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Jena: Auf den Spuren des Bauhauses

Jena zeigte sich Anfang der 1920er Jahre äußerst aufgeschlossen gegenüber den Ideen der künstlerischen Avantgarde und dem Experimentellen am Weimarer Bauhaus. Es herrschte ein reger geistiger Austausch, der dem Kunstleben in Jena wichtige Impulse vermittelte, wirtschaftlichen Aufschwung beförderte und Jena als kunstoffene Stadt bekannt machte.

Heute zeugen unter anderem die Jenaer Kunstsammlung, mehrere (Wohn-)Gebäude und modernes Jenaer Glas von den Bauhaus-Einflüssen.

Gropius Villen und Neuferts Mensa

Die Jenaer Universität und städtische Behörden unterstützten die Vertreter der Neuen Sachlichkeit unter anderem in der Verwirklichung ihrer architektonischen Vorstellungen. Walter Gropius, Adolf Meyer, Otto Bartning und Ernst Neufert ließen durch ihre Bauten Jena zu einem Zentrum modernen Bauens in Thüringen werden.

Der Umbau des Jenaer Stadttheaters war Gropius’ erster Bauauftrag in Thüringen, den er gemeinsam mit Adolf Meyer 1921/22 realisierte. Das ehemalige Bühnenhaus wird heute noch vom städtischen Theater genutzt. Der Bauleiter dieses Umbaus, Bauhausstudent Ernst Neufert, begegnet heute jedem Architekturstudierenden – mit seinem 1936 erstmals erschienenem Grundlagenwerk »Bauentwurfslehre«. Gemeinsam mit Otto Bartning schuf er die Mensa am Jenaer Philosophenweg als kubischen Stahlskelettbau. Das Lehr- und Forschungsgebäude Abbeanum für die Friedrich-Schiller-Universität Jena entstand in Stahlbetonskelettbauweise.

Gropius baute zwei private Wohnhäuser, die auch heute die Formensprache des Neuen Bauens anschaulich zeigen. Haus Auerbach und Haus Zuckerkandl entstanden 1924 bzw. zwischen 1927 und 1929. Im Haus Auerbach setzte Gropius die in Weimar geborene Idee des Baukastensystems um, es wurde 1994/1995 originalgetreu saniert. Beide Gebäude sind heute privat genutzte Wohnhäuser.

Beim Spaziergang durch Jena zeigen sich weitere bemerkenswerte Architekturen der Moderne, wie das ehemalige Werkstattgebäude der Buchbinderei Martin, das Zeiss-Hauptwerk und das Zeiss-Planetarium Jena.

Jenaer Glas und modernes Design

Das geistige Klima in Jena führte auch zu intensiven Kontakten mit der Industrie. Der heutige Technologiekonzern SCHOTT AG stellte den von Gerhard Marcks 1926 entworfenen Designklassiker, die Kaffeemaschine Sintrax, her. Das wechselseitige Interesse von Bauhaus und Schott war schon in der Küche des Musterhauses Am Horn zur Bauhaus-Ausstellung 1923 ablesbar, zu dessen Ausstattung Backgeschirr aus Jenaer Glas gehörte.

Wilhelm Wagenfeld entwarf 1931 ein Teeservice für Schott. Dessen Teekanne avancierte zum heute vermutlich bekanntesten Entwurf für Jenaer Glas und wird nach wie vor produziert. Erich Schott holte auch László Moholy-Nagy für eine zeitgemäße Werbung nach Jena. Diese Zusammenarbeit währte über die Emigration von Moholy-Nagy hinaus. In der Schott-Villa werden die Anfänge dieser Entwicklungen heute in einer Ausstellung erläutert.

Die Bauhauskünstler in Jena

Die Bauhauskünstler in Jena

Dieser Spaziergang durch die Stadt spannt den Bogen von Henry van de Veldes Jugendstil bis zum Bauhaus mit den Gropius-Bauhaus-Villen Auerbach und Zuckerkandl. Mit dem Denkmal für Ernst Abbe hatte Henry van de Velde bereits 1911 ein Kunstwerk europäischen Ranges geschaffen.

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