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Thüringer Klöße, Kuschelkloß und Kartoffelbefehl

Immer wenn ich Sonntagmittag einen duftenden Thüringer Kloß genieße, muss ich an meine Oma denken, die jeden Samstag stundenlang riesige Eimer voller Kartoffeln schälte, rieb und kochte.

Die heimische Kloßherstellung nahm oft den ganzen Tag in Anspruch. Aber das war es wert, denn so ein selbstgemachter Thüringer Kloß ist immer wieder ein ganz besonderer Genuss.

Zum Glück muss man heute nicht mehr seinen Samstag mit der Kloßherstellung verbringen, denn die echte Thüringer Kloßmasse, gibt es schon küchenfertig von der Thüringer Kloßmanufaktur Heichelheim. Das kleinen Örtchen Heichelheim liegt nur wenige Kilometer vom malerischen Weimar entfernt, am Fuße des Ettersberges. Im Jahr 1976 wurde dort die erste Kartoffel-Kloßmasse für Privathaushalte hergestellt. Seit 2015 wandern ausschließlich Kartoffeln von Bauern aus der Region in den original Thüringer Kloßteig, auf dessen Verpackung sogar der Name des jeweiligen Bauern, die Kartoffelsorte und der Standort des Feldes vermerkt ist. Die Zubereitung erfolgt streng nach einem alten überlieferten Thüringer Rezept, an dem man sich sogar selbst bei einem Kloßkochkurs im ehemaligen Kartoffellager der Manufaktur ausprobieren kann.

Die Zubereitung echter Thüringer Klöße

Die traditionelle Zubereitung ist gar nicht so einfach und erfordert neben Ausdauer auch jede Menge Kraft. Denn zunächst müssen viele Kartoffeln geschält, gerieben und ausgepresst werden. Für vier Personen ist das immerhin ein ganzes Kilo.

Weitere 500g Kartoffeln können dann aber bequem zu Brei gekocht und anschließend mit der roh ausgepressten Masse vermischt werden. Erst dann werden daraus Klöße geformt, die für den Thüringer nicht zu knapp mit gerösteten Weißbrotwürfeln gefüllt und anschließend für 20 Minuten in Salzwasser gegart werden. Fertig ist der typische Thüringer Kloß, der immerhin schon seit 200 Jahren das Nationalgericht der Thüringer ist. Die schweren Thüringer Lehm- und Lößböden und die geringen Niederschlagsmengen, bieten die besten Voraussetzungen für den Anbau der mehligkochenden und stärkehaltigen Kartoffeln, die perfekt für die Zubereitung der Thüringer Klöße sind.

Die Kartoffel und ihre Herkunft

Ursprünglich stammt die Kartoffel jedoch aus Peru und Bolivien, wo sie von den Spaniern im Jahr 1532 entdeckt wurde. Doch anfangs war sie gar nicht so beliebt, da Testesser die überirdischen Früchte der Pflanze aßen und ihnen davon übel wurde. Sogar als „Teufelszeug“ wurde sie von einigen Kirchenmännern verdammt, da sie nicht in der Bibel vorkommt. Die hübsche Blüte der Kartoffel fand man damals oft in Vasen oder als Dekoration, bis man etwa um 1600 herausfand, welche Teile und wie man die Kartoffel richtig verwendet. Im siebenjährigen Krieg, ab 1756 wurde sie zum Grundnahrungsmittel in Deutschland und ihr Anbau wurde zur Pflicht. Friedrich der II erließ dazu sogar Kartoffelbefehle.

