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Kunst die sprachlos macht: Das Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen

Ein weiß-grauer Koloss auf dem weißen Berg. Schon seit ich lebe, kenne ich das Bauernkriegspanorama – seit nunmehr fast 40 Jahren prägt das Gebäude hoch oben das Stadtbild von Bad Frankenhausen. Was hat es nicht alles für Spitznamen von den Frankenhissern bekommen und wie stolz sind sie dennoch auf das, was es verbirgt.

Bad Frankenhausen - Panoramamuseum

Panorama Museum in Bad Frankenhausen

Ein klein wenig sozialistisch wirkt das äußere. Kantige und starre Formen und doch in sich stimmig. Dieses Mal ist alles etwas anders als sonst. Denn ich werde erwartet. Der Direktor – Herr Gerd Lindner – begrüßt mich persönlich. Gemeinsam gehen wir am Museumscafé vorbei, die zahlreichen Treppen hinauf in einen Ausstellungsraum, in dem während meines Besuches Bilder von Jean-Michel Mathieux-Marie hängen.

Panorama Museum-Bad Frankenhausen

Panorama Museum

Nur kurz bleibt mein Auge an den Kunstwerken hängen. Unser Weg führt uns weiter die Treppen hinauf ins Zentrum des Panoramabildes. „Wissen Sie, warum ich Sie zu diesem Aufgang hinaufgeführt habe?“ fragt mich Herr Lindner. Ich ahne es schon – denn vor mir entdecke ich die wichtigste Schlüsselszene des Panoramakunstwerkes. Müntzer steht auf einem Berg – in der rechten Hand hoffnungslos eine Fahne haltend und seine recht Hand vor seinem Körper drückend. Über ihm ein Regenbogen, unter ihm ein Brunnen mit den wichtigsten Persönlichkeiten des 16ten Jahrhunderts.

Wie jedes Mal, wenn ich diese Bild sehe, wird mir im ersten Moment etwas schwindelig. Zu viele Eindrücke schwirren auf mich ein – zu beeindruckend ist das Gesamtkunstwerk.

Gemeinsam setzen wir uns auf einen der zahlreichen Hocker. Herr Lindner nimmt mich mit auf eine Reise. Er klärt mich über das Bild, was ich doch so lange schon kenne, auf.  Doch ich erfahre in der nächsten halben Stunde so vieles über die Geschichte des Bildes und das Leben und Wirken Werner Tübkes. Wir gehen auf Zeitreise. Wie ich erfahre entstammt die Bilderwelt Tübkes aus einer tiefgehenden Recherche und Umsetzung des Kunstverständnisses zu Müntzers Zeiten – dem Ende des Mittelalters. Und so erklärt sich mir auch, warum das riesige Bild so düster in seiner Gesamtheit wirkt und das obwohl es doch so farbenfroh ist. Nach gut einer Stunde und vielen neuen Erkenntnissen bitte ich Herrn Lindner zu einem Interview.

Frühbürgerliche Revolution in Deutschland, Tafelbild von Werner Tübke

Werner Tübkes „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ © Tübke / VG BILD-Kunst Bonn, 2016

Herr Lindner – was genau ist Ihre Aufgabe hier im Panoramamuseum?

Lindner: Ich selbst bin hier seit einigen Jahren Direktor und habe Verantwortung für das Museum als ganzes, für die Präsentation, für die Forschung, für die Entwicklung der Sammlung und natürlich auch für die Ausstellungstätigkeit des Museums.

Sie betreuen das Museum nun schon seit vielen Jahren, was fasziniert Sie am Thema „Werner Tübke“?

Lindner: Mitte der siebziger Jahre entdecke ich einen Ausstellungskatalog Werner Tübkes und dieses „Buch“ hat mich damals unglaublich beeindruckt. Den Moment würde ich als  prägendes „Kunsterlebnis“ beschreiben und seither ist der Künstler Werner Tübke auch ein wichtiger Teil meines Lebens geblieben. Auch wenn mich Tübke nicht in meiner Berufswahl beeinflusste, so setzte ich mich doch stark mit der Kunst Tübkes in verschiedenen Museen auseinander. Meine Abschlussarbeit im Studienfach Kunstgeschichte zum Thema Werner Tübke und auch meine Arbeit vor Ort, die ich seit 1989 begleite, runden das Bild dann ab.

