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Zeughaus Schwarzburg: Geschichte in der Gegenwart

Meine Reise führt mich diesmal ins Schwarzatal, um genauer zu sein auf Schloss Schwarzburg. Vor offizieller Einweihung des Zeughauses erhalte ich Einblick in die bewegte Geschichte der Schlossanlage. Mit der feierlichen Eröffnung am 13. und 14. Mai 2018 können Besucher das Zeughaus Schwarzburg besichtigen.

Damals als Aufbewahrung für Rüstungen genutzt, entwickelte sich das Zeughaus zu einer Ruhmeshalle und Waffenkammer mit tausenden an Stücken. Das Erstaunliche daran: Die Sammlung besteht bis heute. Lediglich 300 Exponate gab es bisher auf Schloss Heidecksburg zu sehen. Heute ist sie mit 5.000 originalen Objekten die älteste und einzig noch erhaltene fürstliche Zeughaussammlung Deutschlands. Dr. Lutz Unbehaun, Direktor des Residenzschloss Heidecksburg, führt mich durch das Areal. Er bringt mir auch die bewegte Geschichte der Schwarzburger näher – dem ältesten Thüringer Adelsgeschlecht. Die Reise durch die Fürstlichen Erlebniswelten Schloss Schwarzburg beginnt.

Alte Zeichnung der Schlossanlage Schwarzburg

Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt, ThStAR, Nachlass Fürstin Anna Luise, Nr. 77

Das neue alte Zeughaus

Schon von Weitem sieht man das Schloss. Es thront auf einer Anhöhe. Die Auffahrt ist mit kleinen Park- und Aussichtsflächen versehen. Hier hat auch Friedrich Ebert den Ausblick über das weitläufige Grün genossen. Während eines Urlaubs in Schwarzburg unterschrieb der Reichspräsident am 11. August 1919 die Weimarer Verfassung. Eine Gedenktafel erinnert an dieser Stelle daran.

Im Torhaus empfängt mich Museumsdirektor Dr. Unbehaun. Unser Rundgang beginnt hier. Auf 4 Etagen (dank Fahrstuhl barrierefrei) tauche ich in die Zeit der Grafen und Fürsten von Schwarzburg ein. Der Kunsthistoriker zeigt mir die neu entstanden Schau- und Erlebnisräume. Mit Illustrationen von Soldaten, Originaldokumenten über das Inventar des Zeughauses und pädagogischen Stationen für Kinder wird man in die (militärische) Geschichte eingeführt. Klaus Ensikat, der 1971 für J. R. R. Tolkiens „Der kleine Hobbit“ zeichnete, illustrierte eigens für die Ausstellung.

Zeichnungen von Soldaten auf Schloss Schwarzburg

Zeichnungen von Klaus Ensikat

„Unter Hitler sollten das Zeughaus als Garage und das Schloss als Reichsgästehaus dienen. Die Sammlung ließ man auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt bringen. Nach 1945 sollte diese wiederum in die Sowjetunion überführt werden. Glücklicherweise vereitelten Rudolstädter Bewohner den Transport,“ erklärt Dr. Unbehaun. In Zugwaggons sollte das „Zeug“ gen Osten rollen. Die Bewohner haben in einer Nacht- und Nebelaktion die Waggons abgekoppelt und so stand die Sammlung still. Nach Wiederentdeckung kamen die Gegenstände zurück auf Schloss Heidecksburg. Rund 300 Objekte wurden hier bis vor Kurzem ausgestellt, so der Museumsdirektor.

In der 4. und letzten Etage des Torhauses erwartet mich ein Raum samt Filmvorführung. Ein rund 10-minütger Film stimmt audiovisuell ein. Und dann öffnet sich die Tür zum Zeughaus.

Eine Ruhmeshalle mit Waffen und Trophäen

Vor mir reihen sich Gewehre mit Bajonetts auf. Auf beiden Seiten reichen sie den gesamten Gang entlang. An den Wänden hängen diverse Schwerter in ihren Scheiden, Offiziers- und Mannschaftshelme. Am Ende des Weges sind sogar alte Instrumente einer Militärkapelle befestigt. Daneben hängen Spontons (pikeähnliche Paradewaffen). Mit Trauerbehang gedenken sie an den Tod von Fürst Friedrich Anton von Schwarzburg-Rudolstadt in 1744. Rüstungen und Bronzegeschütze komplettieren die Ausstellung auf der ersten Ebene. Das Zeughaus konnte durch Fotografien aus dem 19. Jahrhundert und noch frühere Beschreibungen rekonstruiert werden.

