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Weltenbummel in Weimar

Natürlich ist Weimar die Stadt der Klassiker. Aber es ist noch viel mehr: Wer einmal ziellos durch die zauberhaften alten Gassen schlendert, der entdeckt einen Ort voller Charme, verschwiegener Winkel, netter kleiner Läden und interessanter Menschen.

Die Künstlerin Anke Heelemann zählt zu den Persönlichkeiten, welche zu der besonderen Atmosphäre von Weimar beitragen. Seit über zehn Jahren sammelt sie auf Flohmärkten und bei Haushaltsauflösungen alte Fotografien für ihre Kunstprojekte. Wer oder was auf den Bildern zu sehen ist, bleibt jedoch häufig ein Geheimnis. „Jedes Foto hat seine Geschichte. Die ist aber verloren gegangen. Jetzt sind die Aufnahmen nur noch festgefrorene Momente fremder Leben“, sagt Heelemann über ihre Sammlung. Zehntausende Aufnahmen finden sich in dem Archiv der Künstlerin. Interessenten können in ihrem Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien stöbern und sich auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Fotografie und des Alltäglichen begeben.

Künstlerin Anke Heelemann aus Weimar

Ist diese Stadt nicht schön? Das denke ich von Anfang an. Egal, ob man über die Carl-August-Allee vom Bahnhof aus ins Zentrum läuft oder mit dem Auto anreist. Weimar nimmt einen gefangen, und es macht das vom ersten Augenblick an und dann immer wieder. Und nach einer gewissen Zeit in der Stadt verstärkt sich dieses Gefühl noch. Natürlich überrumpeln einen Goethe und Schiller anfangs, weil die Dichterfürsten einen in dieser Stadt nun mal nicht in Ruhe lassen. Wenn man aber das Schiller- und Goethehaus und das Deutsche Nationaltheater gesehen hat – dann entfaltet Weimar seinen wahren Zauber.

Man verlässt die üblichen Routen und entdeckt Lieblingsplätze, wie z.B. die Seifengasse, den Biedermeiergarten im Kirms-Krackow Haus mit einem kleinen Café, das La Tarte gegenüber eines kleinen, feinen Restaurants mit mehr Kochbücherregalen als Tischen, die Bänke vor der Stadtkirche St. Peter und Paul, die Bar im altehrwürdigen Hotel Elephant direkt am Marktplatz …  Ob mit Freunden oder allein, entspannen lässt es sich bei Sonnenschein gut in einem von Weimars schönsten Oasen – dem Ilmpark, welcher weitere Sehenswürdigkeiten wie das Römische Haus beherbergt.

Ilmpark und Römische Haus

Doch nicht nur Kunst und Natur, auch die verwinkelten Gässchen und Pfade tragen zum Charme von Weimar bei. Angefangen bei der Seifengasse in Weimar. Sie beginnt ein paar Schritte entfernt von der der Herzogin Anna Amalia Bibliothek und sieht auf den ersten Metern eher unauffällig aus. Alte Häuser, Efeu, Kopfsteinpflaster mit neugierigen Grashalmen zwischen den Steinen. Wenn man aber ein paar Schritte in sie hinein gelaufen ist, verschluckt die Gasse zuerst den Lärm der Autos und kurz darauf auch den der restlichen Welt. Plötzlich kommt man sich vor, als entdecke man gerade ein Geheimnis. Als sei vor einem noch nie jemand durch die Gasse geschlendert. Als habe man gerade sein ganz privates Stück Weimar gefunden.

