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Vom Lüsterweibchen und der heiligen Sippe: 5 Lieblingsexponate im Eisenacher Lutherhaus

Am Rande des Thüringer Waldes, inmitten von vier Tälern, liegt das beschauliche Städtchen Eisenach. Hier thront hoch oben auf dem Berg das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt: die Wartburg. Doch gibt es neben der Wartburg so viel mehr zu entdecken. Beispielsweise befindet sich in Eisenach eines der ältesten Gebäude in ganz Thüringen. Der Überlieferung nach soll dort einst Martin Luther als Lateinschüler bei der Familie Cotta gewohnt haben.

Dieses jahrhundertealte Haus wurde nach seiner Sanierung letztes Jahr im 2015 wieder eröffnet und dient nun als Museum. Im Haus selbst warten auf die Besucher jede Menge kultureller Schätze – historische Bücher, Möbel, Gemälde, Briefe, Fotos und vieles mehr. Im Zuge des kommenden Reformationsjahres habe ich mich mit den Museumsmitarbeitern aus dem Lutherhaus getroffen und sie nach ihren Lieblingsexponaten gefragt. Herausgekommen sind die Top-Five der Experten, die Ihr Euch bei einem Museumsbesuch auf jeden Fall anschauen solltet.

Wie ein Heiliger: Luther im Altarflügel

„Mein Lieblingsexponat ist die kleine Luther-Statuette. Gläubige haben sie im 16. Jahrhundert gegen eine Heiligenfigur in einen Altarflügel ausgetauscht. Der Reformator wurde so unter die großen Kirchenlehrer der Christenheit eingereiht. Weil es aber aussah, als verehre man den Reformator als Heiligen, hat sich diese Darstellungstradition nicht durchgesetzt. Um Missverständnisse zu vermeiden, entfernte man Luther später wieder. Bei uns im Lutherhaus können Besucher das ursprüngliche Arrangement wieder erleben. Wie ich finde, ein sehr interessantes Beispiel für das Ringen um neue Bildtraditionen im Protestantismus.“
Dr. Jochen Birkenmeier, Wissenschaftlicher Leiter und Kurator

Eisenacher Lutherhaus "Luther im Altarflügel"

Linkes Bild: Altarflügel mit Heiligenfiguren und Lutherstatuette – © Stiftung Lutherhaus Eisenach (Ulrich Kneise)

Ein Wimmelbild für Groß und Klein: die Lübecker Bibel

„Mir gefällt im Lutherhaus die sogenannte Lübecker Bibel am besten. Ein ganz besonderes Buch, das 1533 in niederdeutscher Sprache geschrieben wurde. Sie ist die erste Gesamtausgabe der Bibel nach Luthers Übersetzung und erschien bereits vor der hochdeutschen Wittenberger Ausgabe des Jahres 1534. Besonders beeindruckend finde ich, wie die Holzschnitt-Illustrationen von Erhard Altdorfer ldie Texte lebendig werden lassen. Das Titelblatt des Neuen Testaments mit der allegorischen Darstellung von Sündenfall und Erlösung verkündet Luthers Lehre von der Rechtfertigung des sündigen Menschen vor Gott allein durch die Gnade Gottes und den Glauben an den gekreuzigten Christus. In den prägnanten Szenen zu Kernaussagen der Bibel können Besucher immer wieder neue Details entdecken, die zum Erzählen anregen: ein „Wimmelbild“ für Groß und Klein.“
Cornelia Breitsprecher, Ausstellung und Sammlung 

Eisenacher Lutherhaus "Die Lübecker Bibel"

Rechtes Bild: Bibel in niederdeutscher Sprache (Lübecker Bibel) – © Stiftung Lutherhaus Eisenach (André Nestler)

Ein Schatz aus Samt: das Atependium

„Mein Lieblingsexponat ist unser samtener Altarbehang (Antependium) aus dem Römhilder Textilschatz, der das filigrane Kunsthandwerk des späten Mittelalters eindrucksvoll widerspiegelt.“
Dolores Raßmann, Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik

Eisenacher Lutherhaus "Das Atependium"

Rechtes Bild: Antependium, Detail – © Domstift Brandenburg (Geertje Gerhold)

Ein himmlisches Familientreffen: die Heilige Sippe

„Ich schaue mir immer wieder gerne die Heilige Sippe in unserem Haus an: Dicht gedrängt kommt hier die ganze Familie zusammen. Nachdenklich, erwartungsvoll oder quietschvergnügt ist der individuelle Gesichtsausdruck ihrer Mitglieder. Der unbekannte Künstler aus der Zeit um 1510 zeigt für mich sehr anschaulich, dass Jesus Christus ein wirklicher Mensch war. Man sieht Tante, Onkel, Cousins und Cousinen – ein herrlich-himmlisches Familientreffen.“
Alexandra Husemeyer, Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik

Eisenacher Lutherhaus "Heilige Sippe"

Linkes Bild: Heilige Sippe – © Thüringer Museum Eisenach

Kurioser Deckenschmuck: das Lüsterweibchen

„Für mich gehört das Lüsterweibchen zu den interessantesten und kuriosesten Exponaten des Lutherhauses: Es zeigt Frau Cotta, die wahrscheinlich die Gastwirtin Luthers während seiner Eisenacher Zeit war. Das Lüstergeweih, an dem sie befestigt ist, spielt auf die Jagdleidenschaft des Wirts des Lutherkellers an – ein Restaurant, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Lutherhaus betrieben wurde. Mein Lieblingsexponat vereint die Geschichte Luthers auf wunderbar anschauliche Weise mit der Geschichte des Hauses.“
Michael Weise, Wissenschaftlicher Volontär

Eisenacher Lutherhaus "Das Lüsterweibchen"

Rechtes Bild: Lüster mit Frau Cotta und Lutherrose – © Stiftung Lutherhaus Eisenach (Ulrich Kneise)

Neugierig geworden? Neben diesen Highlights, gibt es selbstverständlich noch zahlreiche weitere Exponate, die einen Besuch wert sind. Besichtigen könnt ihr das Eisenacher Lutherhaus von Montag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. In der Zeit vom November bis März bleibt das Museum montags geschlossen. Und wer noch ein bisschen Zeit mitbringt, sollte zusätzlich einen Abstecher zur Wartburg und zum Bachhaus unternehmen. Jetzt seid ihr dran Eisenach zu entdecken! Welche Ausstellungsstücke haben euch besonders gut gefallen?

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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