Altes Foto des Zeughaus Schloss Schwarzburg um 1908

Alfred Diener-Schönberg (Thüringer Landesmuseum Heidecksburg)

„Das Zeughaus Schwarzburg ist allerdings nicht nur Lagerort; Waffen, Ausrüstung und Trophäen wurden hier schon im 18. Jahrhundert zu Prestigezwecken ausgestellt,“ sagt der Kunsthistoriker.

Über eine Treppe gelange ich zur Galerie. 270 Solinger Degen sind rund um die Empore in das Geländer eingelassen. Besonders wertvolle und verzierte Waffen sind in Vitrinen ausgestellt. Hier hängen Siegestrophäen von gewonnen Schlachten – ich sehe französische Helme und bemalte Pfeile der Osmanen. In mir macht sich Beklommenheit breit.

Einerseits fasziniert mich die beeindruckende Inszenierung der Waffen. Andererseits erschreckt mich eben diese Faszination.

Aufgereihte Bajonetts im Zeughaus Schloss Schwarzburg

Blick in das Zeughaus Schloss Schwarzburg

Ein Zusammenspiel aus Geschichte und Gegenwart

Dieses Sammelsurium an Gedanken greift auch das Museumskonzept auf. Die Ausstellung endet mit einem Video-Projekt der Leipziger Künstlerin Anna Baranowski. Mehrere Bildschirme zeigen hier Videos. Filme von Kindern mit Waffen. Es laufen YouTube-Videos, die zeigen, wie Eltern in den USA gegenwärtig den Waffengebrauch an ihre Kinder weitergeben. Die zeitgenössische, amerikanische Waffenverherrlichung steht in direkter Verbindung zur Ausstellung und regt mit der Videoinstallation zum Nachdenken an. Ich werde in die Gegenwart zurück transportiert. Die Ausstellung endet für mich mit einem Wirrwarr aus Emotionen und Eindrücken.

Die damalige Fürstenresidenz und Ahnenhalle

Vom Zeughaus aus geht es zum Hauptgebäude des Schlosses Schwarzburg. Das Abwirtschaften durch die NS-Zeit und die letzten Jahrzehnte des Leerstandes forderten ihren Tribut. Das Schloss ist in einem ruinösen Zustand. Ab 2019 soll es im Rahmen eines IBA-Projektes als Schaubaustelle dienen. Die Weimarer Verfassung feiert in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum.

Altes Fotos des Innenhofes von Schloss Schwarzburg um 1890

Thüringer Landesmuseum Heidecksburg

Hinter dem Hauptgebäude und der Kirchruine sind das damalige Gartenhaus mit Kaisersaal und Schlossgarten zu finden. Wie das Zeughaus Schwarzburg wurde auch der Park nach früherem Plan wiederhergestellt. Der Kaisersaal selbst beherbergt unter anderem rekonstruierte Gemälde des Schwarzburger Adelsgeschlechts. An den hohen Wänden in der Mitte des Raumes hängen Kaiserbildnisse des Heiligen Römischen Reiches. Darunter auch König Günther XXI., Graf von Schwarzburg-Arnstadt. Leider sind einige Gemälde aus der Ruhmes- und Ahnenhalle verschwunden. Alle damals verewigten Persönlichkeiten konnten nicht mehr abgebildet werden.

Gemälde im Kaiser des Gartenhauses Schloss Schwarzburg

Auf ein Wiedersehen

Vom Kaisersaal aus durchlaufe ich die Schlossanlage vorbei am Torhaus bis hin zum Aussichtspunkt unterhalb des Schlosses Schwarzburg. Ich lasse meinen Blick ein letztes Mal hoch zum Schloss schweifen. Die aufwühlende Geschichte der Schwarzburger lasse ich sacken. Die einzelnen Puzzleteile der Orte auf Schloss Schwarzburg fügen sich wieder zu einem erlebbaren, geschichtsträchtigen Ort zusammen – den Fürstlichen Erlebniswelten Schloss Schwarzburg. Einen weiteren Besuch plane ich fest ein; spätestens zur Eröffnung der Schaubaustelle.

Blick auf die Schlossanlage Schwarzburg

Weitere Infos zu Eintrittspreisen und Kombikarten (bspw. mit der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn) gibt es auf der Seite der Fürstlichen Erlebniswelten Schloss Schwarzburg.

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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