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Kräuterwandern in Thüringen – auf den Spuren der Buckelapotheker

Zwischen Vogelzwitschern und Wipfelrauschen

Ich stehe an dem kleinen idyllisch gelegenen Bahnhof im Thüringer Örtchen Obstfelderschmiede, fast mitten in der Natur. Alles wirkt friedlich und entschleunigt. Vögel zwitschern und die Wipfel der Bäume rauschen.

Oberweißbacher-Berg-und-Schwarzatalbahn

Plötzlich unterbricht ein kurzes Klingeln die Ruhe und gut gelaunte Menschen verlassen fröhlich plaudernd die Talstation der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn. Diana Saager, die Leiterin der OBS, und ich betreten den Wagen, der von 1919 bis 1923 konstruierten Bergbahn. Er wurde perfekt an die Steigung des Berges gebaut. Die Sitzreihen sind stufenförmig angelegt, so dass man von jedem Platz aus einen wunderbaren Blick auf die Strecke hat.

Aussicht von der Oberweißbacher Berg und Schwarzatalbahn

Ursprünglich wurde die Bahn für den Gütertransport genutzt, damit auch die höher gelegenen Orte wirtschaftlich besser angeschlossen waren. Mit dem Ausbau des Straßennetzes wurde der Güterverkehr dann 1966 eingestellt und die Bahn ausschließlich für den Transport von Besuchern genutzt. Die Fahrt mit der Bahn allein ist schon ein wunderbares Erlebnis. Links und rechts von den Schienen kann man seit Oktober 2012, die passend zur Region gestalteten Holzfiguren, wie unter anderem den Buckelapotheker, die Porzellina, die Fröbelbank und die Kräuterfrau, bestaunen. Den Wagen selbst steuert ein Fahrer oder eine Fahrerin, die Geschichtliches zur Bergbahn und sogar die ein oder andere Anekdote für die Gäste bereit halten. „Doch die Bergbahn alleine reicht nicht aus, um Gäste zu uns zu locken. Deshalb haben wir viel getan, um die Attraktivität der Region zu steigern“, weiß Diana Saager. So kamen bald ein Cabriowagen, der Erlebnispfad „Fröbelwald“ für Kinder, ein Speisewagen zum Einkehren, ein Museum und der Olitätenwagen hinzu. Der Speisewagen ist tatsächlich ein ausrangierter Bahnwaggon, in dem man, mit Blick ins Tal, ein erfrischendes Getränk und eine köstlich würzige Kräuterbratwurst genießen kann.

Mit dem Olitätenwagen nach Oberweißbach

Frisch gestärkt geht es mit dem halboffenen Olitätenwagen weiter nach Oberweißbach. Während der Fahrt und mit einem lauen Wind in den Haaren, kann man sich schon einmal auf die Kräuterregion einstellen.

Olitätenwagen

Entweder spielerisch beim Pflanzenmemo all die wunderbaren Pflanzen kennen lernen, im Duftkasten ihr besonderes Aroma erschnuppern und sogar Geräusche der Tiere und Insekten erraten. Oberweißbach ist nicht nur der Geburtsort des Erfinders des Kindergartens Friedrich Fröbel, sondern steht auch ganz im Zeichen der Wild- und Heilkräuter.

Buckelapotheker und Kräuterfrauen

Oberweißbach befindet sich auf einem Ausleger des Thüringer Schiefergebirges. Die Gegend war damals rau, karg und arm. Die sogenannten „Gustelsammler“ (Tannenzapfensammler) haben das Land erst urban gemacht. Sie forsteten das Land auf, so dass sich auch viele Köhler ansiedelten. Die Bevölkerung war sehr arm und da es keinen Arzt gab, blieb ihnen nicht anderes übrig, als sich selbst zu helfen. So beobachteten sie verletzte Tiere, die sich an Pflanzen rieben, um ihre Beschwerden zu lindern und eigneten sich so allerhand Wissen rund um die Heilpflanzen und Heilkräuter an. Sogar Mönche ließen sich bald in der Gegend nieder. Auf den Hochebenen rund um Oberweißbach haben sich, ähnlich wie in den Alpen, zahlreiche Heilkräuter und Heilpflanzen angesiedelt. Wie unter anderem Spitzwegerich, Frauenmantel, Johanniskraut und Arnika. Kräuterfrauen sammelten all die Heilpflanzen und gaben sie in Apotheken ab.

