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Wenn Geschichte lebendig wird – die Schlacht bei Jena-Auerstedt

Ein riesiger Knall und schon zog sich eine gigantische Nebelwolke über das Kohlfeld bei Jena-Auerstedt. Eilig wurde die schwere Kanone wieder von den Soldaten befüllt, denn die Schlacht war inzwischen in vollem Gange. Am Waldrand hatte sich bereits ein Schusswechsel ereignet und auch der Einschlag der gegnerischen Kanonengeschosse zerfetzte den unbedarften Kohl nur 100 Meter entfernt von mir. Ich war hautnah dabei, als 2016 die Schlacht bei Jena-Auerstedt vom 14. Oktober 1806 nachgestellt wurde.

Schlacht Jena Auersted

Ein landesübergreifendes Aufgebot

Dazu hatten sich 1000 Mitwirkende in historische Schale geworfen – 400 für die preußisch-sächsische Seite und 600 für die französische. Viele waren dazu extra nach Deutschland angereist, insgesamt kamen sie aus zwölf Ländern. So war zum Beispiel der Darsteller Napoleons ein Amerikaner aus Williamsburg, Virginia.

Und genau das ist auch der eigentliche Gedanke dieser Veranstaltung, welche von der AG Jena 1806 organisiert wird: „Damit unterstreichen und leben wir den gemeinsamen friedlichen europäischen Gedanken.“ Es ist sozusagen eine Völkervereinigung, die die Grauen der Vergangenheit als Mahnmal hervorholt, Geschichte erlebbar macht und dabei der Völkerverständigung dient. Das ist ein ziemlich nobles Ziel, wenn ihr mich fragt.

Und tatsächlich, hier wird viel Wert auf Zusammenarbeit und gemeinsames Erleben der Geschichte gelebt. Auch von meinem Platz hinter dem Zaun, der sich rings um das Schlachtfeld spannte, konnte ich gut den Detailreichtum erkennen, den die Kostüme, Waffen und Accessoires der Darsteller aufwiesen. Da steckte viel Liebe drin, von den Schuhen bis zu den Federpuscheln auf den Hüten.

Schlacht Jena Auerstedt

Hinter den Kulissen

Mal abgesehen von der Schlacht, die mit 250kg Schwarzpulver und 100 Kanonenladungen einen gehörigen Krach machte und Nebel aufwirbelte, sind auch die Szenen in den ruhigeren Momenten wie aus der Vergangenheit gegriffen. In den 300 Zelten des Biwaks konnte man bereits vor der Schlacht Frauen, sogenannten Marketenderinnen, beim Zubereiten der stärkenden Speisen zuschauen oder die Soldaten bei Exerzierübungen am Samstagvormittag bestaunen.

Insgesamt geht das historische „Reenactment“, die Nachstellung, über zwei Wochenendtage. Am Samstag findet die berühmte Schlacht statt, die die Allianz von Preußen und Sachsen in die Knie zwang und quasi eine Neuordnung Europas einläutete. Insgesamt gab es damals 33.000 Gefallene, deren Gebeine auch heute noch ab und zu durch Feldarbeiten gefunden werden.

Für 22 der Gefundenen gab es letztes Jahr auch eine Gedenkfeier und Beisetzung am Sonntag. Für alle diejenigen, die sich aber eher für die Versorgung der Versehrten interessierten, fand auch eine Vorführung historischer Chirurgie statt – mit damals typischen Folterbehandlungswerkzeugen.

Wenn Geschichte lebendig wird - die 1806 Schlacht bei Jena-Auerstedt

Hilfreiche Infos

Solltet ihr mit dem Auto nach Jena-Auerstedt fahren wollen, dann macht euch rechtzeitig auf den Weg. Denn die Straßen werden voll sein – egal, ob ihr den direkten Weg von Jena nach Lützerode oder einen Umweg über den Norden Jenas nehmt, die Fahrt wird länger dauern als gedacht. Viele Autos parken daher lieber einen Kilometer außerhalb des Ortes an der Landstraße entlang, aber es gibt auch einen kostenfreien Parkplatz direkt beim Eingang von Lützerode. Der war letztes Jahr sogar kurz vor dem Schlachtspektakel noch nicht voll.

Eine andere Alternative ist der öffentliche Verkehr, der extra Busse für die Nachstellung der Schlacht bei Jena-Auerstedt bereitstellt. Diese fahren direkt nach Closewitz, Cospeda und Lützerode. Der Eintritt zur Schlacht ist übrigens nicht kostenlos und nur ein klein wenig billiger im Vorverkauf. Man kann sich also auch in letzter Minute entscheiden, vorbeizuschauen. Der Besuch im Biwak kostet nichts.

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    “Gun shots and fog blasts. They sure take this seriously. #reenactment #visitThuringia”
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    “Strange snap: historical soldier followed by modern car. Currently at a reenactment in #visitThuringia in Germany.”

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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