Beitrag
Routen
zur startseite

Feinschmecker aufgepasst – Schmecktouren in Altenburg

Altenburg und Skat – diese Verbindung fällt leicht. Auch vom Schloss, imposanten Persönlichkeiten, die hier lebten und der interessanten Stadtgeschichte hat man bereits etwas gehört. Aber was wartet noch auf uns in dieser mehr als 1000 Jahre alten Residenzstadt im Osten Thüringens?

Für mich ist es der erste Besuch und daher freue ich mich umso mehr, Altenburg und seine verborgenen Schätze näher kennen zulernen. Begleitet mich auf meinem Abenteuer und erlebt mit mir meinen ersten Ausflug in die Stadt, die noch viel mehr als Skat zu bieten hat. Lasst uns gemeinsam zu einer genussvollen Erkundung aufbrechen.

Der Treffpunkt für unser heutiges Vorhaben befindet sich an der Altenburger Tourismus GmbH. Gemeinsam mit zehn Partnern wurde hier ein dreistündiges Erlebnis geschaffen, in deren Mittelpunkt kulinarische Produkte der Stadt sowie die Geschichte der herstellenden und verkaufenden Menschen stehen. Diese sogenannten Schmecktouren können in verschiedenen Variationen erlebt werden: mittags rund um den Markt, nachmittags mit süßen Verführungen, abends mit einer After-Work Tour. Das Besondere: Während der Touren lernt man nicht nur leckere Speisen, sondern auch Altenburg selbst kennen.

Hier werden wir herzlich von Susann Wilhelm und Jessica Paeschke empfangen. Mit uns sind noch ein paar andere Tester unterwegs.

Gruppe-Altenburg

Zu Beginn bekommen wir erstmal ein paar Infos, während wir die Sonne genießen: die Schmecktouren gibt es seit diesem Monat. Die Idee, Stadttouren mit kulinarischen Stopps zu verbinden stammt ursprünglich aus den USA – aber auch hier in Altenburg wird dieses Konzept nun in wunderschöner Art und Weise umgesetzt

Ich nehme heute an der „Schmecktour der süßen Verführungen“ – auch kurz „süße Tour“ genannt – teil. Genau richtig für eine Naschkatze wie mich. Wir laufen los und gelangen an die Via Imperii, eine sehr alte Fernhandelsstraße, die von Stettin bis Rom führte. Die geschichtliche Vergangenheit dieser Stadt ist spürbar. Die Sonne lacht, wir haben perfektes Wetter erwischt – und schon gelangen wir an unseren ersten Stopp.

Chocolaterie Heike Bicking

Wie könnte diese süße Tour schöner beginnen als mit Schokolade? Das Motto der Chocolaterie lautet „Genießen und glücklich sein“ – sehr vielversprechend!

Wir werden freundlich von Heike Bicking, der Geschäftsführerin, begrüßt. In ihrem Laden gibt es viele Thüringer Produkte – aber auch Internationales wird angeboten. Und schon gibt es die erste Leckerei: „Lakrids“ aus Kopenhagen. Solltet ihr – so wie ich – noch nie richtige Lakritz (mit echter Süßholzwurzel) probiert haben, dann ist hier die Chance gekommen, das zu ändern. Ob pur, mit Schokolade überzogen, mit Frucht, Karamell oder Kaffee – sucht euch einfach aus, was euch am meisten anlacht. Wusstet ihr, dass Lakritz auch oftmals als Gewürz und sogar in Cocktails verwendet wird?

Unsere Gruppe ist zunächst noch verhalten. Eine Dame antwortet auf die Frage, ob sie etwas probieren möchte: „Ich warte erstmal die Reaktionen der anderen ab“ und bringt uns damit alle zum Lachen!

