Fast wie am Meer

Wo sich die Saale romantisch staut

Wozu in die Ferne schweifen? Beim Camping-Urlaub am Südthüringer Hohenwarte-Stausee wird familiäres Familienglück zum Kinderspiel. Ganz gleich ob im, am oder auf dem Wasser.

Gerade mal eine Stunde haben sie gebraucht von zu Hause, aber irgendwie hat es sich angefühlt, als seien sie in eine andere Welt gefahren. Wie so viele Urlauber sind auch die Fröhlichs in diesem Jahr im Land geblieben, kein Tirol, keine Adria, kein Mallorca, stattdessen: ein terrassenförmig angelegter Campingplatz fünfzig Kilometer entfernt von ihrem Wohnort Gefell. Was die Kinder natürlich überhaupt nicht realisieren. Und die Eltern fasziniert. Sie hätte nie geglaubt, wie erholsam das schon bei der Anreise sein könne, meint Claudia Fröhlich: "Ist ja nur eine Stunde auf der Landstraße. So lange steht man sonst zwischendrin im Stau." In diesem Jahr war die Familie in dieser Zeit schon an ihrem Urlaubsort. Campingplatz Linkenmühle, Hohenwarte-Stausee.

Damit man keinen falschen Eindruck bekommt: Das ist kein normaler Stausee. Keiner, an dem sich hinter einer Mauer eine ovale Wasserfläche staut, die man mit einem Blick überschauen kann. Die Talsperre an der Saale ist die viertgrößte in Deutschland, der See dahinter sieben Quadratkilometer groß; die Leute hier nennen ihn augenzwinkernd Thüringer Meer. Weil sich die Saale hier in Schlaufen gelegt hat, sieht der Hohenwarte-Stausee von oben aus wie eine gekringelte Schlange. Wenn man sich am Campingplatzstrand in ein Kanu setzt oder auf ein SUP-Board stellt, ist man schnell um die nächste Ecke verschwunden. Und hat den See anschließend mehr oder weniger für sich allein. Natürlich ist so eine Lage ideal, und natürlich sind die Stellplätze direkt am Wasser beliebt.

Weil der Platz terrassenförmig angelegt ist, hat man den Blick aufs Wasser und die Saaleberge aber auch dann, wenn man ein bisschen weiter hinten bzw. oben steht.
So wie die Fröhlichs, die einen der fünfzig Touristenstellplätze bezogen haben (außerdem gibt es noch 160 für Dauercamper). Nils (11) ist gleich mal zum Spielplatz, checken, ob andere Jungs in seinem Alter da sind. Franz (4) hat mit größeren Umbauarbeiten begonnen und vor dem Wohnwagen einen Ritterindianerdinosaurierpark angelegt. Und Theo (1) hat Hunger. Alles wie immer eigentlich.
Wahrscheinlich gibt es keinen Camper an der Linkenmühle, der nicht mindestens einmal am Tag hinunter zum See geht, und, ganz ehrlich: Gibt es einen besseren Ort, um einen heißen Sommertag zu verbringen?

Egal, ob man sich auf einer Luftmatratze treiben lässt oder sich bei seinem ersten Versuch auf einem Stand-up-Board bemüht, die Balance zu halten, ob man dümpelt oder paddelt oder rudert oder schwimmt oder angelt: Der Stausee ist einer für alle. Und selbst dann, wenn man nur den ganzen Tag lang auf ihn hinaussieht wie das Ehepaar, das vor ein paar Tagen hier seine Diamantene Hochzeit gefeiert hat - selbst dann spielt der See die Hauptrolle an diesem Urlaubsort.

Absolut entspannt sei alles, meint Ronny Fröhlich. "Die Platzbesitzer, die Nachbarn, jeder, den wir bislang kennengelernt haben." Tagsüber sind die meisten am See, im See oder auf ihm drauf, abends sitzen die Fröhlichs beim Abendessen vorm Wohnwagen. Oder unten am Strand, wo man wunderbar zusehen kann, wie sich die Dämmerung allmählich in das Tal der Saale schleicht. Wie die Schatten länger werden und das Licht matter. Die Luft fühlt sich dann samten an, und manchmal bildet sich eine dünne Nebelschicht über dem Wasser. Dann sieht es aus, als habe jemand einen Beutel Watte gezupft und für die Handyfotografen unter den Campern über den See drapiert. Als habe man auch noch für die gesorgt, die später zu Hause Fotos schauen und gerne mal an ihren Sommerurlaub denken. An den, der schon vorbei ist. Oder an den, der hoffentlich bald wieder kommt.

 


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