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Der wilde Wald von Thüringen

Schritt für Schritt gehen wir die Stahltreppen hoch. 230 Stufen sind es bis zum Ziel. Höhenangst darf man hier keine haben. Ich folge einfach zielstrebig Axel, der vor mir läuft. Axel, dem Ranger.

Wenn ich das Wort Ranger höre, dann denke ich an einen Mann in beiger Kleidung, robusten Schuhen, einer Art Cowboyhut auf dem Kopf und ein Fernglas um den Hals. Mit diesem hält er im Yellowstone-Nationalpark in den Staaten nach Adlern oder Grizzlybären Ausschau. Axel sieht auch so aus. Die Kleidung, der Hut, das Fernglas um dem Hals – alles identisch. Nur steht er nicht in einem Nationalpark in Wyoming, sondern in Thüringen auf dem Baumkronenpfad.

Wanderwege im Hainich

Der Ranger vom Nationalpark Hainich

Der erste Ranger, Harry Yount, trat 1892 seinen Dienst im Yellowstone-Nationalpark an. Der Begriff wurde eingedeutscht und beschreibt die Menschen, die sich unter anderem um die Umweltbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Infrastruktur eines Nationalparks, Naturparks oder Biosphärenreservats kümmern. Auf Deutsch: ein Schutzgebietsbetreuer. Aber sind wir mal ganz ehrlich – da hört sich Ranger schon cooler an.

Axel ist seit acht Jahren einer der circa 22 Rangern, die sich um das UNESCO-Weltnaturerbe Nationalpark Hainich in Thüringen kümmern. Seinen wachen Augen entgeht kein Pflänzchen und Tierchen, das er den Besucher zeigen kann. Wusstet ihr, dass die Menschen früher die Wurzel der Haselwurz als Pfeffer genutzt haben? Oder wie man einen Dachsbau erkennt?

Spitzahorn im Hainich

Hoch über den Wipfeln

Noch zwei Stufen und wir sind da, am Startpunkt des circa 500 Meter langen Baumkronenpfads, der die Besucher nicht nur über die Bäumen auf 44 Meter Höhe begleitet, bringt auch zum Staunen. Noch nie habe ich von oben die Blüten des Spitzahorns sprießen sehen und wie giftgrüne Petersilie-Büschel an den Ästen hängen. Axel erklärt mir nicht nur die Natur, sondern erzählt mir auch von seinem Leben. Was er schon alles gesehen und erlebt hat, da staune ich als Reisebloggerin nicht schlecht. Mit dem Fahrrad ist er durch Äthiopien geradelt, ist den Salkantay Trail in Peru gelaufen, hat die Sierra Blanca gesehen, Indien, Ghana, Bolivien, Sri Lanka … „Wo ist es denn am schönsten?“, will ich wissen. Die Frage brennt mir immer auf der Zunge, wenn ich Menschen treffe, die schon so viel von der Welt gesehen habe. Axel überlegt nicht lange und antwortet: „Das sollte die Heimat sein, sonst würde man ja nicht wieder zurück kommen!“ Bis jetzt ist er all die Jahre, die er schon die Welt bereist, immer wieder gerne zurück in seine Heimat Thüringen gekommen. Denn hier möchte er den Menschen als Ranger die Schönheit der Natur zeigen und näher bringen. Wichtig ist ihm, dass die Besucher nicht mit Fakten und Zahlen nach Hause gehen, sondern das jeder den Wald auf seine Art und Weise erlebt.

Aussicht vom Baumkronenweg im Hainich

Jeder Tag ist anders

Für mich war es einzigartig. Wo ich sonst im Frühling nur den grünen Bärlauch und die Buschwindröschen aus dem Boden sprießen sehe, kann ich von hier oben auf dem Baumkronenpfad sehen, wie sich die Knospen der Blätter öffnen und knallgrüne, zarte Blätter zum Vorschein kommen. Daher hat der Weg auch seinen Namen. Über den Baumkronen laufen die Besucher durch den Wald. Neben Führungen über den Pfad, leitet Axel auch Touren durch den Nationalpark, der sich langsam aber sicher zu einem Urwald mitten in Deutschland entwickelt. Axel ist für Technisches und Reparaturen zuständig, übernimmt Kontrollgänge durch den Hainich oder führt Bloggerinnen durch die Region. Jeder Tag ist anders und das ist es, was er so liebt. Die Abwechslung, die Natur und der Kontakt zu den Menschen. „Wolltest du schon immer Ranger werden?“, fragte ich. Axel überlegt kurz. „Eigentlich nicht. Ich bin zwar schon immer gerne im Wald gewesen, aber früher, zu DDR-Zeiten, war es nicht real und erst später ergab sich die Möglichkeit dazu.“ Jetzt ist der Wald sein Arbeitsplatz und Axel hat seinen Traumberuf gefunden – Ranger.

Wir haben den höchsten Punkt des Baumkronenpfads erreicht und blicken über Thüringen. Hieroben haben wir den perfekten Ausblick auf saftig grüne Wiesen, dem Hainich und einem blauen Himmel mit Schäfchenwolken. So schön es in Namibia und Indien auch ist und wie sehr das Reisen unser beider Leben bereichert, bei einer Sache sind wir uns einig – wir dürfen nie die Schönheit unserer eigenen Heimat unterschätzen.

Aktiviere deine Lebensgeister und entdecke die vielfältige Natur Thüringens. Diese Vielfalt lässt sich am besten mit einer geführten Wanderung erkunden.

Mehr Infos gibt es hier: Wanderungen im Hainich

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE
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