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Außergewöhnlich Übernachten im Zugwagon

Thüringen ist eigentlich nur bekannt durch seine Bratwurst und Klöße. Aber es hat so viel mehr zu bieten als das. Ich bin in Thüringen aufgewachsen und trotzdem jedes Mal überrascht von der Schönheit des Landes. Wir sind in meiner Kindheit und Jugend oft den Weg von Nordhausen nach Erfurt gefahren, aber ich war viel zu sehr mit meinen wichtigen Teenagerproblemen beschäftigt, als das ich irgendwas anderes um mich herum wahrgenommen hätte. Und so habe ich die Abbiegung kurz hinter Sondershausen nie wirklich registriert. Bis dann der letzte Samstag kam und ich mich auf den Weg nach Kirchheilingen machte. Kurz hinter der einzigen größeren Stadt zwischen Nordhausen und Erfurt bog ich also rechts ab und das Bild was sich mir da bot, war wirklich traumhaft schön – leichte Berge, prächtig blühende Rapsfelder, eine weite Sicht und das nächste Dorf samt Kirchturm. Und mag das noch so klischeehaft klingen – es war wirklich wundervoll.

Kirchheilingen Kirchturm

Die Kleinbahnpension in Kirchheilingen

In Kirchheilingen fährt man nur unweit von der Hauptstraße die Bahnhofstraße entlang und biegt rechts in den ehemaligen Bahnhof ein. Da steht sie dann – die Kleinbahnpension. Und auch wenn ich vorher wusste, dass ich in einem Zugwagon nächtigen würde, hatte ich nicht wirklich mit einem ECHTEN Wagon auf richtigen GLEISEN gerechnet. Und obwohl ich mich im vornherein auf der Homepage informiert habe, hatte ich maximal etwas nachgebautes erwartet. Der Wagon wurde innen ausgebaut. Platz fanden zwei Abteile und ich durfte in den „Heilinger Höhen“ schlafen.

Kleinbahnpension Zugwagon auf Schienen

Kleinbahnpension Zugwagon auf Schienen

Kleinbahnpension Zugwagon auf Schienen Hinteransicht

Man erwartet von außen wirklich nicht das, was man innen vorfindet. Trotz, dass es auf den ersten Blick nicht sonderlich groß erscheint, finden vier Personen Platz darin. Vorrangig Eltern mit Kindern, aber auch 4 Erwachsene finden in einem Abteil Platz zum schlafen. Die Raffinesse ist ein Hochbett mit unterstellter ausziehbarer Schlafcouch. Zudem gibt es ein kleines Bad mit Dusche und eine Küche, in der man Kaffee kochen und Nudeln aufsetzen könnte.

Diese Möglichkeiten musste ich gar nicht ausschöpfen, denn am gleichen Tag fand ein Hoffest in der Pension statt. Dies wurde von der Agrargenossenschaft Kirchheilingen organisiert und es gab zahlreiche Angebote. Bei Kaffee und Kuchen erzählte Frank Baumgarten leidenschaftlich von allen Projekten, die die Dorfgemeinschaft gemeinsam auf die Beine gestellt hatte.

Der Bahnhof war von 1913 bis 1967 noch als solcher in Betrieb. Einige Zeit später wurde dieser als Modell nachgebaut und so hat die Kleinbahnpension ihren Ursprung in einer Modelleisenbahn, welche man im Kleinbahnmuseum besichtigen kann. Die Gemeinde bekam später einen noch funktionstüchtigen, aber ungenutzten Wagon geschenkt. Dieser wurde in einer Aktion nochmals getauscht, denn zwei ehemaligen Bahnern war es eine Herzensangelegenheit, dass Züge, die noch fahren können, auch fahren sollen. Der andere Wagon wurde als Projekt von Oktober 2012 bis 2013 zur Pension ausgebaut. Und mittlerweile gibt es jährlich etwa 150 Buchungen. Eine Übernachtung gibt es bereits ab 50€ pro Abteil.

