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Bach verbindet

Der berühmte Komponist hat einen Großteil seines Lebens in Thüringen verbracht. Es ist faszinierend, dort seinen Spuren zu folgen und seine Musik an Originalschauplätzen zu erleben.

Entdecken Sie hier einige dieser besonderen Orte!

Organist Jörg Reddin in der Bachkirche in Arnstadt

Bubble Chairs im Bachhaus Eisenach – hier ertönen Bachs Werke

Jörg Hansen, Direktor des Bachhauses

Christoph Drescher, Geschäftsführer und Festivalleiter der Thüringer Bachwochen

Die Toccata setzt ein. Und dann passiert es: Die Töne füllen nicht nur den Kirchenraum. Plötzlich wird alles groß und weit. Das Leben und die eigene Seele und auch der Moment hier. Wer von Johann Sebastian Bachs Musik berührt wird, den lässt sie nicht mehr los. Und besonders beeindruckend ist es, sie live zu hören, noch dazu an einem originalen Bachort. So wie jetzt: Jörg Reddin, Kantor in der Bachkirche in Arnstadt, sitzt an der Orgel und spielt Bach – dort, wo auch der junge Komponist vor über 300 Jahren oft gesessen hat. 1703 übernahm er hier seine erste Organistenstelle. Eine Ausstellung im Schlossmuseum Arnstadt  erinnert an die Zeit.

Geboren wird Bach 1685 in Eisenach, 1750 stirbt er in Leipzig. Er verbringt einen Großteil seines Lebens in Thüringen. Die ersten Jahre lebt der kleine Johann Sebastian in Eisenach. Als die Eltern beide kurz hintereinander sterben, zieht der Zehnjährige zum großen Bruder ins nahe Ohrdruf. Die Schule schließt Bach später in Lüneburg ab. Er spielt Geige, singt im Chor und nimmt Orgelunterricht. In der Dorfkirche St. Bartholomäi in Dornheim heiratet Bach mit 22 Jahren seine Cousine Maria Barbara – an einem schönen Herbsttag, heißt es in den Biografien. Seit 1703 ist er in Arnstadt Organist, Stellen in Mühlhausen und Weimar folgen.

Im Bachhaus in Eisenach kann man versuchen, dem Menschen Bach auf die Spur zu kommen: Handschriftliche Notizen kann man studieren, Bachs rekonstruierte theologische Bibliothek aufsuchen – und zuhören, in einem begehbaren Musikstück mit 180-Grad-Leinwand und in Bubble Chairs mit Kopfhörern. Auch wie Bachs Musik live geklungen haben mag, erlebt man – bei stündlichen Konzerten auf historischen Instrumenten. „Bach hat die besten Kompositionstechniken seiner Zeit genutzt und sich zu einem Meister darin entwickelt“, sagt Jörg Hansen, Direktor des Bachhauses. „Er hat konsequent auf Polyphonie gesetzt, jedes Instrument musiziert gleichberechtigt.“ Das ist der berühmte, schwer zu verstehende Kontrapunkt. Man begreift das intuitiv, wenn man die Musik Bachs hört. Die einzelnen Stimmen locken einander, stoßen und wechseln sich ab. Gleichzeitig sind sie miteinander verwoben wie die Farben und Muster in einem Teppich. Hansen findet: „Man wird mit Bach nicht fertig.“ Und Christoph Drescher, Geschäftsführer und Festivalleiter der Thüringer Bachwochen, sagt: „Er wird mir nie zu viel. Für mich ist die Musik immer wieder überraschend, etwa, wenn ich eine neue Interpretation eines Stückes höre, das ich schon lange kenne.“

Rund 50 Konzerte mit internationalen Stars stehen bei den Thüringer Bachwochen immer im Frühjahr auf dem Programm – viele an Originalschauplätzen. „Dabei wird aber nicht nur Bach gespielt“, sagt Christoph Drescher. „Wir zeigen Bach auch in seiner Relevanz für heute, indem wir Cross-Over-Projekte machen, wo wir zum Beispiel Bach mit Tanz oder Elektronik kombinieren.“  Drescher meint: „Welchen Musiker Sie auch fragen, egal, ob es um Klassik, Jazz oder um Pop-Musik geht – jeder hat eine Meinung zu Bach. Bach verbindet, Bach fasziniert und bereichert.“

Kommentare

Auf ein paar Fragen mit...

Bachland Thüringen

In Eisenach kam er zur Welt, und Ohrdruf, Arnstadt, Mühlhausen und Weimar hatten das Glück, auf seinem (Lebens-)Weg zu liegen – wenngleich seine damaligen Dienstherren dies nicht immer zu würdigen wussten. Der junge Bach war aufsässig und eigensinnig – eben ein Genie ... mehr zu Bachs Wirken und Leben in Thüringen lernen