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Schloss Wilhelmsburg – über den Dächern Schmalkaldens

Auf eines muss man sich gefasst machen: Es sind etliche Superlativen, die einem im Schloss Wilhelmsburg begegnen. Und sie alle haben ihre Berechtigung! Das Schloss gilt als eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser Deutschlands. Warum? Weil es im Gegensatz zu anderen Prunkanlagen aus jener Zeit baulich kaum Veränderungen gab. Hinzu kommen unglaublich gut erhaltene Wandmalereien und prächtige Stuckarbeiten. Benannt ist es nach seinem Erbauer, Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. Nach meinem Besuch muss ich feststellen: Dieses Schloss ist definitiv ein Must-have auf der Liste mit Ausflugszielen, die man im Thüringer Wald gesehen haben muss. Wo sonst gibt es einen von Riesen bewachten Saal, Vogelgezwitscher aus einer Orgel und eine Terrassenanlage, die Lust-, Kräuter-, Küchen- und Baumgarten zugleich ist?

Schloss Wilhelmsburg Innenhof

Ein Schmuckstück aus mittelalterlichem Fachwerk

Es ist Samstag. Ich schlendere durch die ruhigen Gassen und verträumten Plätze der Stadt Schmalkalden in Richtung Schloss Wilhelmsburg. Dabei reiht sich Fachwerkhaus an Fachwerkhaus, eines schöner als das andere. Am Lutherplatz bleibe ich kurz stehen und werfe einen Blick aufs – genau, Lutherhaus. Da war doch was: Die Gründung des Schmalkaldischen Bundes und Luthers Schmalkaldische Artikel! Was muss damals losgewesen sein, als die kleine Stadt im Thüringer Wald im Mittelpunkt europäischer Politik stand. Ich gehe weiter und lese auf einem der touristischen Schilder zum Schloss: „Juwel unter den Renaissanceschlössern Deutschlands“. Was für ein Versprechen! Davon möchte ich mich persönlich überzeugen. Nun gut, dann mal hinauf zum Berg.

Wahnsinnsausblicke und Schlossgefühle

Genau so stelle ich mir ein Schloss vor. Das schmiedeeiserne Tor zwischen roten Sandsteinportalen steht weit geöffnet. Dahinter: ein imposanter Prachtbau, große Parkanlagen und herrschaftliche Nebengebäude. Ich trete ein und sofort zieht es mich zur Balustrade am Exerzierplatz – welch traumhafte Sicht über die roten Ziegeldächer Schmalkaldens. Diesen Blick dürft ihr euch keinesfalls entgehen lassen!

Blick aus dem Innenportal heraus, Schloss Wilhelmsburg

Blick aus dem Innenportal heraus

Weiter gehts durch ein monumentales Portal in den Schlosshof. Der Weg ins Museum führt über eine spiralförmige Wendeltreppe hinauf. Die Steinstufen sind schon mächtig ausgetreten und ich frage mich, wer hier wohl alles hinauf und hinab gestiegen sein mag. Mit einem Übersichtsplan in der Hand gehts los und ich wandle durch den ersten Raum der oberen Etage. Überall an den Wänden kunstvolle Malereien, auch in den Räumen danach bestaune ich die Innenraumdekorationen.

Schloss Wilhelmsburg Museumsraum zum Zeitalter Renaissance

Und die uralten knarzenden Dielen unter meinen Füßen. Ich lese spannende Fakten über das Zeitalter der Renaissance und über die Beschlüsse des Schmalkalder Bundes. In den Vitrinen befinden sich wertvolle Bücher mit geprägten Ledereinbänden aus dem 16. Jahrhundert. Ein interessantes Faksimile weckt meine Neugierde und ich mache mich mit Luthers Handschrift vertraut. Es sind seine Notizen, gedacht für die Erwiderungsrede auf dem Reichstag zu Worms 1521. Übrigens: In diesem Jahr wurde eine Dauerausstellung eingeweiht – mit begehbarem Stadtmodell und der Herzogin Elisabeth von Rochlitz, die virtuell durch die 450 m² große Ausstellung „Der Schmalkaldische Bund – politischer Arm der Reformation“ führt.

