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Das Geheimnis um Luthers ungeliebte Brüder in Mühlhausen

Wer sich in Mühlhausen umschaut, wird hier und da Orte finden, die an die Reformation erinnern. Die ehemalige Reichsstadt ist nicht nur für ihre zahlreichen schönen Kirchenhäuser und ihre Altstadt bekannt.

Gemeinsam mit Frau Lösel, der Kuratorin für die Ausstellung „Luthers ungeliebte Brüder – Alternative Reformationsideen in Thüringen“ gehe ich daher auf Spurensuche in der Kornmarktkirche in Mühlhausen.

Außenansicht der Kornmarktkirche

Kornmarktkirche in Mühlhausen

Ort mit vielen Gesichtern

Die Kornmarktkirche selbst hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Schon im 13ten Jahrhundert wurde sie als St. Crucis Kirche des Franziskanerklosters erbaut, um 1802 entweiht und seitdem unter anderem als Kornspeicher oder sogar mehrstöckiges Wohnhaus genutzt.

1975 wurde aus dem Gebäude im Rahmen des 450. Bauernkriegjubiläums ein Museum, welches sich schon damals mit den Themen Reformation und Müntzer beschäftigte.

Kräutergarten der Kornmarktkirche

Kräutergarten der Kornmarktkirche

Im Hof der Kornmarktkirche gibt es einen kleinen Kräutergarten, der inmitten der Überreste von Mühlhäuser Kirchen und Wohnhäusern vor allem im Sommer sehenswert ist. Ein Blick lohnt sich auch in die Gruft des Museums, wo auf ein paar informativen Tafeln die Geschichte der ehemaligen Kirche dargestellt ist.

Das wichtigste jedoch ist die Ausstellung. Diese auf den neuesten Stand zu bringen, wo viele Zeitdokumente der „ungeliebten Brüder“ zerstört wurden, war gar nicht so einfach, erzählt mir Sarah Lösel, ihres Zeichens Kuratorin der Ausstellung.

Gruft der Kornmarktkirche

Gruft der Kornmarktkirche

Neben der allgemeinen Geschichte über die Epoche der Reformation im 16ten Jahrhunderts werden auch die Schlacht von Frankenhausen und die für Thüringen wichtigsten „ungeliebten Brüder“ vorgestellt.

Luthers ungeliebte Brüder

Sarah Lösel macht mich mit verschiedenen „Reformatoren“ bekannt. Da ist Dr. Karlstadt – der Doktorvater Luthers, der mit seiner Idee der Entfernung von Heiligenbildern aus Kirchen und Klöstern einen Bruch mit Luther herbeiführte. Auch Heinrich Pfeiffers Ideen lehnten sich vermutlich an denen von Karlstadt an. Karlstadt selbst war jedoch nie in Mühlhausen gewesen.

Ein weiterer Revolutionär ist Matthäus Hisolidus, der erste Reformator von Creuzburg, der in der Stadtkirche Creuzburgs geordnet die Heiligenbilder entfernen ließ. Auch Jakob Strauß ist Theologe, der auf Basis der Lutherischen Thesen gegen Ablass und vor allem gegen Zins und Wucher in Eisenach predigte. Dass er sich somit bei den Regierenden nicht unbedingt Freunde macht, dürfte wohl klar sein. Natürlich sollte man die beiden Mühlhäuser Prediger Pfeiffer und Müntzer nicht vergessen. Auch ihr Wirken wird in der Ausstellung präsentiert.

Ausstellungsraum "Luthers ungeliebte Brüder" in der Kornmarktkirche

„Luthers ungeliebte Brüder“ Ausstellungsraum | Kornmarktkirche

Müntzer und auch Pfeiffer nahmen nach dem Bauernkrieg in Frankenhausen kein gutes Ende. In Mühlhausen wurden sie geköpft. Luther verurteilte die radikalen Ideen Müntzers und konnte mit der Umsetzung der Reformation auf diesem Wege nichts anfangen. Und doch wird noch heute der „ungeliebten Brüder“ gedacht. Ihr wollt wissen, woran das liegt? Dann lohnt sich der Besuch von Mühlhausen.

„Luthers ungeliebte Brüder“ ist jedoch nicht nur eine Ausstellung mit zahlreichen Fundstücken und Schautafeln. Es gibt Hörstationen, die von der Mühlhäuser Theatergruppe 3K eingesprochen wurden und auch eine kleine Druckerpresse – Dinge, die auch für Kinder die Welt der Reformation ein wenig mehr begreifbar machen.

