Beitrag
Routen
zur startseite

Stadt, Land, Luther – Auf dem Lutherweg von Erfurt nach Gotha

Endlich Urlaub! Endlich Zeit für Traumlandschaften, Entspannung und kulinarische Genüsse! Das alles liegt manchmal näher als man denkt. Zum Beispiel in Thüringen. Das unterschätzte Bundesland hat viel mehr zu bieten, als manch einer vermuten mag. Neben bezaubernden Mittelalterstädtchen und einer abwechslungsreicher Szenerie, ist das Lutherland Thüringen besonders im Reformationsjahr 2017 auch von historischer Bedeutung. In drei Tagen bin ich mit meiner Freundin Hanna von Erfurt nach Gotha auf dem Lutherweg gewandert und konnte mich so selbst von den Urlaubsqualitäten Thüringens überzeugen.

Erfurt und das grüne Herz Deutschlands

Unsere Reise startet in Erfurt. Und was für ein freudiger Start! Die Stadt empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein und setzt so die ganze Schönheit ihrer mittelalterlichen Architektur in Szene. Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser und über allem thront die beeindruckende Kulisse von St. Marien Dom und Severi Kirche!

Erfurter Start des Lutherwegs am Mariendom und der Severikirche

Hierher also, in die Mitte des Landes, verschlägt es Luther als jungen Studenten. Und hier in Erfurt ist es auch, wo sein Leben die entscheidende Wendung findet, vom Jurastudenten zum Augustinermönch. Mehr als 500 Jahre später wandeln wir jetzt auf Luthers Spuren durch die historische Altstadt. Durch Prachtstraßen und kleine Gassen, vorbei am Flüsschen Gera, über die berühmte Krämerbrücke, bis hin zu den historischen Wirkungsstätten Luthers: der Barfüßerkirche, Predigerkirche und natürlich dem Augustinerkloster. In der Klosteranlage mit ihrem stimmungsvollem Kreuzgang lebte Luther mehrere Jahre als Novize und las 1507 schließlich in der angrenzenden Kirche seine erste Messe. Vor uns liegen heute noch 11 Kilometer Fußmarsch auf dem Lutherweg, vorbei an Sehenswürdigkeiten und bedeutenden Stätten der Reformation. Dafür brauchen wir erst einmal eine Stärkung! Bei Faust Food brutzeln neben der obligatorischen Thüringer Rostbratwurst auch allerlei Leckereien für vegetarische Besucher auf dem indoor Holzkohlengrill. Pappsatt verlassen wir Erfurt und folgen den weißen Schildern mit dem grünen L für Lutherweg. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und unser steter Begleiter, die praktischen App „Luther to go“, weist uns dank GPS ganz unkompliziert den Weg. Neben interessanten Informationen zu den einzelnen Reformationsstätten hält die App auch Tipps für Unterkünfte und Restaurants bereit.

Luther to Go App

Nach zwei Stunden Marsch ist die Sonne dann auf ihrem Höchststand. 30 Grad, kein Schatten weit und breit und eine Pause wäre jetzt sehr willkommen. Tatsächlich empfangen uns in Bischleben Maria und Matthias vom Café Bachstelze in ihrem bunten Paradies. Maria Groß hat sich mit ihren ausgefallenen Kreationen einen Stern und zahlreiche Fernseh-Engagements erkocht und sich schließlich mit der Bachstelze ihr eigenes kleines Reich geschaffen. Mit so viel Liebe, Detailtreue und Natürlichkeit, dass man sich hier nur wohl fühlen kann. Nach einer kleinen Erfrischung geht es für uns weiter auf dem Lutherweg. Am Wegesrand wiegen sich Kornfelder im Wind, Bienen summen auf bunten Wiesen und nur selten überholt uns der ein oder andere Fahrradfahrer. Nur wenige Kilometer weiter erwartet uns schon das nächste Highlight: das kleine Schloss Molsdorf beeindruckt mit seiner barocken Stuckfassade und der weitläufigen Parkanlage. Früher diente es den Grafen Gotter als Lustschloss, heute beherbergt es ein Restaurant und in den wohl ebenso eindrucksvollen Innenräumen finden Führungen statt. Leider kommen wir dafür zu spät, aber genießen dennoch die abendliche Sonne mit Blick auf das hübsche Kleinod.

Schloss Molsdorf auf dem Lutherweg

Von der Bachstadt Arnstadt zum endlosen Horizont

Nur wenige Menschen hat der kleine Flohmarkt auf den Arnstädter Marktplatz gelockt, wo auch unsere kurze Stadtführung beginnt. Gästeführer Herr Bötefür informiert uns über den bekanntesten Bewohner der kleinen Stadt, Johann Sebastian Bach, der 1701 in Arnstadt seine erste Stelle als junger Organist angetreten hat. Lässig lümmelt er jetzt in Skulpturenform am Marktplatz, die rechte Hand erhoben, die Beine weit von sich gestreckt, als warte er auf seinen Einsatz an den Klaviertasten.