Daraus wurden dann Tinkturen und Medikamente hergestellt, die dann die Buckelapotheker, die oft die Ehemänner der Kräuterfrauen waren, mit großen Stiegen auf dem Rücken, im ganzen Land verkauften.

Viele Jahre später, während der sozialistischen Landwirtschaft, wurden die Wiesen gedüngt und Gräser gesät, was viele der Kräuter fast verschwinden ließ. Nach der Wende wurden dann die Bergwiesen beweidet, sodass Stück für Stück die Kräuter und Pflanzen zurückkamen.

Unterwegs auf dem Kräuterlehrpfad

Den Kräuterlehrpfad auf diesen Höhen gibt es bereits seit 1996. Bis auf das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel hört man kaum etwas anderes, wenn man den etwa 9,9 km langen Weg durch das Thüringer Schiefergebirge entlangwandert. Waren es damals etwa 50 bis 60 Kräuter, sind es mittlerweile fast 90 Kräuter, die sich ihren Standort zurückerobert haben.
Das besondere an dem Kräuterlehrpfad ist die Anordnung der Kräuter. Hier wurde nichts künstlich angelegt, sondern kleine Schildchen entlang des Weges neben den Kräutern aufgestellt. Seit 2015 wird der Pfad als digitale Kräuterspur bezeichnet, da man bequem via QR-Code auf den Schildchen per Smartphone die Kräuter bestimmen und alle wichtigen Informationen über sie und ihre Wirkung bekommen kann.

Kräuterwanderung

Denn oft wachsen um die Schildchen herum auch andere Pflanzen und so mache Heilpflanze hat sogar einen giftigen Doppelgänger.

Die Wunderpflanze der Heilpflanzen

Die typischste Heilpflanze für die Region ist die Arnika, so Fröbelstadt-Marketingchefin Katharina Eichhorn. Sie ist die Wunderpflanze der Heilpflanzen und hilft gegen allerlei Beschwerden. So lässt sie blaue Flecken verschwinden, hilft bei Verstauchungen und Verzerrungen. Sei es als Tinktur, Umschlag oder als Kügelchen. Findet man die Arnika bei einer Wanderung, sollte man sie auf gar keinen Fall abpflücken, denn in den 70er Jahren war sie fast verschwunden. Langsam kehrt sie zurück, gehört seitdem zu den geschützten Pflanzen und steht
sogar unter Naturschutz.

Brennesel, Huflattich und Co.

Aber fast genauso wirksam, gesund und vielseitig wie die Arnika, ist die große Brennnessel. Sie wirkt entgiftend und entschlackend. Ihre Samen sind getrocknet und geröstet besonders köstlich auf Salaten. Aber auch ihre Blätter kann man wunderbar zum Kochen verwenden. Auf Auf dem Kräuterlehrpfad gibt es aber noch andere Wildkräuter, die man auch hervorragend zum Kochen verwenden kann. Der kräftigend und antibakteriell wirkende Girsch eignet sich hervorragend zur Herstellung von Pesto oder Dips. Huflattich wirkt fiebersenkend und entzündungshemmend und schmeckt köstlich als Tee oder Sirup. Den blutreinigenden Sauerampfer kann man zu Aufstrich, Quark und Saucen verarbeiten. Doch die Kräuter sollte man lieber fernab des Weges sammeln, damit die Pflanzen auch für andere Wanderer noch zu bestaunen sind.

Kräuterfrauen und Buckelapotheker

Entlang des Pfades findet man natürlich nicht nur Heilkräuter. Folgt man der kleinen gelben Blume auf den Wegweisern, eröffnen sich einem atemberaubende Blicke ins Tal, duftende Wälder und kleine Bänke und Hütten, die zu einer Rast einladen. Auch eine Kräuterhütte mit allerhand Informationen und den Fröbelturm findet man auf dem Weg. Wandert man den Panoramaweg entlang, bewegt man sich sogar ein kleines Stück auf den Rennsteig und auch ein paar Meter des Jakobsweg führen dort entlang.

