Himmlischer Hörgenuss

Die Himmelsburg in Weimar

Die „Himmelsburg“ war die Kapelle des im 17. Jahrhundert erbauten Weimarer Stadtschlosses. Die architektonische Gestaltung der Schlosskapelle war einzigartig: Über dem Kirchenschiff erhob sich, durch ein Oberlicht mit dem Kirchenraum verbunden, eine Capella. In 20 Metern Höhe, über einem massiv verlängerten Altar in einer offenen Musikgalerie, stand die eigens für Bach umgebaute Orgel. Entlang der umlaufenden Emporenbrüstung waren Sänger und Instrumentalisten platziert.

Die gespielte Musik war Teil eines Aufstiegskonzeptes zwischen Erde und Himmel. Der Name „Weg zur Himmelsburg“ war damit sowohl architektonisch als auch akustisch zu verstehen. (1)

Akustik als Spiegelbild der Architektur

Die außergewöhnliche Architektur der Schlosskapelle beeinflusste maßgeblich den Raumklang. Mit ihrer akustischen Qualität hatte sie gleichermaßen erheblichen Einfluss auf das musikalische Schaffen Johann Sebastian Bachs. Der begnadete Komponist wurde 1714 in Weimar zum Konzertmeister ernannt und damit verpflichtet, alle vier Wochen eine Kirchenkantate auf den jeweiligen Sonntag zu komponieren. (2)

Himmelsburg Christian Richter

Schlosskapelle um 1660 mit Visualisierung ©Abbildung: Christian Richter, Foto: Anne Levin, Klassik Stiftung Weimar

Für den ungewöhnlichen Kirchenraum mit einer quasi unsichtbaren Orgelempore schrieb Bach sämtliche Kantaten seiner Weimarer Zeit. (3) Als erste erklang die Kantate „Himmelskönig, sei willkommen“ (BWV 182). Sie wurde am Palmsonntag, 25. März 1714 in der Weimarer Schlosskapelle uraufgeführt. (4) Kompositionsaufbau sowie Tonsprache dieser Kantaten können erst in Kombination mit dem Raumerlebnis umfassend verstanden werden. (5)

Allerdings bleibt anzumerken, dass zum heutigen Zeitpunkt nur Mutmaßungen zum Aussehen der Himmelsburg getroffen werden können. Nur anhand weniger Gemälde, historischer Grundrisse und Vergleichsobjekte aus identischer Zeit lässt sich das Erscheinungsbild der Schlosskapelle im Ansatz rekonstruieren.

Wissenschaftliche Fakten

Die architektonische Gestaltung der Schlosskapelle war einzigartig! Wie die Kapelle ausgesehen hat, kann man heute nur mutmaßen. Anhand weniger Gemälde, historischer Grundrisse und Vergleichsobjekte lässt sich aber ein guter Eindruck gewinnen. Hier gibt es 5 spannende wissenschaftliche Fakten zur Himmelsburg in Weimar.

Die Geschichte des Weimarer Stadtschlosses

Bei einem verheerenden Brand im Jahr 1774 wurde das Schloss mitsamt Kapelle vernichtet. Erhalten blieben einzig die Umfassungsmauern und historische Bauzeichnungen. (6) 15 Jahre später begann der Wiederaufbau.

Die gesamte bewegte Vergangenheit des Schlosses kann man hier auf den Seiten der Klassik Stiftung Weimar lesen.

Stadtschloss Weimar

Festsaal im Residenzschloss Weimar ©Alexander Burzik, Klassik Stiftung Weimar, Bestand Fotothek

Gegenwärtig wird das Schloss saniert und den Besucherinnen und Besuchern schrittweise wieder zugänglich gemacht. Bis zur geplanten Fertigstellung vor 2030 wird es nicht nur eine völlig neu konzipierte Ausstellung geben, die bisher für die Öffentlichkeit unzugängliche Raumfolgen einbezieht. Als neue lebendige Mitte der Klassik Stiftung Weimar entwickelt sich das Schloss auch zu einem Besucher-, Debatten- und Vermittlungszentrum. Spannende Geschichten, die sich vor und „hinter“ den Kulissen im Schloss abspielten, sind nach der Wiedereröffnung ebenso erlebbar wie Diskussionen über aktuelle Zeitfragen.

Weitere Infos zum Umbau findet man hier.

Johann Sebastian Bach in Weimar

Seine erste Anstellung erhielt Bach 1703 mit 18 Jahren in Weimar. Als Violinist war er in der Privatkapelle des damaligen Herzogs Johann Ernst III tätig. In 1714 erfolgte die Ernennung zum Konzertmeister. Hier begann seine Tätigkeit in der sogenannten Himmelsburg, der Weimarer Schlosskapelle.

Quellen:

(1) Vgl. Dr. Anselm Hartinger, Musikwissenschaftler und Musiker, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. 

(2) Vgl. Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Sebastian_Bach#Weimar_(1708–1717). 

(3) Vgl. Auszug Programmheft TBW, S. 12 i. V. m. Dr. Anselm Hartinger.

(4) Vgl. Jörg Arnold, 2005, Diplomarbeit "Raumakustische Rekonstruktion der Schlosskapelle des Weimarer Residenzschlosses im Zustand von 1658 - 1774", S. 21.

(5) Vgl. Dr. Anselm Hartinger, Musikwissenschaftler und Musiker, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. 

(6) Vgl. Jörg Arnold, 2005, Diplomarbeit "Raumakustische Rekonstruktion der Schlosskapelle des Weimarer Residenzschlosses im Zustand von 1658 - 1774", S. 39-40.


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