Und dann bekommen wir auch schon die nächste Leckerei:

Schoki-Altenburg

Mit dabei ist beispielsweise Schokolade von Goldhelm aus Erfurt. Was mir besonders gut gefällt: Es handelt sich hier um Bio-Schoki, es werden ausschließlich natürliche Zutaten – also keine Zusatzstoffe – verwendet! Außerdem wird sichergestellt, dass die Anbaubedingungen fair bleiben, es gibt keine Kinderarbeit auf den Anbauplantagen. Mit einer solchen hochwertigen Herstellung und dem umwerfenden Geschmack der Schokolade werde ich sofort zum Fan! Wir lernen außerdem wie man eine Praline füllt und wie ganz besonders edle Thüringer Schokolade in Handarbeit hergestellt wird.

Wenn auch ihr Schokoladenfans seid, stattet diesem liebevoll geführten Laden unbedingt einen Besuch ab. Süße Verführung garantiert! Hier findet ihr die Chocolaterie: Baderei 3. Telefon: 03447 / 4367. Online könnt ihr hier vorbeischauen!

Delikaterie Altenburg

Unser zweiter Stopp befindet sich direkt gegenüber. Frau Schenk empfängt uns liebevoll in der Delikaterie Altenburg, häufig einfach „Destille“ genannt.

Schmecktouren Altenburg

Sie berichtet leidenschaftlich über die vielen – zum Teil preisgekrönten – Spirituosen & Co. Außerdem kann sie jede Frage umfangreich beantworten und erzählt uns einige Geschichten rund um die Produkte. Das Gebäude, in dem wir uns befinden, ist beispielsweise ein ehemaliges Schlachthaus und strahlt daher durch das Gewölbe eine angenehme Kühle aus.

Es gibt viele verschiedene Leckereien zu entdecken. Wie auch in der Chocolaterie gibt es eine Menge internationale Produkte (Übersee Rum oder schottischen Whisky), aber auch eine beeindruckende Anzahl an einheimischen Erzeugnissen. Beispielsweise findet man hier einen Likör namens „ Altenburger Schwarzgebrannter“. Der Legende nach wollte Johann Schwarz im Jahr 1832 ein Elixier herstellen. Was folgte, war eine große Explosion und die Entstehung eines Kräuterliqueurs, der aus 47 verschiedenen Kräutern besteht.

Ob Grappa, Liköre, Whisky, Absinth oder auch alkoholfreie Alternativen – hier wird jeder fündig. Für Diabetiker gibt es beispielsweise einen Kräuterlikör, den „Ternet Mafiosi“. Hier könnt ihr auch zu Whiskytastings oder kleineren Verkostungen kommen. Und natürlich dürft ihr auch mal probieren, wenn ihr euch unsicher seid, ob der Likör oder Schnaps nach eurem Geschmack ist! Beim Umschauen fällt mir sofort der Absinthkuchen in der Dose in’s Auge. Damit könnt ihr Freunde oder eure Familie überraschen. Auch perfekt für unterwegs und nicht so alkohollastig, wie man zuerst vermuten würde.

Nachdem wir einen guten Einblick erhalten haben, kosten wir eine Kugel Eis mit Likör – sehr lecker und erfrischend. Nun sind wir bereit, unsere Tour fortzuführen.

Ihr findet die Destillerie hier: An der Baderei 11 oder online.  Sie ist ein Unternehmen der Altenburger Gruppe „Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik GmbH“, die wiederum am Anger 1-2 zu finden ist.

Wir verbinden den Weg zur nächsten Station mit einem Spaziergang. Unterwegs erfahren wir, dass Altenburg über 6 (!) Märkte verfügt. Erstaunt über diese hohe Anzahl frage ich nach. Es gibt den Korn-, Weiber-, Ross-, Topf-, Handels- und den Lästerermarkt. 2x im Jahr findet sogar ein großer Bauernmarkt statt, mehr Infos dazu findet ihr hier.

Zwischen den Gesprächen, dem Sonnenschein und den bezaubernden Gassen versunken, erreichen wir unsere nächste Station viel schneller als gedacht.

Bäckerei Strobel

Romy Strobel öffnet uns die Tür und geleitet uns – immer  dem Geruch nach –  in die Backstube. Sie sagt aufgrund ihrer Bescheidenheit nichts darüber, aber später erfahre ich, dass sie im Jahr 2017 Unternehmerin des Jahres im Altenburger Land wurde.

