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Bornsenf, Schnupfen und die beste Bratwurst Erfurts

Wenn man im August oder September über das Land fährt und die Felder in leuchtendem Gelb erstrahlen, wundert sich der ein oder andere, warum denn schon wieder der Raps blüht. Was viele nicht wissen ist, dass die gelbe Blütenpracht keinesfalls Raps, sondern die Senfpflanze ist. Denn im Thüringer Becken und im Unstrut-Hainichkreis wird die Hauptzutat für den beliebten Erfurter Born Senf angebaut. Seit über zehn Jahren werden für die Senfherstellung ausschließlich die gelben Senfsamen aus Thüringen verwendet.

Geschichtliches zum Bornsenf

Bereits im Jahr 1820 gründeten die Brüder Louis und Wilhelm Born in Erfurt ihre Fabrik, in der sie neben Essig auch Senf herstellten. Zu DDR-Zeiten wurde die Fabrik verstaatlicht und ist seit 1990 wieder in privaten Händen. Ursprünglich produzierte man in Ilversgehofen, einem Vorort von Erfurt. Als das Gebäude baufällig wurde, zog die Produktion nach Bad Langensalza um. Schon ab Ende 2018 soll der Senf wieder in Erfurt, in der Nähe seines Ursprungsortes, hergestellt werden. Bei all den Veränderungen blieb jedoch eins immer konstant, der Semper Clara Brunnen im Logo, der im Hof der ersten Fabrik in Ilversghofen stand.

Doch wer hat den Senf, wie wir ihn heute kennen eigentlich erfunden?

Das erste überlieferte Rezept soll der Römer Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst haben. Ab dem 8. Jahrhundert breitete sich der Senf in ganz Europa aus. Er wurde zur Verfeinerung von Speisen und auch in der Heilkunde verwendet. Denn dem Senf schreibt man auch zahlreiche heilende Wirkungen zu. So soll er ein hilfreiches Mittel bei Erkältungen sein und die Verdauung anregen. „Unsere Mitarbeiter in der Produktion sind im Winter nie krank“, erzählt Stefanie Kube, Verkäuferin im Born Senfladen in Erfurt, schmunzelnd. „Bei Bronchitis helfen Senfmehlwickel und bei kalten Füßen wirkt ein Fußbad mit Senfmehl Wunder“, so Stefanie Kube weiter.

All die leckeren Senfsorten

Ich gehe durch das kleine Lädchen an der Krämerbrücke und möchte am liebsten alles kosten. Neben über 30 verschiedenen Senfsorten gibt es dort unter Anderem auch Senfschnaps, Pralinen mit zarter Senffüllung und sogar Senf-Gin. „Sehr beliebt ist unser frisch gezapfter Senf“, weiß Stefanie Kube. Der Senf ist gerade mal zwei Wochen alt und nicht zu vergleichen mit den fertig abgefüllten Sorten. Ich schnuppere am Glas und mir steigen leicht die Tränen in die Augen. Denn die gemahlenen Senfkörner, die Senfschrot ist sehr scharf, deshalb muss der Senf mindestens zwei Wochen stehen, bis er gegessen werden kann.

Auf meine Frage, welche Senfsorte denn im Moment die Beliebteste ist, antwortet Stefanie Kube, „Unser Spitzenreiter ist die Feinschmeckersorte Mango-Weißer Balsamessig“ und deutet schmunzelnd auf die Lücke im Regal. Aber auch Biersenf ist in der Grillzeit besonders beliebt. Aus exotischen Sorten wie Cassis-Senf kann man im Handumdrehen ein fruchtiges Salatdressing  machen und den Bärlauchsenf kann man sogar direkt als Brotaufstrich verwenden. Für traditionelle Eier in Senfsoße eignet sich am Besten der klassische mittelscharfe Senf. Ich kann kaum aufhören mich durch all die leckeren Senfsorten zu probieren. Und während ich so koste, mit meinem Holzstäbchen (kleiner Tipp am Rande: Senf niemals mit einem Metalllöffel  entnehmen, denn der oxidiert und man bekommt einen metallischen Geschmack im Mund), beobachte ich die Menschen, die sich begeistert in dem kleinen Lädchen von Regal zu Regal bewegen. Die Einrichtung ist liebevoll. In edlen schwarzen Regalen stehen die Feinschmeckersorten und die kleinen Lämpchen über der Kasse sind aus ehemaligen Senfgläsern gefertigt.

