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Von den Anfängen: Das Bauhaus in Weimar

Das Bauhaus gilt heute als »Schule des Wagemuts « (Die ZEIT), als Initialzündung für eine künstlerische Revolution. »Der Ruf von Gropius wirkte wie eine Fanfare, und von überall kamen die Begeisterten herbei«, erinnerte sich eine Zeitgenossin an die Anfangsjahre in Weimar. Frechen Weimarer Kindern drohten ihre Eltern in den 1920ern: »Wenn du nicht artig bist, kommst du ins Bauhaus!« Aber was genau machte das Bauhaus so revolutionär und anziehend für die einen und so ungeheuerlich für die anderen? Und wie kam es überhaupt zur Gründung in Weimar?

Man könnte die Geschichte des Bauhauses in Weimar mit ihrer Gründung im April 1919 zu erzählen beginnen: Walter Gropius, ein junger Architekt aus Berlin, gründete im beschaulichen Weimar eine progressive Kunst- und Architekturschule. »Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens«, schrieb er in seinem weltberühmten Gründungsmanifest.

Man könnte mit der Erzählung aber auch schon viel früher einsetzen. Als der belgische Designer und Architekt Henry van de Velde 1902 das Kunstgewerbliche Seminar in Weimar begründete – in jenem Gebäude, das er selbst entwarf, in das später das Bauhaus zog und mit dem er ein »Gesamtkunstwerk, das in der Architektur gipfelt« schaffen wollte. Henry van de Velde war es auch, der Walter Gropius bereits 1915 als seinen Nachfolger vorschlug und sich maßgeblich für dessen spätere Berufung zum ersten Direktor des Bauhauses einsetzte.

Im Schwebezustand

Gropius hatte – wie viele seiner Mitstreiter am Bauhaus – die Schrecken des Ersten Weltkrieges als Soldat hautnah miterlebt. Nach Kriegsende standen die Zeichen der Zeit auf radikalen Neuanfang. Der Kaiser wurde gestürzt, eine neue deutsche Republik ausgerufen, die erste deutsche Nationalversammlung gewählt. Deutschlands erste Demokratie stand noch auf sehr wackeligen Füßen, als das Bauhaus am 1. April 1919 in Weimar öffnete. Die Zeit war geprägt von politischen Unruhen, sozialen Missständen und Unsicherheit. Das Land und die Menschen befanden sich in einer Art Schwebezustand.

 

Die Avantgarde zeigt sich

Legendär ist auch die erste große Bauhaus-Ausstellung, die im Spätsommer 1923 stattfand. Die Landesregierung hatte die Bewilligung von weiteren Finanzmitteln an eine öffentliche Leistungsschau der »Weimarer Avantgarde« geknüpft. Gäste aus ganz Europa reisten zur Ausstellung an, die von einer »Bauhauswoche« mit Aufführungen von Schlemmers Triadischem Ballet, mit Reflektorischen Lichtspielen von Magnus Hirschfeld-Mack und Vorträgen von Wassily Kandinsky und anderen eingeleitet wurde.

Zentrum der Ausstellung war das Haus Am Horn, das unweit von Goethes Gartenhaus als erste Bauhaus-Architektur realisiert wurde. Die Ausstattung des Musterhauses stammte aus den Werkstätten des Bauhauses. Gezeigt wurden unter anderem Möbel von Marcel Breuer, Spielzeug und Leuchten von Alma Buscher, Teppiche von Benita Otte und Gunta Stölzl, Keramikgefäße von Theodor Bogler. Die Arbeiten der Bauhäusler stießen auf große Begeisterung, aber auch auf Befremden und Ablehnung.

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