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Von Thüringen nach ganz Europa – Die Ernestiner

Im Frühjahr ging ich durch Weimar und schaute dabei zu, wie zwei Männer auf einem Kranwagen in schwindelerregender Höhe ein neues Plakat zwischen zwei Häuserwänden aufhingen. Darauf zu sehen war Johann-Friedrich I., der für die neue Landesaustellung „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ wirbt. Ich erzählte meinem Freund davon und sofort nahmen wir uns vor, diese Ausstellung zu besuchen.

Reformiert euch!

An einem Sonntag im Mai stiefelten wir ins Weimarer Stadtschloss und organisierten uns ein Kombiticket für alle vier Ausstellungen in den ehemaligen Residenzstädten Weimar und Gotha. Natürlich ist das ein recht hohes Pensum, aber mit unseren Tickets konnten wir uns bis Ende August Zeit lassen. 400 Jahre Geschichte voller Reformation, Protestantismus, kulturellem Engagement und geschickter Heiratspolitik sollte man ja schließlich ausführlich genießen.

Platz nehmen und lächeln!

Zunächst führte unser Weg zu der Ausstellung im Weimarer Stadtschloss. Doch bevor es überhaupt losging, hieß es erst einmal Platz nehmen, denn im Schlosshof befanden sich Nachbildungen des Throns von Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Wir testeten zunächst wie bequem der Herrscher saß. Gar nicht mal so übel!

Thron zur Ernestiner Landesausstellung in Weimar

Bewaffnet mit einem Audio-Guide, begaben wir uns auf die Spuren der Kurfürsten, Herzoge und Könige. Unzählige Exponate warteten auf uns, die allesamt die Themen Reich, Glaube und Wissenschaft lebendig werden ließen.

Weltgeschichte durch Lichtinstallationen erleben

Als wir das Neue Museum in Weimar betraten, hatten wir noch einiges vor uns, da die komplette untere Etage den Ernestinern gewidmet war. Während mein Freund im ersten Raum hängen blieb und alle Museumsstücke zur Reformationszeit genau studierte, zog es mich weiter in den nächsten Raum.

Die Ernestiner Landesausstellung im Neuen Museum in Weimar

In tollen multimedialen Installationen wurde einem sehr anschaulich die Geschichte der Ernestiner und somit wahrhafte Weltgeschichte erklärt. Als Johann Friedrich I., Verfechter der Lutherlehre, den Krieg gegen den katholischen Kaiser Karl V. verlor, musste er seine Kurwürde an seinen Cousin Moritz von Sachsen abgeben. Einst waren sie eine Familie, nun bekriegten sich Ernestiner und Albertiner. Johann-Friedrich I. kam anschließend nach Weimar. Er wollte in seinem neuen Reich ein Ort der freien Wissenschaft schaffen und gründete die Universität in Jena. Auch Ernst dem Frommen lag Bildung und Wohlstand des Volkes am Herzen, weshalb er im 17. Jahrhundert die Schulpflicht einführte. Dies ist jedoch nur ein Verdienst der Dynastie, welcher meiner Meinung nach sehr bemerkenswert ist.

Prächtige Residenzstadt Gotha

Nach der beeindruckenden Ausstellung in Weimar, machten wir uns einige Wochen später auf nach Gotha, um uns dort umzuschauen. Da ich in der Nähe Gothas aufgewachsen bin, ist mir das imposante Schloss Friedenstein aus meiner Kindheit bereits bekannt. Doch mehr als mich an die interessante Tatsache zu erinnern, dass „das Schloss genau so viele Zimmer besitzt, wie das Jahr Tage hat“, ist von damals nicht viel hängen geblieben. Darum freute ich mich umso mehr, mich erneut auf die Spuren meiner Heimat zu begeben.

Schon der Weg vom Bahnhof, vorbei an den prächtigen Villen, der liebevoll gestalteten Orangerie, bis hin zur ehemaligen Residenz, macht einen wahrlich herrschaftlichen Eindruck.

Orangerie in Gotha

Am Schloss Friedenstein angekommen, gerieten wir auf einmal in ein wildes Gewusel. Vor dem Museumsshop sammelte sich eine Reisegruppe, die gespannt auf ihre Führung durchs Schloss wartete. Auch wir haben uns an diesem Tag zu einer Führung verabredet und freuten uns auf die spannenden Geschichten, die dieses ehrwürdige Gebäude birgt.