Das Kulturangebot kommt ebenfalls nicht zu kurz. Nach einem ausgiebigen Stadtbummel kann man sich anschließend im Theater im Gewölbe berieseln lassen. Jeden Abend gibt es hier eine andere Inszenierung. „Wenn jemand eine Woche Urlaub bei uns macht, kann er täglich ein anderes Stück sehen“, sagt Oleg Keiler über die Vielfältigkeit des Programmes. Der Intendant erweckt seit 15 Jahren auf der Bühne im Cranachhaus die Klassiker Weimars in neuer Aufmachung zum Leben. Keilers Theater soll humorvoll und intelligent sein – und auch nicht zu lang. „Nach einem Besichtigungstag in Weimar sind die Leute doch platt. Da kann man denen doch keine fünf Stunden Faust mehr vorsetzen.“

Intendant Oleg Keiler im Theater im Gewölbe in Weimar

Möchte man lieber ein bisschen in Büchern herumschmökern oder Souvenirs kaufen, ist die Buchhandlung Die Eule der richtige Ort. Für den Besitzer Steffen Knabe, Urenkel des Gründers von Knabes Jugendbücherei, ist seine Arbeit Herzensangelegenheit. Er verlegt die alten Bücher neu, „Aras und die Kaktusbande“ oder „Mücke und sein großes Rennen“ sind tolle Mitbringsel für Kinder.

Buchhandlung Die Eule in Weimar

Man hört ja immer wieder Weimar sei ein stadt-gewordener Klassiker. Das stimmt, aber das ist eben auch nur ein Teil der Wahrheit. Weimar ist eine Stadt der Museen, aber dennoch keine Museumsstadt, es ist geschichtsbeladen, aber ebenso jung, hip und trendy. Viele Läden und Cafés zählen mittlerweile zur Einrichtung von Weimar – sie sind einfach nicht mehr wegzudenken.

So auch die Koriat Kuchenmanufaktur, ein Geheimtipp, der sich mittlerweile so herumgesprochen hat, dass die Schlange vor dem Geschäft für sich spricht. Die Weimarer lieben die fast vierzig verschiedenen Kuchen und Tartes, von denen viele auf arabischen Rezepten beruhen. Banane-Karamell, Orange oder doch lieber Mohn-Birne-Vanille? Das Angebot wird durch einen guten Service abgerundet. Aliceanne Moldan, Mitarbeiterin der Koriat Kuchenmanufaktur, lacht und plaudert mit den Gästen, gute Laune gehört hier zum Programm. Koriat wird somit immer mehr zu einem beliebten Treffpunkt – Freunde, Familie oder auch Arbeitskollegen kommen hier zusammen.

Koriat Kuchenmanufaktur in Weimar

Das Stadtbild wird eben nicht nur von klassischen Fassaden geprägt, sondern ebenso von verrückten Szene-Cafés und Designläden, von Burger-Buden und Bio-Bäckereien. Zum Beispiel gibt es eine Bar die einfach nur „Bar“ heißt, und ein Café, in dem man die komplette Einrichtung kaufen kann. Daneben finden sich überall kleine Manufakturen, Galerien und Goldschmieden.

Auch der Genuss kommt nicht zu kurz, neben zahlreichen Restaurants gibt es auch viele Kneipen und Bars. Hier lässt sich beispielsweise der eigens produzierte Gin aus der Wiegand Manufactur genießen. Ein Klassiker ist der Lyonel Dry Gin, benannt nach dem Bauhausmeister Lyonel Feininger. Besonders schön: Die Entstehungsgeschichte. Ihren ersten Gin haben die Wiegands heimlich nachts in der Küche destilliert – die Kinder sollten nichts mitbekommen. Heute sehen die Zahlen anders aus, es gibt eine Jahresproduktion von beachtlichen fünftausend Flaschen.

Manufactur des Ehepaars Wiegand in Weimar

Natürlich ist Weimar kein Berlin, dafür ist es einfach zu hübsch. Dennoch ist es ganz anders als man sich die Stadt vorstellt. Weimar öffnet die Ohren, die Nase und die Augen, und vielleicht auch sogar die Herzen. Früher oder später bezirzt es jeden, der es besucht. Und selbst das schafft es, ohne sich anstrengen zu müssen, ganz nebenbei, ganz einfach so.

Die ungekürzte Textfassung von Stefan Nink ist im Thüringen Magazin 2017 nachzulesen.

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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