Die Kartoffel ist nicht nur eine stärkende Beilage und Grundzutat im Thüringer Kloß, sondern sie enthält auch viele Nährstoffe und Spurenelemente. So ist sie reich an Vitamin A, B1, B2, B6, C, E und K und gilt zum Beispiel als Heilmittel bei Kreislauferkrankungen, Wasseransammlungen und Krämpfen. Sogar der Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe wusste die Wirkung der Kartoffel zu schätzen und schrieb: „Morgens und mittags gestampft, abends in Scheiben. Dabei soll’s bleiben: Es ist gesund.“

Die Kloßmanufaktur und das Kloßmuseum

Über 11 Tausend Tonnen Kartoffeln werden allein in Heichelheim bei der ABLIG Feinkost GmbH verarbeitet. Es wird dort daraus nicht nur die Thüringer Kartoffel-Kloßmasse
hergestellt, sondern auch Meerrettichklöße, Thüringer Sonntagsklöße, Grüne Klöße, Kartoffelpuffer und vieles mehr. Die Kloßmanufaktur ist wirklich einen Ausflug wert. Es gibt dort auch ein Kloßmuseum mit vielen spannenden Geschichten rund um das Thüringer Nationalgericht, einen begehbaren Kloß, ein Kloßmobile, eine liebevoll gestalteten Kinderkloßwelt, eine Autoausstellung, einen Werksverkauf und natürlich ein Restaurant, in dem man leckere Gerichte mit Thüringer Klößen genießen kann. Die Thüringer lieben ihren Kloß sogar so sehr, so dass es auch eine plüschige Kuschelvariante von ihm gibt – den Kuschelkloß!

Ein Ausflug in’s benachbarte Weimar

Wenn einem nach soviel Kloß noch nach etwas Süßem ist, lohnt sich ein Ausflug zum idyllisch gelegenen Schloss Ettersburg, nur wenige Kilometer entfernt, oder in das benachbarte Weimar. Dort gibt es in den kleinen Gassen wunderhübsche und liebevoll geführte Cafés mit hausgemachten Kuchen, wie zum Beispiel im Frauentor im Zentrum, in der Brotklappe oder bei Koriat an der katholischen Kirche. Zu Fuß ist es dann nur noch ein Katzensprung in den wunderschönen grünen Park an der Ilm, der im 18. Jahrhundert mit der Beteiligung von Goethe, inspiriert von seinen Reisen, errichtet und seitdem kaum verändert wurde.

Flaniert man die 1,6 km vorbei an Goethes Gartenhaus, dem Römischen Haus, entlang der Ilm, die sich malerisch durch die Wiesen schlängelt, ergeben sich einem immer wieder neue und wunderbare Sichtachsen. Wie gern sitze ich auf einer Bank und genieße den Blick, die Ruhe und die Idylle. Ich schaue auf Goethes Gartenhaus und da fällt mir doch gleich wieder sein Kartoffelreim und ein leckeres Rezept aus Thüringer Kloßteig ein.

Kartoffelwaffeln aus Thüringer Kloßteig

Zutaten:

1 Päckchen Thüringer Kartoffel-Kloßteig
4 Eier
100g griechischer Jogurt oder Schlagsahne
Prise Zucker
kleine Prise Salz
Öl für das Waffeleisen
Zwiebeln nach Geschmack

Für die süße Beilage:

4 große Äpfel
Zimt
Zucker oder Rohrzucker
etwas Wasser

Für die herzhafte Beilage:

Lachs in Scheiben
Schnittlauch oder Kresse
Frischkäse

Zubereitung:

Für die süße Beilage: Äpfel schälen, entkernen und in kleine Stücke schneiden. Einen kleinen Topf mit etwa 2 cm Wasser füllen, Äpfel, Zimt und Zucker dazugeben und köcheln lassen, bis die Äpfel zerfallen. Zu Mus zerdrücken und zum Abkühlen beiseite stellen. Alternativ kann man natürlich auch Apfelmus aus dem Glas nehmen.

Thüringer Kloßteig mit Jogurt, Eiern, Salz, Zucker und nach Geschmack mit kleingehackten Zwiebeln mit dem Handrührgerät verquirlen. Das Waffeleisen vorheizen, die Masse in die Mitte geben und zu goldgelben Waffeln ausbacken.

Entweder Apfelmus darauf geben oder für die herzhafte Variante die Waffeln mit Frischkäse bestreichen, Lachs und Schnittlauch darüber geben.

Guten Appetit!

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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