Frau Strobel erzählt fröhlich, offen und redselig – eine typische Altenburgerin eben. Um 3 Uhr morgens wird hier mit den Kuchen begonnen, ca. 10 Bleche werden gebacken. Um 4 Uhr morgens werden dann die Brötchen vorbereitet – durchschnittlich 1500 pro Tag. Und das mit Erfolg – im nächsten Jahr feiert die Bäckerei ihr 100-jähriges Jubiläum. Wie schafft man diesen Alltag? Romy Ströbel sagt: „Naja, wir machen auch mal Quatsch!“ Diese Aussage ist mehr als sympathisch.

Schmecktouren Altenburg

Zum Kosten bekommen wir den bekannten „Aufläufer“ sowie andere kleine Kuchenstückchen. Gespannt und den Mund voller Krümel lausche ich den Geschichten über die Thüringer Backkultur. Der Aufläufer hat nach Originalrezept folgende Zutaten: Eier, Mehl, Zucker, Altenburger Klarer, Butter, Puderzucker. Das Ganze schlägt dann beim Backen auf und wird im Anschluss gebuttert und gepudert. Ich erfahre, dass die tiefen Stellen besonders beliebt sind, da sich hier die meiste Butter befindet…

Ein besonders schöner Brauch: Bei einer Bauernhochzeit wird von der Brautmutter ein Aufläufer (oder auch Huckelkuchen genannt) auf das Bett gelegt. Die Umstehenden zerschlagen den Kuchen dann mit der Faust und sprechen die Worte „So viel Stückgen, so viel Püpgen.“ Übersetzt: Die Anzahl der entstandenen Stücke entspricht der Anzahl der Kinder, die aus der Ehe entstehen werden. Ist das nicht süß?!

Die Backerei findet ihr am Markt 35, Telefon: 03447 311836, weitere Informationen findet ihr auf der Website.

Nachdem wir uns mit dem Kuchen versorgt haben, laufen wir fröhlich gestimmt weiter. Wir gehen gemütlich über den Markt, bis hin zu einem Punkt, an dem man einen guten Blick auf das Wahrzeichen der Stadt hat: Die roten Spitzen. Wunderschön! Wir wandern weiter und schon sind wir an einem besonders historischen Ort angelangt.

Konditorei und Kaffeehaus Volkstädt

Wir werden von Kay Melwitz empfangen, dem Besitzer des ältesten Kaffeehauses Altenburgs. Seit 1878 kann man hier gemütlich Kaffeekranz halten, Freunde und Familie treffen oder einfach mal dem Alltag entfliehen. Es handelt sich bei dem Haus um eine reine Konditorei, Brot oder Brötchen sucht man hier vergebens. Aber wir sind ja schließlich wegen der süßen Speisen gekommen. Auch hier lerne ich wieder dazu: Der Begriff „konditorn“ steht für das Erlebnis des Konditoreibesuches und ist demzufolge eine traditionelle Bezeichnung. Sofort fühle ich mich wie eine junge Dame, die sich mit ihrer Mädelsgruppe zum Tratschen bei Kaffee & Kuchen trifft. Herrlich!

100 Plätze gibt es im Nichtraucherbereich. Der separate Raucherbereich hingegen kann auch als Konferenzraum genutzt werden – hier werden Arbeit und Genuss vereint.

Baisee-Altenburg

Wir genießen einen Kaffee Crema und ein Eis-/Baisertörtchen. Sehr lecker, sehr süß. Es gibt bereits über 50 Torten, die in Handarbeit hergestellt werden. Ab und zu entsteht eine neue Eigenkreation, beispielsweise eine Prosecco-Schaumtorte, die sehr vielversprechend klingt.

Schaut vorbei in dem traditionsreichen, 140-jährigen Kaffeehaus und erlebt selbst den Geist der Zeit. Ihr findet die Konditorei in der Burgstraße 13, Telefon: 03447 311318. Online gibt es hier weitere Informationen.

