeit zwischen dem ausgehenden 11. und der Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten. Ergänzt und aufgewertet werden die Bauzeugnisse durch eine weltweit einzigartige Fülle von Sachzeugnissen, die
gemeinsam Aufschluss über das jüdische Gemeindeund Alltagsleben sowie die Koexistenz von Juden und Christen in mittelalterlichen Städten bieten – in einer Komplexität, die mit keiner bekannten Stätte vergleichbar ist. Aus diesem Grund hat sich die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt entschieden, für ihr jüdisches Erbe des Mittelalters den Titel »UNESCO-Welterbe« anzustreben. Grundsätzlich wird der Titel »UNESCO-Weltkulturerbe « nur Bauwerken verliehen. Daher sind Sachzeugnisse wie die Hebräischen Handschriften nicht
Bestandteil des Antrags. Sie runden jedoch als historische Quellen das Wissen über das aschkenasische, also zentraleuropäische, Judentum im Mittelalter ab und gehören somit zum Erfurter jüdisch-mittelalterlichen Erbe. 2014 wurde die Stätte »Alte Synagoge und Mikwe in Erfurt – Zeugnisse von Alltag, Religion und Stadtgeschichte zwischen Kontinuität und Wandel« auf die deutsche Vorschlagsliste für künftige Welterbestätten aufgenommen. Das heißt, dass der Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO in einigen Jahren offiziell eingereicht werden darf. Bis dahin unternimmt die Stadt Erfurt viel, um das potentielle Welterbe zu erforschen, zu vermitteln und zu bewerben. Sie gibt Publikationen heraus, führt Veranstaltungen durch – etwa die Vortragsreihe »Arain!« – und lässt sich durch einen hochrangig besetzten Fachbeirat beraten.

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