Seite empfehlen:

Gekommen, um zu bleiben

24 Stunden auf der Wartburg - wie ist es, einmal im Leben einen Tag und eine Nacht lang zu bleiben? Verändert sich die Burg im Laufe des Tages? Und wen trifft man dort oben eigentlich? Eine Reise zu Menschen, Geschichten und alten Gemäuern ...

Der Nachtwächter öffnet für uns noch ein letztes Mal das schwere Eichentor, durch das einst schon Martin Luther ging. Wir haben die Zeit aus den Augen verloren, sind plötzlich mit zwei weiteren Frauen die letzten Gäste der Wartburg. Schön, wenn der Mond elfenbeinfarben über dem Bergfried aufgeht und die Burg ganz still daliegt. Tagsüber gehört sie der großen weiten Welt, aber am Abend ist es ruhig bis romantisch hier oben.

Wie man es schafft, auch noch nach der offiziellen Schließzeit auf der Burg zu verweilen? Ganz einfach, man hört sich ein Konzert im Festsaal des Palas an, für dessen einzigartige Akustik übrigens der Weimarer Kapellmeister Franz Liszt verantwortlich ist. Zu Gast ist heute der MDR Musiksommer - zwei junge Musikerinnen und ein Musiker, so sympathisch wie leidenschaftlich und begabt - ein großer Hörgenuss. Zu dem der reich verzierte Festsaal aus dem 19. Jahrhundert und die über Eisenach untergehende Sonne, die alles in ein warmes Licht taucht. Das Publikum ist endgültig verzaubert.

Voller Ruhe: Stille nach dem Ansturm des Tages

Genussvoll: Trio Karénine aus Frankreich beim MDR Musiksommer im Festsaal der Wartburg

Faszinierend: das kunstvolle und farbenprächtige Mosaik der Elisabeth-Kemenate

Romantisch: das Hotel auf der Wartburg

Die blaue Stunde beginnt, das Konzert geht zu Ende. Wir werden dananch nicht, wie die meisten anderen, nach Eisenach hinunter fahren. Wir bleiben da. Im Romantik Hotel auf der Wartburg. Auf uns wartet eine gemütliche Dachkemenate mit Blick über den Thüringer Wald. Fünf Sterne im und Millionen Sterne über dem Hotel. Und morgen ein Frühstück mit grandiosem Blick auf die Natur draußen ...

Die Wartburg liegt auf 411 Metern Höhe und gehört seit 1999 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ihre Gebäudeteile spiegeln die Baustile vieler Jahrhunderte - von der Romanik im Palas, bis zum Historismus im 19. Jahrhundert, als man die Burg komplett restaurierte.

Wie das alles anfing? Die Wartburg wurde 1067 von Ludwig dem Springer gegründet. Ab etwa 1155 ließ Ludwig II. den Palas bauen, der noch gut erhalten ist und der als der am besten erhaltene Profanbau nördlich der Alpen gilt. Bis 1228 lebte die ungarische Prinzessin Elisabeth an der Seite von Ludwig IV. auf der Wartburg. Die junge Frau wurde als heilige Elisabeth zur Wohltäterin der Schwachen und Armen. Sie starb schon mit 24 Jahren, 20 Jahre, nachdem sie Ungarn verlassen hatte. Ein noch berühmterer Bewohner auf der Burg war knapp drei Jahrhunderte später Martin Luther: Am 4. Mai 1521 trat er hier oben seine Schutzhaft an und übersetzte in nur 11 Wochen das Neue Testament. Goethe war im 19. Jahrhundert öfter hier, wollte ein Kunstmuseum einrichten. Und 1817 trafen sich die deutschen Burschenschaften zu ihrem Wartburgtreffen. Oft war die Wartburg Schauplatz historischer oder kulturtouristischer Ereignisse. Eine Art deutscher Geschichtsknotenpunkt - oder ein Brennglas, wie Hendrikje Döbert es nennt.

"Es geht doch wirklich nicht darum,
ob in der Lutherstube alles original ist,
sondern welcher Geist von diesem Ort ausgeht."

Seit 40 Jahren ist sie schon Wartburg-Guide und versucht, die Gäste der Burg für eine Zeitreise durch die vergangenen Jahrhunderte zu begeistern. "Wir haben das mal ausgerechnet - ich habe rund eine Millionen Menschen geführt und bin hier oben schon etwa einmal bis nach Moskau und zurück gelaufen." Mit Hendrikje Döbert wandeln wir durch die Innenräume, erliegen dem Zauber der romanischen Kapelle, staunen über die Mosaik-Kunst in der Elisabeth-Kemenate, den Sängersaal - und stehen irgendwann stumm und beeindruckt in der Lutherstube.

Nachdenklich spazieren wir nach dem Ende der Tour um die Burg, auf dem lauschigen Tugendpfad, der direkt an der Burgmauer entlangführt. Auf Infotafeln werden alte Handwerksberufe rund um den BUrgenbau erklärt. Die Sicht reicht weit über den Thüringer Wald - und wir haben auch noch Glück und können durch ein Hintertürchen in die Burg hinein. Das ist erlaubt, denn Eintritt kostet nur die Besichtigung der Innenräume. Wir stärken uns in der rustikalen Burgschänke, dann erklimmen wir den Südturm - er ist nicht sehr hoch, aber von oben genießt man eine schöne Sicht hinein in den Burghof. Was für ein Gewimmel dort unten herrscht. Ein fröhliches Sprachengewirr dringt herauf. Mit welcher stoischen Ruhe so ein altes Gemäuer das hinnimmt, dass es weltberühmt geworden ist!

Gut zu wissen

Ein geführter Rundgang durch den romanischen Palas dauert etwa eine Stunde und endet mit dem Besuch des Wartburgmuseums samt Lutherstube.
Führungen April-Oktober zwischen 8.30 und 17 Uhr, November-März zwischen 9 und 15.30 Uhr.
Das Burgtor schließt im Sommer um 20, im Winter um 17 Uhr.

mehr zur Wartburg

Auf der Burg ist das ganze Jahr Programm - Konzerte, große Oper, Gottesdienste oder der einzigartige historische Weihnachtsmarkt. Das dürfen Sie nicht verpassen!

zum Veranstaltungsprogramm der Wartburg

Kommentare

ThüringenCard

ThüringenCard

Mit der ThüringenCard haben Sie freien Eintritt in mehr als 200 Freizeiteinrichtungen in ganz Thüringen. mehr zur ThüringenCard

TOP-Gastgeber:
Romantik Hotel auf der Wartburg

TOP-Gastgeber: <br> Romantik Hotel auf der Wartburg

Historisch. Gediegen. Edel. Das Hotel auf der Wartburg ist eine exklusive Residenz auf dem sagenumwobenen Burgberg und steht für außergewöhnliche Aufenthalte inmitten malerischer Landschaft. mehr zum Hotel