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Durch den Kräutergarten des Thüringer Waldes

Ich atme den würzigen Duft des Waldes tief ein… und dann entspannt wieder aus. Es ist Nachmittag, als ich mit dem Cabrio hinauf nach Oberweißbach fahre. Mit 1,6 Metern pro Sekunde ist es eine gemütliche Fahrt und mir bleibt genügend Zeit das abwechselnde Spiel zwischen Sonne und Schatten zu genießen. Auf den Streckenverlauf brauche ich nicht zu achten, denn mein Cabrio fährt auf Schienen. Es wird mit einem Seil in rund 15 Minuten von Obstfelderschmiede zur Bergstation der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn gezogen.

Auf Kräutertour nach Oberweißbach

Oberweißbacher Bergbahn Zischenstation Lichtenhain

Oben angekommen steige ich auf den zweiten Teil der Bahn, auf die Flachstrecke um. Die Fahrt führt ca. 2,5 Kilometer von Lichtenhain über Oberweißbach-Deesbach nach Cursdorf. Der Zug fährt durch den Kräutergarten des Thüringer Waldes, im neuen Olitätenwagen können die Fahrgäste die Natur nun hautnah miterleben. Ehrlich gesagt, bis zum Besuch der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn wusste ich nicht was Olitäten sind. Dabei handelt es sich um Kräuter, die zu Medizin, Tinkturen und andere Heilmitteln verarbeitet werden. Das Sammeln, Verarbeiten und Handeln mit Kräutern hat rund um Oberweißbach eine lange Tradition.

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Im Olitätenwagen sind die verschiedenen Kräuter der Region ausgestellt. Wie auch in der Natur findet man Beifuß, Rainfarn, Mädesüß & Co. am Boden des Wagens. Zwischen den Blättern schaut eine Maus oder eine Schnecke neugierig hervor. Bei meiner Kräuterexpedition durch den Olitätenwagen fällt mir auf, dass ich von einigen Kräutern bisher nie etwas gehört habe – geschweige denn, dass ich weiß, bei welche Krankheiten sie eingesetzt werden könnten. Kleine Schilder neben den Kräuterbildern klären über Standort und Anwendungsgebiete auf. Und im Duftkasten ist der passende Geruch zu finden. Hinter dem ersten Türchen verbirgt sich der Hollunder – der unverkennbare Geruch ist mir bekannt.

Der Olitätenwagen der Oberweißbacher Bergbahn

Wer sich alle Pflanzen gut eingeprägt hat kann sein Wissen am Pflanzenmemory überprüfen. Wo war nochmal der Augentrost? Ah – rechts oben und links unten! Und schon wieder ist ein Kräuterpaar gefunden!

Im Olitätenwagen zwitschern auch die Vögel. Im Wagon gibt es eine nette technische Spielerei, um die Bewohner der Wiesen und Wälder am Klang zu erkennen. Aber die Geräusche kommen auch von draußen. Der Olitätenwagen hat nämlich keine Fenster, so kann ich mir während der Fahrt den Wind um die Nase wehen lassen und die herrliche Aussicht ungefiltert erleben. Kein Wunder, dass der geschlossene Wagen bei Schönwetter leer ist und alle Fahrgäste im offenen Wagon mitfahren.

Aussicht vom Olitätenwagen

Die Fahrt zwischen Lichtenhain und Cursdorf ist eigentlich viel zu kurz um alles zu entdecken. Gottseidank fährt der Zug im 30-Minuten-Takt zwischen den beiden Stationen. Mit dem Tagesticket können Besucher auch wieder mit dem Zug nach Lichtenhain zurück fahren und so alles in Ruhe ansehen. Beim „Speisewagen“, direkt neben dem Bahnhof Lichtenhain, stärke ich mich bei einer Kräuterbratwurst, bevor das Kräutererlebnis weitergeht.

Kräuterbratwurst mit Waldmeisterbowle

Auf den Spuren der Buckelapotheker

Hier beginnt der rund zehn Kilometer lange Olitätenweg, auf dem Interessierte die Kräuter in der freien Natur entdecken. Manche Kräuter stehen in voller Blüte und sind schon von weitem sichtbar, andere haben gerade nicht Saison und wollen nur vom geschulten Auge gefunden werden. Der erste Teil des Weges führt durch den Fröbelwald in dem Eltern und Kinder die Natur spielerisch entdecken können.

