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Weimarer Land: Inspiriert von Feininger und anderen Meistern

Wie eine idyllische Dorfkirche zur »Kathedrale der Zukunft« avancierte, wie das Weimarer Land den Bauhaus-Meister Lyonel Feininger inspirierte, wie Ernst Neufert mit neuen Standards die Architekturlehre revolutionierte und der moderne Zeitgeist in Apolda noch heute fortbesteht – all das und vieles mehr lässt sich bei einem Ausflug ins Weimarer Land erfahren.

»Die Dörfer, wohl über Hundert, in der Umgebung sind prachtvoll! Die Architektur (...) ist mir gerade recht, so anregend, zum Teil so ungemein monumental! «, schrieb Lyonel Feininger, Bauhaus-Meister der ersten Stunde und Maler, über das Weimarer Land. Immer wieder zog es ihn von seinem Wohnort Weimar aus hinaus in die Landschaft – zu Fuß oder mit dem Rad.

»Es gibt Kirchen in gottverlassenen Nestern, die mit das Mystischste sind, was ich von sogenannten Kulturmenschen kenne!«, beschrieb Feininger einst sein Faible für Kirchenmotive. Am meisten beeindruckt hat den in New York geborenen Maler, der seit 1906 in Weimar lebte und vor seiner Bauhaus-Zeit vor allem als Karikaturist eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte, wohl die Dorfkirche in Gelmeroda. Mehr als 100 Mal bildete er sie ab. Für das Bauhaus wurde sie zum Leitbild: Als »Kathedrale der Zukunft« schmückt sie das Titelbild des berühmten Bauhaus-Manifestes, mit dem Walter Gropius die Avantgardeschule begründete.

Standardisierung und Normierung

In Gelmeroda begegnet man auch einem anderem Bauhäusler – dem Architekten Ernst Neufert, in dessen Biografie die Ambivalenz der Moderne deutlich wird: Er  zählte zu den ersten Studenten des Bauhauses, arbeitete mit Gropius, aber später auch mit Hitlers Chefarchitekten Albert Speer zusammen. Von 1922 bis 1926 war Neufert als Bauleiter für Gropius tätig und u. a. an der Errichtung des Bauhausgebäudes in Dessau, am Ausbau der Fagus-Werke in Alfeld und am Umbau des Jenaer Stadttheaters beteiligt. Später unterrichtete er an der Nachfolgeeinrichtung des Bauhauses in Weimar und setzte als freier Architekt zahlreiche Bauten – u. a. in Jena – um. Darüber hinaus beschäftigte er sich vor allem mit Fragen der Standardisierung und Normierung in der Architektur. 1936 veröffentliche er seine »Bauentwurfslehre«, die in mehr als 18 Sprachen veröffentlicht wurde und bis heute allein in Deutschland in 39 Auflagen erschienen ist.

Moderner Zeitgeist in Bad Berka und Apolda

In Bad Berka zeugt nicht nur das Wasserwerk als Bauwerk vom architektonischen Einfluss des Bauhauses. Auch das kleine, von einem Verein betriebene Korbmachermuseum im Bad Berkaer Ortsteil Tannroda wartet mit unerwarteten modernen Schätzen auf: ein Teil der Ausstellung ist Henry van de Velde gewidmet, der in seiner Weimarer Zeit Möbel für die Tannrodaer Korbmacher entwarf.

30 Kilometer nördlich entfernt von Bad Berka liegt die Stadt Apolda. Hier hat das Kunsthaus des umtriebigen Vereins »Apolda Avantgarde« mit seinen Ausstellungen, die auch immer wieder die Kunst der Moderne im regionalen, nationalen aber auch internationalen Kontext aufgreifen, Bekanntheit und Zuspruch über die Region hinaus erlangt. Mit dem Erweiterungsbau für das Feuerlöschgerätewerk der Total KG Foerstner & Co befindet sich zudem ein herausragendes Denkmal der Architekturmoderne und Industriebaukultur in Apolda. Es ist das einzige Gebäude, das Egon Eiermann in Thüringen realisierte. Eiermann gilt als einer der  bedeutendsten Architekten Deutschlands, der vor allem die Nachkriegsmoderne stark beeinflusste: 1938/39 baute er das heute als »Eiermannbau« bekannte Gebäude, das seit 1999 unter Denkmalschutz steht und seit 2014 ein Modellstandort der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen ist.

Feininger Radweg

Feininger Radweg

Über drei Jahrzehnte begab sich Lyonel Feininger zu Fuß oder mit dem Rad in das Weimarer Land. Dort füllte er Skizzenblöcke mit unzähligen Kirchen, Brücken und Dorfkernen, aus denen später viele seiner weltberühmten Kunstwerke entstanden. Die 28 km lange Radtour lädt dazu ein, den Spuren Feiningers zu folgen.

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Ausstellungs-Tipp

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Sie ist ganz Kunst
Ida Kerkovius und die Kraft der Farben

13. Januar – 31. März 2019
Kunsthaus Apolda Avantgarde

Die Malerin und Weberin Ida Kerkovius (1879-1970) zählt zu den wichtigen Vertreterinnen der Moderne in Deutschland. Von 1920 bis 1923 war sie in den Wintersemestern am Bauhaus in Weimar eingeschrieben, besuchte den Vorkurs bei Itten und Muche, die Klassen von Kandinsky, Klee und Gunta Stölzl.

bauhaus by bike

Tagestour zu den Bauhausstätten in Weimar und im Weimarer Land: Neufert-Haus Gelmeroda, Dorfkirche Bergern (Matt Lamb), Korbmachermuseum Tannroda, verschiedene Feininger-Kirchen im Weimarer Land

E-Bikes bzw. Fahrräder können gestellt werden www.lokaltermin-reisen.de