Johann Sebastian Bach in Arnstadt

Die nach ihm benannte Bachkirche imponiert auch heute noch mit der Wender-Orgel, die der nur 18-jährige Johann vor mehr als 300 Jahren das erste mal gespielt hat. Auch Martin Luther weilte kurzzeitig in Arnstadt um das dortige Franziskanerkloster und die Oberkirche zu besuchen, die heute aufwendig und kostspielig saniert wird. Skulpturen und Malereien sind durch dicke Planen vor Staub geschützt, der Boden ist teilweise offen, hohe Gerüste stehen an den Wänden. Auch heute noch werden hier neue Entdeckungen gemacht, wie eine Grabsteinplatte, die wohl möglich aus der 200 km entfernten Werkstadt Tilman Riemenschneiders stammt. Sollte der Würzburger Holzbildhauer durch diese Platte auch mit Arbeiten aus Stein in Zusammenhang gebracht werden können, steht die Oberkirche in Arnstadt vor einer kleinen Sensation. Beeindruckt begeben wir uns wieder auf unsere Wanderung. Etwa 12 Kilometer führt uns einer der wohl schönsten Abschnitte des Lutherweges mal steinig, mal sandig durch die traumhafte Thüringer Landschaft.

Viel Grün auf dem Lutherweg

Auch an unserem zweiten Tag ist Petrus uns wohlgesonnen. Die Sonne begleitet uns auf unserer Reise, taucht die Felder, Wiesen und Wälder in strahlendes Licht. Am Wegesrand beäugen uns Pferde, Kühe und sogar die ein oder andere neugierige Maus. Wir versuchen Schritt zu halten mit Luther, die zahlreichen idyllischen Fotomotive halten uns aber immer wieder auf, so dass wir erst nach Mittag Holzhausen erreichen, wo wir im ersten deutschen Bratwurstmuseum einkehren. Hier dreht sich – wer hätte es gedacht – alles um die Wurst. Das Museum zeigt neben historischen Dokumenten wie der ältesten Bratwurstrechnung der Welt, vor allem Kuriositäten rund um die Wurst, und um die Thüringer Rostbratwurst im speziellen. Im riesigen Außenbereich, der sogenannten „Bratwurstwörld“ lässt sich dann bei einem kühlen Bier eine solche genießen und dabei allerlei entdecken: Bratwurstschaukel, Bratwurstbaum, Bratwursttelefon, Bratwursttheater, sogar eine riesige begehbare Bratwurst kann man hier besichtigen.

Thüringer Bratwurst

Amüsiert und gestärkt geht es weiter Richtung Mühlburg. Diese Etappe des Lutherweges erweist sich als besonders abwechslungsreich, mal geht es bergauf, mal bergab, durch breite Alleen, über grüne Wiesen, schmale Pfade und durch schattenspendende Wälder. Die Mühlburg ist eine der „drei Gleichen“, eine von drei mittelalterlichen Burgen, die über dem malerischen Thüringer Becken thronen. Während die Veste Wachsenburg als Restaurant und Hotel dient, sind von der Burg Gleichen und der Mühlburg nur noch Ruinen übrig. Aber sie sind trotzdem einen Besuch wert! Denn nachdem wir den kleinen Turm der Mühlburg erklommen haben, öffnet sich vor uns die Landschaft zu einem traumhaften Blick in die Ferne, mit einem Gefühl von Weite und Freiheit, das jedem Großstädter das Herz aufgehen lässt.

Barocker Chic im Reformationsort Gotha

Den letzten Tag unserer Thüringen-Reise verbringen wir im beschaulichen Gotha. Die Residenzstadt überrascht mit barocker Schönheit, gemütlichem Flair und köstlichem Essen. Auf einem kleinen Hügel liegt das Schloss Friedenstein und überblickt die historische Altstadt. Im Schlossmuseum erhält man einen Einblick in die imposanten Wohnräume der einstigen Bewohner, sowie in deren antiken Kunstschatz.

Schloss Friedenstein

Auch ein kleines Theater beherbergt das Schloss Friedenstein. Das Eckhof-Theater gilt als ältestes Barocktheater der Welt und auch heute werden hier Kulisse und Bühnenmaschine noch komplett mechanisch betrieben. Jedes Jahr im Juli und August findet hier ein Theater-Festival statt und verzaubert in wenigen, schnell ausverkauften Vorstellungen Besucher aus aller Welt. Auch Luther, der stetig Reisende, war immer wieder Gast in Gotha. In der kleinen Augustinerkirche hielt er mehrfach Predigten und weilte zeitweise im angrenzenden Kloster, schlenderte sicherlich das ein oder andere Mal durch den idyllischen Kreuzgang, so wie auch wir heute. Bei einem seiner Aufenthalte im Jahr 1537 machte Luther sein Nierenleiden so zu schaffen, dass er fürchtete, sterben zu müssen. Deswegen verfasste er hier sein erstes Testament und verfügte, dass er in Gotha begraben werden solle. Zum Glück jedoch wurde er schnell wieder gesund und konnte die Stadt wohlauf verlassen. Auch für uns heißt es schließlich nach drei ereignisreichen Tagen Abschied nehmen vom überraschend schönen Gotha, Abschied nehmen vom Reformationsland Thüringen und seinem wohl berühmtesten Bewohner Martin Luther.

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

Logo des Freistaats Thüringen
Logo der EFRE
Logo der EU

Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

Logo der EFRE
Logo der EU
#deinThüringen