Historischer Friseursalon Altenburg

Anschließend besuchen wir einen historischen Friseursalon, der im Jahr 2001 wiedereröffnet wurde. Hier könnt ihr euch original erhaltene Gerätschaften anschauen und staunen. Das Flair der 1920er-Jahre ist deutlich spürbar – ich fühle mich sofort in diese Zeit zurückversetzt.

Einige Haarverschönerer stehen ganz unter dem Zeichen „Wer schön sein will, muss leiden“ und erinnern deutlich an Folterinstrumente:

Schmecktouren Altenburg

Wenn ihr euch für einen Besuch im Friseursalon interessiert, wendet euch an den Förderverein „Historisches Frieseurhaus Altenburg e. V.“ in der Pauritzer Straße 2.  Es gibt Führungen für angemeldete Besucher nach Vereinbarung. Telefon: 0151 40368761 oder unter info@historischer-friseursalon.de.

Restaurant Damaskus

Zum Abschluss gehen wir zu meinem absoluten Favoriten dieser Schmecktour, dem Restaurant Damaskus.

Hier arbeitet Herr Risik Jakob. Seine Familie und er sind seit 2004 in Deutschland und verfolgen eine tolle Mission: Den Altenburgern syrisches Essen an’s Herz zu legen. Wie könnte man auch dem leckeren Essen und dem Charme der Angestellten widerstehen?

Schmecktouren Altenburg

Wir probieren Baklava und ein kleines Glas Schwarztee, der dem Körper an einem warmen Tag wie diesen besonders gut tut. Ich liebe syrisches Essen. Was ich besonders daran schätze, dass es sehr leckere und besondere vegetarische Optionen gibt. Aber auch Fleischesser kommen unter dem Motto „Der wahre Geschmack des Orients“ voll und ganz auf ihre Kosten. Mehr als 60 verschiedene Gerichte gibt es hier zur Auswahl. Unter anderem Hähnchen, Falafel, Salate und jede Menge verschiedener Hummus-Speisen. Wer gerne etwas Zuhause nachkochen möchte, kann das Kochbuch „Ein Hauch von Syrien“ hier erwerben, welches Rezepte von der Mutter des Wirtes enthält.

Es gefällt mir so gut, dass wir nach der Tour noch einmal zurückgehen und etwas Größeres essen. Ich gönne mir ein leckeres Falafel-Sandwich und schließe diese schöne Tour mit vollem Magen, aber sehr glücklich, ab.

Der Laden hat jeden Tag von 11.00 bis 21.00 Uhr geöffnet und befindet sich in der Sporenstraße 15. Telefonisch erreichbar unter: 03447 500355. Online findet ihr das Restaurant hier.

Alle Infos auf einen Blick

Die süße Tour ist jederzeit buchbar und immer auf den 3. Donnerstag im Monat terminiert.

Außerdem gibt es noch weitere Schmecktouren zu entdecken: Die „Wochenmarkt Schmecktour“ findet in der Regel am 1. Samstag im Monat von 11.00 – 14.00 Uhr statt. Die „After-Work Schmecktour“ könnt ihr grundsätzlich jeden 2. Freitag im Monat zwischen 17.00 – 20.00 Uhr erleben. Bitte informiert euch hier bei Interesse genauer, da es sein kann, dass sich durch Veranstaltungen oder Feiertage der Termin um eine Woche verschiebt. Schaut dazu am besten hier nach.

Das Besondere: Ihr könnt auch individuelle Touren außerhalb dieser Zeiten nach Absprache buchen. Bei Gruppen ab 10 Personen könnt ihr euch online einen Termin sichern.

Weitere kulinarische Stadtführungen gibt es beispielsweise in Erfurt: Eat the world. Diese Tour ist in vielen Städten vertreten. Schaut einfach mal rein. 😉

Ich wünsche euch viel Spaß in Altenburg und hoffe, dass ihr viele Leckereien entdeckt.

 

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

Logo des Freistaats Thüringen
Logo der EFRE
Logo der EU

Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

Logo der EFRE
Logo der EU
#deinThüringen