Ein Besuch im Kräuterstübchen

Kehrt man dann wieder nach Oberweißbach zurück, sollte man im liebevoll eingerichteten Fröbelhaus mit Museum und Kräuterstübchen eine Führung mit dem sympathischen Gerd Eberhardt machen und sich in die Welt Friedrich Fröbels entführen lassen. Auch Kräuterseminare werden dort angeboten, bei denen man seine eigene Salbe oder Tinktur aus Wildkräutern herstellen kann.

Fröbelmuseum und Kraeuterstuebchen

Hat man dann noch Zeit, überquert man nur kurz die Straße und findet sich in der „Hoffnungskirche“, der größten Dorfkirche Thüringens wieder. Sie hat die größte Kanzel Europas und ihr Innenausbau ist komplett aus Holz. Die übereinander angelegten Pfeiler der Emporen wurden aus jeweils einem Baum gebaut und der Kirchturm, der sich bis zu 1,58 Meter zur Seite neigte und auf das Kirchenschiff drückte, ist seit 1960 auch wieder fast gerade. In der Kirche sind ebenfalls die Spuren der Olitätenhändler zu entdecken, denn viele Inspirationen zum Bau brachten sie von ihren Reisen mit nach Oberweißbach. Sogar eine Likörfabrik gibt es in dem kleinen Örtchen. Der Kräuterbitter „Bergbahn Kräuter“ von Rudolf Trapp räumt nicht nur den Magen auf, sondern
eignet sich auch hervorragend als Mitbringsel.

Fröbelmuseum und Kraeuterstuebchen

Auf meiner Wanderung, auf den Spuren der Buckelapotheker, sind mir so viele wunderbare und freundliche Menschen begegnet. Ich habe die Ruhe, die Weite und die Natur genossen, an Pflanzen geschnuppert und Wildkräuter gekostet, sodass ich auf jeden Fall zurückkehren werde zu diesem wunderschönen Fleckchen mitten im Thüringer Schiefergebirge. Denn es gibt dort noch so viel mehr zu sehen.

Brennnessel Omelette

Omelett mit Brennessel

Zutaten:
500g Brennnesseln
2 EL Olivenöl
2 EL Frühlingszwiebeln
2 EL Meersalz
2 EL Parmesan
2 Eier
1 EL Butter
Spritzer Wasser
Prise Pfeffer
Sonnenblumenkerne

So geht’s:
Brennnesseln unbedingt mit Handschuhen pflücken, putzen und waschen. Dann die Blätter abzupfen und beiseite stellen. Die Frühlingszwiebeln waschen und klein schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und vorsichtig die Brennnesselblätter hinzugeben und mit Meersalz würzen. So lange dünsten, bis sie zusammenfallen. Danach die Brennnesselblätter aus der Pfanne nehmen und grob hacken. Keine Sorge, denn nach dem Erhitzen brennen sie nicht mehr.

Dann die Eier in eine Schüssel geben und mit Salz und Pfeffer würzen. Etwas Wasser hinzugeben und mit dem Schneebesen locker verquirlen. Eine Pfanne erhitzen und die Butter darin schmelzen. Die Eier vorsichtig hineingeben und sofort die Pfanne schwenken, damit sich die Masse gleichmäßig verteilt. Sobald sich erste Blasen bilden, die gestockte Masse vorsichtig mit einem
Pannenwender zur Mitte schieben. Die Pfanne dabei schräg halten, damit die noch flüssige Masse zum Rand laufen und ebenfalls stocken kann. Den Vorgang wiederholen, bis die ganze Masse gestockt ist. Jetzt den geriebenen Parmesan über dem Omelette verteilen und die gedünsteten Brennnesseln, die Sonnenblumenkerne und die Frühlingszwiebeln darüber geben.

Guten Appetit!

Jetzt seid ihr dran, welche Kreationen fallen euch dazu ein? Macht mit und gewinnt ein Wochenende auf der Wartburg. 

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE

Eine Antwort zu “Kräuterwandern in Thüringen – auf den Spuren der Buckelapotheker”

  1. Eberhard sagt:

    Sehr schöne Beschreibung, hat mir sehr gefallen!

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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