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Rund um den Dom – Auf leckerer Stippvisite

Willkommen in Erfurts Mitte! Der Domplatz bietet nicht nur eine fabelhafte Kulisse für Sommerkonzerte und Fotomotive, nein, hier rund um Dom und Severikirche gibt es viel zu entdecken. Ich bin heute auf Stippvisite auf dem wohl spannendstem Platz Erfurts. Kommt mit!

Domplatz Erfurt

Friedliche Stimmung zur Abenddämmerung 

Es ist schön, abends noch einmal heraufzukommen. Das Tor zum Domberg hat dann längst geschlossen, auf den Domstufen ist nichts mehr los. Wer aus den trubeligen Altstadtgassen rund um die Krämerbrücke herüberschlendert und die 70 Treppenstufen erklimmt, die zu Domund Severikirche führen, der sucht Romantik zu zweit – oder ein ruhiges Plätzchen, um sein Eis oder ein mitgebrachtes Gläschen Wein zu genießen. Unten in den Cafés und Restaurants sitzen noch ein paar Leute, aber das Stimmengewirr dringt nur von Ferne her. Auch ich sitze heute Abend auf den noch warmen Steinen, lassen den Tag am Dom Revue passieren und schauen von oben auf den Platz und die Dächer der umliegenden Häuser. Wie still der Platz nachts ist! Und wie friedlich!

Domplatz Erfurt

Erfurt am Tage 

Komisch, dass der Domplatz in Erfurt tagsüber eher zu groß wirkt – obwohl da doch viel mehr los ist. Vielleicht muss man sich einmal klarmachen, warum dieser Freiraum mitten in der Stadt etwas überdimensioniert aussieht: Unterhalb der Severikirche stand früher noch ein kleines Viertel mit dem Namen „Vor den Graden“ – vor den Stufen. Es wurde zerstört, als die französisch besetzte Stadt 1813 zurückerobert wurde. Etwa 100 schöne alte Häuser brannten ab und hinterließen eine noch heute fühlbare Leerstelle, einen wunden Punkt. Pläne für eine Neubebauung gab’s viele. Einige davon waren ziemlich absurd. Keiner wurde umgesetzt. So wuchs der Domplatz dauerhaft auf stolze 3,5 Hektar. Bis zu 80.000 Menschen konnten so während der Friedlichen Revolution 1989 hier gemeinsam demonstrieren.

Domplatz Erfurt

Während es anderswo eng wird, wenn Markt ist, bauen die Händler am Dom täglich außer sonntags ihre Buden auf und die verlieren sich fast. Busse bringen Reisende, die dann in Grüppchen Richtung Dom marschieren, ganz ohne Gedrängel. Der Domplatz ist nicht nur wegen seiner schieren Größe perfekt auch für Events wie den Weihnachtsmarkt, das Martinsfest oder die DomStufen-Festspiele. Die Kulisse aus Domberg und Altbauten ist einzigartig schön. Anders als etwa die Krämerbrücke, die ein abgeschlossener Mikrokosmos für sich ist, bringt der riesige Domplatz Welten zusammen.

An der südlichen und östlichen Seite stehen eine Reihe schöner Altbauten, in denen Eisdielen, Bäckereien, Restaurants und auch kleine Läden untergebracht sind. Im Westen ragt etwas erhöht das wohl berühmteste Kirchenensemble Deutschlands auf – Dom und Severikirche. Hinterm Domberg wiederum liegt das Theater, ein toller, ganz moderner Bau – und eine Erfurter Institution mit vielfältigem Bühnenprogramm.

Thüringer Wein und ganz viel Geschichte 

Nördlich der beiden Kirchen führt ein Fußweg hinauf zur Zitadelle auf den Petersberg, eine der größten und besterhaltenen Festungen Europas. An den Hängen dieses städtischen Hügels wächst mittlerweile sogar Wein, der zum Saale-Unstrut-Gebiet gehört und den man im Thüringer Spezialitätenmarkt auf der Krämerbrücke kaufen kann.

Und wer von der Zitadelle ohne den Umweg über den Domberg wieder zum Platz hinuntergeht, der stößt auf die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße. Die ist ein ehemaliges Stasigefängnis, in dem man heute sogar noch die Originalzellen besuchen kann. Wirklich beeindruckend vermitteln Videoberichte ehemaliger Häftlinge sowie die multimediale Ausstellung die bewegenden Wendejahre in Thüringen.

Wer sich Zeit nimmt für den Domplatz, der erlebt eine Menge, auch jenseits des normalen Reiseprogramms: eine Chorprobe zum Beispiel, die zufällig im Dom abgehalten wird. Der ist u. a. berühmt für seine herrlichen gotischen Kirchenfenster und das Gemälde „Verlobung der Heiligen Katharina“ von Lucas Cranach dem Älteren – schöner zu besichtigen mit Musik! Ich bestaune eine russisch-deutsche Taufgesellschaft in der Severikirche. Und freue mich besonders auf den Besuch der Horchgänge auf dem Petersberg mit Stadtführer Tim Erthel. Tim führt mit viel Spaß und witzigen Anekdoten über den Domplatz bis zum Petersberg und dort durch die 1,8 Kilometer langen unterirdischen Festungsgänge. Wunderbar!

Coffee NOT to go 

An diesem Tag kann ich nur von unseren sehr netten und vor allem leckeren Begegnungen schwärmen: Numa-Chef (Die Nudelmacher) Martin Hübner erzählt mir, dass er früher in Gourmetrestaurants gekocht hat. Davon profitieren nun in seinem Nudelschnellrestaurant am Domplatz Erfurter sowie Reisende. Im Café Hilgenfeld darf ich meinen eigenen Kuchen verzehren, weil es heute nur Cupcakes gibt. Hier wird alternative Kultur ganz hoch geschrieben!

Cafe Hilgenfeld

Das Hilgenfeld liegt im Nordosten des Platzes, kurz vor dem Bioladen Organics. Und im Absinthladen von Gabriele Fichte in der Kettenstraße „Sui Generis“ probieren wir feine Wermutstropfen. Aber die knapp 160 Sorten schaffe ich dann doch nicht alle zu kosten!

Auch Kaffee-Junkies kommen am Domplatz nicht zu kurz. Die CaféTHEK in der Stadtbibliothek bietet neben Kaffee auch selbst gemachten Kuchen und Suppen. Nehmt euch auch unbedingt Zeit für die Kaffeerösterei Lecobo, die fair gehandelte Kaffeespezialitäten anbietet – aber aus Prinzip NICHT „to go“!

Cafethek am Domplatz

Wieder zurück auf dem Platz genieße ich die blauen Stunden am Dom. Die Mitte Erfurts bringt nicht nur verschiedene Lebenswelten zusammen. Sie hat auch zwei Besitzer. Wo Basalt liegt, ist alter Domplatz – und der gehört der katholischen Kirche. Beton weist darauf hin, dass man sich auf dem Boden des verschwundenen, städtischen Viertels bewegt. Es ist keine gerade Linie, die beide Bereiche trennt.

Wir sehen uns in Erfurts Mitte!

Stippvisite in Erfurt

Der Domplatz bietet nicht nur eine fabelhafte Kulisse für Sommerkonzerte und Fotomotive, nein, hier rund um Dom und Severikirche gibt es viel zu entdecken.

Mehr Infos gibt es hier: St. Marien Dom Erfurt

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