Schloss Friedenstein in Gotha

Gleich zu Beginn erfuhren wir etwas über das damalige Erbrecht. Der Besitz wurde einst an alle Nachkommen gleichermaßen verteilt, statt es einzig dem Erstgeborenen zu überlassen. Das ist ein sehr fairer Gedanke, doch hat es dazu geführt, dass sich der Besitz immer weiter geteilt und somit verkleinert hat. Dies hatte wiederum zu Folge, dass sich jeder Herrscher durch einen repräsentativen Residenzbau behaupten wollte. Daher findet man auch noch heute, in vielen Orten Thüringens, so viele prächtige Adelshäuser vor .

Gotha adelt ganz Europa

Auf unserer Tour durchquerten wir einen Raum, welcher eine große Tafel mit feinstem Porzellan beherbergte. Wie mondän und pompös das alles aussieht! Doch der Tisch war nicht das Interessanteste im Raum, sondern die am Rande stehende Kommode. Nachdem ich sie mir genauer anschaute, entdeckte ich einen großen Kratzer im Spiegel, der gar kein Kratzer war, sondern eine Nachricht. Es handelte sich dabei um eine Liebesbotschaft an die ehemalige Hausherrin, die in dem guten Möbelstück verewigt wurde. Ganz schön dreist wie ich finde, aber irgendwie auch romantisch.

Tafel zur Ernestiner Landesausstellung in Gotha

Neben der Kommode, birgt das Schloss noch zahlreiche weitere Liebesgeschichten. Eine davon ist die Geschichte der Königin Victoria von Großbritannien. Aber was hat sie eigentlich mit Gotha zu tun? Zum einen stammt ihre Urgroßmutter aus Gotha und zum anderen wurde sie durch ihren Onkel mit ihrem Cousin Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha verkuppelt. Trotz der Einfädelung sagt man ihnen wahre Gefühle nach, was für adelige Ehen ja bekanntlich nicht stets der Fall war. Dies ist nur ein Beispiel, wie damals Hochzeitspolitik betrieben wurde. Mehr dazu erfahrt ihr in der Ausstellung.

Auch viele, der heute in Europa regierenden Adelsleute, entstammen der ernestinischen Dynastie. Dazu zählt unter anderem Fürst Albert von Monaco, der Anfang Juli für royalen Besuch in Gotha sorgte, um sich die Ausstellung seiner Vorfahren anzuschauen.

Theatralische Darstellung

Obwohl das Schloss eine große und fantastische Ausstellung bereit hält und wir schon so viel erfahren haben, wollen wir natürlich sehen, was das Herzogliche Museum, direkt gegenüber des Schlosses, zu bieten hat. Hierfür schnappten wir uns erneut einen Audio-Guide und ließen uns, mit liebevoll eingesprochene Rollenspielen, durch das Museum führen.

Eingang in die Ernestiner Ausstellung im Herzoglichem Museum Gotha

Besonders interessant fand ich den Teil über das Ekhof-Theater, welches sich im benachbarten Schloss befindet. Es ist das älteste barocke Schlosstheater der Welt, mit einer noch funktionstüchtigen Bühnenmaschinerie aus dem 17. Jahrhundert. Das ist ganz schön beeindruckend, nicht nur, weil es vor mehr als 300 Jahren erbaut wurde, sondern auch, weil es im 1. Weltkrieg als Garage für Kriegsfahrzeuge genutzt wurde. Dem Erbauer, Herzog Friedrich I. hätte es bei diesem Gedanken sicher geschaudert.

Bühne des Ekhof-Theaters Gotha

Nach dem Rundgang durch das Museum, war der Tagesausflug auch schon wieder vorbei. Ich konnte durch die Ausstellungen viel dazu lernen und finde es spannend zu erfahren, was wir den Ernestinern zu verdanken haben. Meiner Meinung nach schafft es die Landesausstellung der Ernestiner auf eine interessante und unterhaltsame Weise, Thüringer Weltgeschichte zu vermitteln.

Jetzt seid ihr dran. Welche tollen Geschichten kennt ihr über die Ernestiner? Wie hat euch die Thüringer Landesaustellung gefallen?

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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