Was mich besonders beeindruckt hat, sind die verschiedenen Projekte, die gemeinsam auf die Beine gestellt werden. Zum Beispiel wurde eine eigene Schule gegründet, für den Fall, dass die Dorfschule geschlossen wird. Nach erfolgreicher Trägersuche wurde 2014 die kleinste Privatschule mit 10 Kindern eröffnet. Sie wächst ständig und man ist händeringend auf der Suche nach Lehrpersonal.

Aber nicht nur für die jungen Menschen wird etwas getan, auch die Alten werden nicht vergessen. Älteren Menschen fällt aufgrund der Gesundheit ja oft das Instandhalten vom eigenen Haus & Hof schwer. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurden altersgerechte Bungalows gebaut. Dort können ältere Menschen einziehen und ihre Häuser an eine jüngere Generation weitergeben.

Noch in diesem August eröffnet eine Gläserne Manufaktur. Dort können Gäste dann sowohl ihr mitgebrachtes als auch vorher auf dem Gelände gesammeltes Obst zum Beispiel selbst pressen oder Marmelade kochen. Aus dem selbst gemahlenen Mehl aus der eigenen Mühle können gemeinsam Plätzchen oder Brot gebacken werden. Außerdem wird es eine Lehrküche mit Kochevents geben. Das klingt doch wirklich spannend, oder?

Zum krönenden Abschluss des Gesprächs durfte ich sogar noch auf einem Traktor mitfahren. Yeah! Eigentlich wollte ich davon auch ein Video machen, aber mein Beifahrer (der eigentlich der Fahrer war) meinte ständig: „Es muss auch ohne Handy gehen! Es muss auch ohne Handy gehen!“ Na gut, dann mal ohne Handy und einfach nur genießen – es war herrlich. Stellt euch einfach vor, wie mein wehendes Haar durch den Wind flatterte.

Traktoren in Kirchheilingen

Nach allerhand Eindrücken ging es für mich zurück „auf die Heilinger Höhen“. Normalerweise hätte ich in der Zeit meine Social Media Kanäle gefüttert, aber leider gab es kein WLAN und auch sonst reichte der mobile Empfang kaum dazu, ein Bild zu posten. Also nutzte ich die Zeit um ein wenig zu entspannen und die Eindrücke zu verarbeiten. Vielleicht auch nicht das schlechteste 🙂

Am Abend wagte ich mich noch mal auf das Partygelände, denn es stand Live-Musik auf dem Programm. Die Band „borderline“ führte durch den Abend und ich mischte mich etwas unter das Volk.

Am nächsten Morgen klopfte es plötzlich und mir wurden warme Brötchen gebracht – das nenne ich Service. Mir wurde dabei mitgeteilt, dass ich die Marmelade und den vorbereiteten Wurstteller aus dem Kühlschrank mitnehmen dürfte. Wow, das fand ich wirklich toll!

Die Stadt Bad Langensalza als Ausflugsziel

Botanischer Garten Bad Langensalza

Als Ausflugsziel empfehle ich das nahe gelegene Bad Langensalza. Die Innenstadt rund um den Markt ist wunderschön angelegt. Schon auf dem Weg dorthin fielen mir die kleinen Gässchen und schön angelegten Parks positiv auf. Der Marktplatz zeigte sich, samt Blumenverkauf, in seiner ganzen Pracht. Ich verweilte eine Weile dort und ließ das Geschehen auf mich wirken. Frische Blumen wurden geliefert, Pasta wurde an den Tisch gebracht, die Glocken läuteten, alte Bekannte trafen sich und eine ältere Dame lächelte zufrieden über ihren herrlich bunten Blumenstrauß.

Innenstadt von Bad Langensalza

Als besonderes Highlight empfehle ich den Botanischen Garten. Der überschaubare Garten kostet 3€ Eintritt und wartet mit beeindruckenden Pflanzen und Gebäuden auf sich. Er war so schön angelegt, dass ich einige tolle Bilder machen konnte.

Und so endete für mich ein Aufenthalt in Thüringen viel zu schnell. Aber, ich werde wieder kommen!

TIPPS FÜR DEINE URLAUBSPLANUNG AUF THUERINGEN-ENTDECKEN.DE
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