Herr Schulte, mit Hosenträgern und einer fröhlichen Fliege um den Hals, den es in seiner Jugend nach Mecklenburg verschlug, kehrt in regelmäßigen Abständen in seinen Geburtsort zurück. Mit dem Spruch auf den Lippen „Zu Eiern, Käse, Fleisch und Fisch, gehört auch Bornsenf auf den Tisch“, erklärt er mir, dass er nie ohne einen Besuch bei Born nachhause fährt. Und siehe da, der  Spruch ziert heute noch den kleinen Becher des mittelscharfen Senfs.

Ein Spaziergang durch Erfurt und eine echte Thüringer Rostbratwurst

Zum Senf gehört in Thüringen zweifelsohne die Bratwurst. So manch einer erntet einen hämischen Blick, wenn er Ketchup dazu bestellt. Will man, laut der Einheimischen, die beste Bratwurst Erfurts essen, sollte man den Besuch bei Born Senf mit einem kleinen Stadtbummel und der anschließenden Einkehr bei Faustfood mit Inhouse Grill in der Waagegasse verbinden. Seit der Gründung im November 2018 ist die Bratwurst eindeutig der Spitzenreiter, natürlich mit Bornsenf, weiß Michael Lehmann, Betreiber des Restaurants. So entstand übrigens auch der Name Faustfood: Essen aus der Faust. Kleiner kulinarischer Tipp am Rande: Wer sich durch die Geschmacksvielfalt der Bratwurst Thüringens kosten möchte, der darf am 16. März 2019 auf gar keinen Fall das große Angrillen auf dem Erfurter Domplatz verpassen. Natürlich nur mit Senf.

Frisch gestärkt sollte man unbedingt noch ein wenig die Landeshauptstadt erkunden. Beginnend mit einem Spaziergang über die malerische Krämerbrücke, die längste durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas, mit all ihren kleinen Lädchen, in das dahinter liegende „Kleinvenedig“. Auch ein Besuch der alten Synagoge aus dem 11. Jahrhundert mit dem Museum und dem Erfurter Schatz ist absolut empfehlenswert, so Kristin Luther vom Erfurter Tourismus Marketing. Oder wie wäre es mit einem Blick über die Stadt mit ihren Kirchtürmen vom Petersberg aus? Hat man  Glück und gutes Wetter, kann man sogar bis in den Thüringer Wald schauen.

Mit all den wunderbaren Eindrücken des Tages und einem Lächeln im Gesicht, begebe mich auf den Nachhauseweg. Mein Gläschen mit dem frisch gezapften Born Senf in der Hand, fällt mir doch gleich dieses Herbstrezept ein.

Pastinakensüppchen mit Senf und Granatapfelkernen

Zutaten:

500g Pastinaken
2 Stängel Frühlingszwiebeln
500 ml Gemüsebrühe
1-2 EL Senf
Kresse
1/2 TL Kurkuma
Prise Salz
Pfeffer
etwas Zimt
Olivenöl
100ml Sahne nach Geschmack
Creme Fraiche nach Geschmack

Zubereitung:

Die Pastinaken schälen und in kleine Stücke schneiden. Die Frühlingszwiebeln zerkleinern und in einem Topf glasig anbraten. Die Pastinakenstücke dazugeben und leicht mit anschmoren.
Dann mit der Brühe ablöschen und bei kleiner Flamme etwa 25 Minuten köcheln lassen. Wenn die Pastinaken weich sind, die Gewürze, Senf, etwa 1 TL gehackte Kresse und nach
Belieben Sahne dazugeben und alles fein pürieren. Kurz aufkochen lassen und nach Bedarf mit etwas Wasser verdünnen. Alles in hübsche Schälchen geben und mit Creme Fraiche, Granatapfelkernen und Kresse garnieren.

Guten Appetit!

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Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EFRE) und dem Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) kofinanziert.

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