Fröbelwald

Weiter führt der Weg nach Oberweißbach zum Fröbelhaus, durch Wälder und Wiesen zum Fröbelturm und dann bis Cursdorf zur Oberweißbacher Bergbahn. Mit dem Zug wird der Rundweg um ca. 2,5 Kilometer abgekürzt. Die gelbe Blüte auf weißem Grund ist das Symbol des Olitätenwegs auf den Wegweisern.

Die Herstellung der Heilmittel in den Familienbetrieben und der Vertrieb der Produkte durch Buckelapotheker waren typisch für die Region. Während die Kräuterfrauen die Pflanzen sammelten, kümmerten sich die Buckelapotheker um den Vertrieb. Um das Jahr 1780 waren über 800 Buckelapotheker europaweit unterwegs. Sie brachten die besonderen Kräuterprodukte vom Thüringer Wald bis nach Holland, Dänemark, Polen, Frankreich und Ungarn.

Buckelapotheker

Auf einem Teil des Olitätenwegs begleiten mich Gerd, Katharina und Charlotte in originaler Tracht. Sie kennen sich mit den Pflanzen und der Geschichte der Region gut aus und geben ihr Wissen an Besucher weiter. Auf dem Kräuterrundweg und –lehrpfad zücke ich öfters mein Smartphone. Damit sammle ich virtuelle Stempel entlang des Rundwegs und scanne die QR-Codes auf den Schildern neben den Kräutern. So erhalte ich weitere Informationen über die Kräuter am Wegesrand. Der Eintrag in der Pflanzenmonographie bestätigt mir, dass ich bei Calluna Vulgaris auch mit dem mir bekannteren Namen „Erica“ richtig liege. Experten wissen, wie sie aus Heidekraut – so wird „Erica“ auch genannt, einen wohltuenden Tee bei Nieren- und Blasenbeschwerden zubereiten.

Kräterwanderung mit App

Entlang des Kräuterlehrpfades pflücken wir etwas Bärwurz um damit den Quarkaufstrich beim Picknick zu verfeinern. Eine gemütliche Pause gehört bei der Kräuterwanderung dazu.

Picknick mit Käuterquark

Heilsame Lektionen im Fröbelhaus

Das Wissen rund um die Kräuter können Interessierte in zahlreichen Kräuterseminaren vertiefen. In Oberweißbach treffen sich Experten und jene die es noch werden wollen und beschäftigen sich ein ganzes Wochenende lang mit den Kräutern und deren Heilwirkung. Im Sommer werden verschiedene Kurse im Fröbelhaus angeboten.

Fröbelhaus

Fröbel… dieser Name taucht in Zusammenhang mit Oberweißbach immer wieder auf. Auf ihn sind die Oberweißbacher zu Recht stolz. Friedrich Fröbel ist der Begründer des Kindergartens und kam 1782 in Oberweißbach zur Welt. Dem Pädagogen ist ein eigenes Museum gewidmet, das sich in seinem Geburtshaus, dem heutigen Fröbelhaus, befindet.

Nach der Kräuterwanderung führt mein Weg entlang der Bahnstrecke wieder zurück ins Tal. Der Rückweg durch den Wald dauert ca. 45 Minuten. Die Sonne ist schon untergegangen und es wird langsam finster. Ich atme wieder die würzige Waldluft tief ein und schaue den beiden Wagen der Standseilbahn zu, wie sie sich in der Mitte kreuzen. Es ist die letzte Fahrt für heute, die Sonnenschirme am Cabriowagen sind schon abgespannt. Langsam entschwinden die beiden Wagen meinem Blick, das Lachen der Touristen verstummt und Ruhe legt sich über den Thüringer Wald. Ich mag diese Mischung aus Erlebnis und ruhigen Momenten. Dann setze ich meinen Weg ins Tal fort. Einmal im Jahr messen sich hier übrigens Läufer bergauf mit der Bergbahn – wer ist schneller bei der Bergstation? Bisher hat immer die Standseilbahn gesiegt.

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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