Frühbürgerliche Revolution, ein Tafelbild von Werner Tübke

Frühbürgerliche Revolution von Werner Tübke © Tübke / VG BILD-Kunst Bonn, 2016

Ist es möglich, das Panoramabildnis in ein Zitat zu fassen? Welches würde Ihrer Meinung nach am besten passen?

Lindner: Es ist schwer, das Bild in Worte zu fassen, noch dazu in ein Zitat. Ich würde dabei folgendes zu bedenken geben. Werner Tübke ist mit dem Panoramagemälde ein Historienbild als Weltbild gelungen. Es ist ein Weltbild basierend auf Grunderfahrungen des Menschen, die zeitlos gültig sind. Die Bildsprache funktioniert heute und sie hätte auch vor 200 – 300 Jahren funktioniert und auch in Zukunft wird der Betrachter verstehen, um was es geht. Das gesamte Bild basiert auf dem Prinzip des kunsthistorischen Zitats. Es ist vielleicht ein wenig vergleichbar mit einem literarischen Werk wie „Im Namen der Rose“ von Umberto Eco.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Berichterstattung über das Panorama Museum?

Lindner: Eine eminente Bedeutung für unser Museum hat natürlich auch die Außendarstellung. Die Berichterstattung in Medien ist ein wichtiger Faktor, der beim Thema Kunst nicht immer einfach ist. Gerade bei einem Kunstwerk wie das von Werner Tübke stellt sich immer auch die Frage, welchen Bezug der Betrachter zur Kunst hat. Akzeptiert man die künstlerische Haltung Tübkes als zeitgenössisch, interpretiert man seine Kunst als modern oder postmodern?

Panoramamuseum Bad Frankenhausen

Gibt es beim Panoramagemälde Szenen, die Sie persönlich besonders faszinieren?

Eine einzelne Szene ist es nicht, vielmehr sind es Details, die mich immer wieder faszinieren können. Aber das macht gute Kunst aus. Sie „erschöpft“ sich nicht. Immer wieder zeigt sich auch mir das Gemälde neu. So fesselt mich mal das Bildnis einer edlen Dame, mal ein Pferdekopf oder mal Schnee, mal ist es aber auch die sonore Bildkraft, die mich wie einen Ring umschließt, in dem ich mich selbst verortet fühle.

Reformation in Bad Frankenhausen – was sind Ihre Highlights? 

Bad Frankenhausen besitzt mit dem „Schlachtberg“ einen authentischen reformatorischen Ort. Unser Museum hier passt perfekt und bietet einen sehr guten Zugang zum Thema „Reformation“. Doch auch die Stadt Frankenhausen gehört zur Geschichte dazu und präsentiert sich als würdige Reformationstadt. Die vormals sehr reiche Stadt durch Salzhandel bietet im Stadtkern noch heute nachvollziehbare Zeitdokumente – die es zu entdecken gilt. Die Entstehung der Schlacht und auch die Gefangennahme Müntzers passierten hier – und machen einen Rundgang lohnenswert. Einen besonderen Blick sollte man hier ins Regionalmuseum werfen – denn über unsere Darstellung hinaus gibt es dort spannende und weiterführende Einblicke in das Geschehen rund um die Schlacht.

Was erwartet uns im Lutherjahr im Panorama – Museum?

Wir planen zahlreiche Events – so planen wir für den Oktober ein Event, was dem Thema Reformation gewidmet ist. Dazu möchte ich ganz herzlich alle Interessierten einladen.  Hier lohnt sich ein Blick auf unsere Facebook und/oder Internetseite – dort veröffentlichen wir alle Veranstaltungen.

Sehr geehrter Herr Lindner – vielen Dank für das Interview!

Mehr Informationen zum Panoramamuseum sowie eine Rundgang durch Frankenhausen im Reformationsjahr.

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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