Orgel mit Vogelschrey

Festlich, festlich. Die Schlosskapelle ist prunkvoll ausgestattet! Und ich erfahre, dass die Innenarchitektur wegweisend für die Entwicklung des evangelischen Kirchenbaus war. Erstmals befanden sich Taufbecken, Kanzel und Orgel in einer Achse übereinander angeordnet und damit im Blickfeld der Gemeinde. Apropos Orgel: Die Königin der Instrumente ist in zweierlei Hinsicht eine echte Rarität. Sie ist eine der ältesten noch bespielbaren Orgeln dieser Art in Mitteleuropa. Und sie besitzt ein hölzernes Pfeifenwerk aus insgesamt 252 Holzpfeifen, 6 Registern und einem „Vogelschrey“. Bei Letzterem handelt es sich um ein imitiertes Vogelzwitschern, inspiriert durch Gesänge der Nachtigall. Die ersten Orgeltöne erklangen 1590 zur festlichen Einweihung der Schlosskapelle – heute erklingen sie noch immer, zu den öffentlichen Konzerten beispielsweise.

Riesensaal

Hier kommt man aus dem Staunen so schnell nicht raus. Unter Umständen droht sogar Genickstarre vom Betrachten der aufwendig bemalten Kassettendecke.

Riesensaal im Schloss Wilhelmsburg

Riesensaal im Schloss Wilhelmsburg

Leuchter tauchen den Saal in ein gedämpftes Licht, durch die seitlichen Bleiglasfenster malen Sonnenstrahlen Muster aufs Parkett. Der Festsaal – auch Riesensaal genannt – gehört zu den repräsentativsten und größten des ausgehenden 16. Jahrhunderts in Deutschland. Der Beiname zielt jedoch nicht, wie ich vermute, auf die opulente Ausdehnung des Raumes ab, sondern auf die Türen der Vorgemächer: Diese sind umrahmt von Malereien, die je zwei bewaffnete, überlebensgroße Landsknechte zeigen. Das sind also die Riesen! Der Saal wird gern für Konzerte und repräsentative Anlässe genutzt, ein großer Flügel zeugt davon.

Ich baue mir ein Schloss aus Sand

… Könnte man jedenfalls meinen. Denn der Erbauer des Schlosses, Landgrafen Wilhelm IV. von HessenKassel, verwendete vorzugsweise Buntsandstein. Zum einen aus wiederverwendetem Abbruchmaterial der Vorgängerbauten, die er komplett abreißen ließ, zum anderen aus Steinbrüchen in der Umgebung. Nebenbei bemerkt: Bis heute wird in der Region weißer und rotgeflammter Buntsandstein abgebaut. Wer sich also ein Domizil à la Herzog Wilhelm erbauen lassen möchte… Im Ausstellungsteil, der sich mit dem Schlossbau beschäftigt, ist die vierflügelige Anlage im Miniaturformat zu sehen.

Die herzogliche Tafeley

Höfische Tafeley im Schloss Wilhelmsburg

Neben Themen wie Kultur, Bildung und Erziehung am Hofe, gewährt das Museum auch Einblicke in die höfische Mode und Tischgewohnheiten. Es geht unter anderem darum, welche Gewänder und Kleider en vogue waren und dass der hessische Hof eine Vorliebe für französische Mode pflegte. In einem Glasquader befinden sich eigenartig dreinschauende Figuren – hat es vielleicht nicht gemundet? Jedenfalls berichtet diese Szene aus der damaligen Esskultur: Eine Speisenfolge von 10 Gängen war üblich, geschmückt von allerlei Zierrat wie Pflanzen, Tischbrunnen und Zuckeraufbauten.

Herrenküche, Iwein-Sage und Terrassengarten

Herrenküche im Schloss Wilhelmsburg

Außerhalb des Museums – inklusive der regelmäßig wechselnden Sonderausstellungen – solltet ihr einen Blick in die Herrenküche nehmen. Hier hängen Kessel über der Feuerstelle, daneben getrocknete Kräutersträuße und an den Wänden Ton- und Holzgeschirr. Eyecatcher ist der nach vier Seiten offene Kamin mit einer riesigen Esse darüber. Vom Schlosshof gehts hinab in das historische Kellergewölbe – hier ist die 1:1 – Kopie eines Raumes zu sehen, der sich im „Hessenhof“ am Schmalkalder Neumarkt befindet. Die hochromanischen Wandmalereien zeigen das mittelalterliche Versepos Iwein. Es handelt vom Liebesleid Iweins, Ritter der Tafelrunde am Hofe des Königs Artus. Nach so viel geschichtlichem Input freue ich mich nun auf den Terrassengarten mit Wasserkunst. In den blühenden Staudenbeeten brummt und summt es – die meisten Schmetterlinge zähle ich im Lavendel und im Heilkräuterbeet. Treppen führen die Terrassen hinab zum Buchsbaumparterre und zum Schlossteich – ein perfekter Abschluss des Schlossbesuches!

Schloss Wilhelmsburg_Terrassengarten Blumenbeete

 

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