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Heimatwald Hainich

Im Nationalpark Hainich lässt sich erahnen, wie die Urwälder Mitteleuropas zu Beginn unserer Zeitrechnung aussahen:
Große, unzerschnittene Buchenwälder gedeihen auf Muschelkalkböden, Tiere und Pflanzen haben ein Refugium gefunden,
die Natur darf wachsen wie sie will. Naturfilmer Andreas Kieling hat im Hainich als Kind gespielt. Nun ist er offizieller Nationalparkbotschafter für seinen Wald.

Ein Strahlen im Wald: Blühender Bärlauch bedeckt den Boden im Hainich wie ein weißer Teppich

Andreas Kieling mit seiner "allerbesten Freundin": Hündin Cleo

Die Krönung des Nationalparks: In 24 Metern Höhe führt der Baumkronenpfad in den Buchenwald.

Bitte so lassen! Im Hainich darf die Natur machen, was sie will. Umgestürzte Bäume bleiben liegen - und bieten Pilzarten wie dem Zunderschwamm neuen Lebensraum

Im Frühjahr blüht der Boden

Vor den Bäumen blüht im Hainich der Waldboden. Warme Sonnenstrahlen dringen ungehindert durch die noch blattlosen Baumkronen. Auf den nährstoffreichen Waldböden wächst jetzt millionenfach der Hohle Lerchensporn. Leuchtend-weiße Märzenbecher bahnen sich ihren Weg ans Licht. In der Luft erahnt man den Duft von Bärlauch. Doch bis dieser in voller Pracht den weichen Waldboden bedecken wird, müssen noch ein paar Wochen vergehen. Andreas Kieling war schon als Kind in diesem Wald unterwegs. Dass dieser damals militärisches Sperrgebiet war störte ihn und seine Freunde nicht. „Wir hatten unsere Schleichwege“, sagt er. „Das war unser großes Abenteuer, unser Spielplatz“.

Der Urwald breitet sich aus

Die Idee, den Hainich zum Schutzgebiet zu machen entstand nach der deutschen Wiedervereinigung, als das sowjetische Militär das Gelände freigab. Seit 1997 ist er Nationalpark. 2011 wurde er Teil des UNESCO Weltnaturerbes.
Auf mehr als 5000 Hektar breitet sich nun der Urwald aus. Hohe Buchen geben ihm sein Gesicht. Über den Boden winden sich knorrige Wurzeln. Der Mensch greift hier nicht ein in den Lauf der Natur. Totes Holz bleibt liegen, Flechten und Pilze erobern die Stämme, grellgrünes Moos breitet sich darauf aus.
Wohl 10.000 Tierarten sind im Hainich zu Hause, so wird es geschätzt: Rehe, Baummarder, Wildkatzen, seltene Käferarten, Fledermäuse, Spechte in großen Populationen.

Dem Wald aufs Dach steigen

Das Herz des Hainichs ist der Baumkronenpfad. Hier kann man dem Wald „aufs Dach steigen“. Gut einen halben Kilometer führt die Route durch die Baumwipfel. Der Start liegt auf zehn Metern Höhe, dann steigt er sanft auf 24 Meter an. Sogar mit Rollstuhl kann man ihn besichtigen, dank eines geräumigen Aufzugs. Von oben erscheinen die Kronen der Bäume wie eine Hügellandschaft. Der Wind weht ein wenig frischer als am Boden, Luft und Licht erscheinen reiner und der Klang der Vogelstimmen kräftiger. Ein einzigartiges Biotop tut sich auf.

Man muss sich Zeit nehmen

Andreas Kieling sagt, dass es ihn berührt, dass gerade in seiner alten Heimat solch ein Ort entstanden ist, in dem die „Natur wieder Natur bleiben darf“. Wie aber lässt sich diese besondere Landschaft am besten erfahren, wie schärft man die Wahrnehmung für sie? „Man muss sich Zeit nehmen“, sagt Andreas Kieling. „Obwohl ich den Wald wirklich gut kenne, gehe ich immer wieder neugierig in ihn hinein. Was werde ich heute erleben? Was ist heute anders?“ Er rät, den Wald nicht immer bloß wandernd zu besuchen. „Wenn ich mich nicht bewege, dann nehme ich die Umgebung ganz anders wahr. Ich verstecke mich hinter einem Baumstamm oder einem Busch und warte einfach, was passiert. Ich achte auf das Licht, die Gerüche, die Geräusche, die Gesänge der Vögel. Meistens dauert es nicht lang, bis sich etwas tut. Dann läuft eine Waldmaus durchs Laub, man hört einen Vogel, ein Reh nähert sich dir.“ Welches Gefühl er mit dem Hainich verbindet? Kieling überlegt kurz und antwortet: „Geborgenheit“.

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MERIAN EXTRA Thüringen

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Nationalpark Hainich

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