Nachgefragt

Bei einem Kaffee in einer nahegelegenen Konditorei habe ich bei Sarah Lösel einmal genauer bezüglich der Ausstellung nachgefragt:

Frau Lösel, wie sind sie zum Projekt „Luthers ungeliebte Brüder“ gekommen?

Das Projekt ist meine Hauptaufgabe im Rahmen eines Museumsvolontariats bei den Mühlhäuser Museen. Vor allem im ersten Jahr meines Volontariats habe ich mich intensiv durch eine Literaturrecherche darauf vorbereitet. Ich habe Ethnologie in Leipzig und Berlin studiert und als Mühlhäuserin habe ich zu dem Thema natürlich eine besondere Verbindung.

Sahra Lösel an einer Hörstation in der Ausstellung "Luthers ungeliebte Brüder"

Sahra Lösel | Hörstation in der Ausstellung „Luthers ungeliebte Brüder“

Wie kam es zu dem Ausstellungsnamen „Luthers ungeliebte Brüder“?

Wir als Museum wollten natürlich gerne zur Reformationsdekade beitragen – zum anderen ging es aber auch um eine Neuaufarbeitung unserer schon bestehenden Ausstellung von 2003, die nach den neuen wissenschaftlichen und gestalterischen Standards überarbeitet werden sollte. Für uns war es auch wichtig, die Reformatoren neben Martin Luther, die vor allem für Thüringen und Mühlhausen von Bedeutung sind, wie Heinrich Pfeiffer und Thomas Müntzer, mehr in den Fokus zu stellen.

Was war für sie im Rahmen ihres Volontariats besonders spannend an der Arbeit mit der Ausstellung?

Mich persönlich faszinieren stark die lokalen Ereignisse rund um die Reformation. In der Schule habe ich als Mühlhäuserin zwar etwas zum Thema Pfeiffer und Müntzer gelernt, so wusste ich wo die beiden gepredigt haben und wer die beiden sind.

Bild namens "Thomas Müntzer setzt den Ewigen Rat ein" von W:O: Pitthan

„Thomas Müntzer setzt den Ewigen Rat ein“ von W:O: Pitthan

Ich war dann zum Studium in Leipzig und Berlin unterwegs. Die „ungeliebten Brüder“ wurden dann erst zu Beginn des Volontariats für mich relevant. Gerade wenn ich an den Mühlhäuser Kirchen und Gebäuden vorbeigehe und mir vorstelle, das vor 500 Jahren die von uns vorgestellten Theologen gepredigt oder wichtige Persönlichkeiten hier gelebt haben, ist das für mich schon sehr spannend. Ich sehe meine Heimatstadt jetzt tatsächlich auch mit einem anderen Blick.

Die historischen Zusammenhänge machen für mich mehr denn je auch durch die Arbeit am Projekt einen Sinn und es wird für mich immer spannender, je intensiver ich mich mit dem Thema „Reformation in Mühlhausen“ beschäftige.

Gab es für sie im Rahmen der Ausstellungen Begegnungen, die sie beeindruckt haben?

In unsere Ausstellung kommen neben zahlreichen Interessierten auch häufiger Wissenschaftler und Experten, mit denen wir in engem wissenschaftlichen Austausch stehen. Interessant waren beispielsweise Rückmeldungen aus Orlamünde, wo es auch ein kleines Museum zu Karlstadt gibt, oder Allstedt. Burg und Schloss Allstedt zeigt ebenfalls eine Ausstellung zu Thomas Müntzer. Für uns sind solche Begegnungen immer wieder sehr interessant und spannend!

Sarah Lösel an einer Druckerpresse in der Ausstellung "Luthers ungeliebte Brüder"

Sarah Lösel | Druckerpresse in der Ausstellung „Luthers ungeliebte Brüder“

Was passiert rund um die Ausstellung im Reformationsjahr?

Ein Besuch der Ausstellung ist jederzeit möglich (Di-So von 10 – 17 Uhr), ab dem Frühjahr gibt es öffentliche Führungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten wie die Ausstellung „Luthers ungeliebte Brüder“, Führungen in den Klostergarten (der im Sommer sehr schön ist) und Führungen zur Baugeschichte der Kornmarktkirche. Des Weiteren gibt es ab dem Frühjahr auch einige wissenschaftliche Vorträge, über die man sich hier informieren kann. Die Theatergruppe um 3K wird im Rahmen des Reformationsjahres auch ein Theaterstück über den Bauernkrieg und seine wichtigsten Persönlichkeiten präsentieren. Auf jeden Fall dürfen sich unsere Gäste über viel Spannendes rund ums Thema freuen.

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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